Sport : Barrichello umkurvt das Chaos

Der Brasilianer gewinnt in Silverstone das Rennen gegen die Schumachers und einen Fan auf der Fahrbahn

Karin Sturm

Silverstone. Die entscheidende Szene beim Formel-1-Rennen in Silverstone spielte sich in der zwölften Runde ab: Ein Mann im Schottenrock, mit Plakaten behängt, lief plötzlich über die Strecke, den Autos entgegen. „Ich habe mich ganz schön erschrocken“, sagte später der Kolumbianer Juan-Pablo Montoya, der in dem Moment gerade versuchte, aus dem Windschatten hinter Michael Schumacher auszuscheren. „Ich habe im ersten Moment überlegt, ob ich die Hand heben und langsamer fahren sollte, aber dann habe ich gedacht, das macht ja sonst auch keiner – und deshalb habe ich nur über Funk gesagt, was da los ist.“

Michael Schumacher sah es nicht so dramatisch: „Ich musste dem sogar ausweichen, aber wirklich gefährlich war das nicht. Der wollte nur seine Show abziehen.“ Der Übeltäter, ein 56-jähriger Brite, konnte von den Streckenposten nach einiger Zeit überwältigt werden und wurde wegen schweren Landfriedensbruchs festgenommen. Da wurden Erinnerungen an Hockenheim 2000 wach, als ein entlassener Mercedes-Angestellter über den Kurs lief. Ironie des Schicksals: Auch damals hieß der Sieger wie jetzt in Silverstone Rubens Barrichello, der Ferrari-Teamgefährte von Michael Schumacher. Der Weltmeister aus Kerpen wurde nach einer beeindruckenden Aufholjagd noch Vierter hinter Barrichello, Montoya und dem Finnen Kimi Räikkönen, der in der Gesamtwertung nun sieben Punkte hinter dem führenden Michael Schumacher liegt. Dessen Bruder Ralf, zuletzt Sieger auf dem Nürburgring und in Magny-Cours, musste sich mit dem neunten Rang begnügen.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug fand die Sache mit dem Zuschauer, der auf die Piste rannte, gar nicht witzig: „So was ist kein Kavaliersdelikt, da muss man hart durchgreifen, so jemand darf nicht ungeschoren davonkommen.“ Dabei hatte McLaren-Mercedes diesmal von dem Durcheinander sogar profitiert. Als das Safety Car auf der Strecke war, fuhren fast alle Fahrer zum Tanken an die Box. Dabei fiel eine Vorentscheidung gegen Michael Schumacher, denn bei Ferrari und BMW-Williams entschied man sich, beide Autos hintereinander abzufertigen. Der Titelverteidiger musste hinter seinem besser platzierten Teamkollegen Rubens Barrichello warten – und fiel bis auf den 14. Platz zurück. „Das war natürlich alles äußerst ärgerlich, aber im Prinzip nicht anders zu machen“, sagte Michael Schumacher. Später leistete er sich beim Duell mit Fernando Alonso noch einen Abstecher in die Wiese, der ihn erneut einige Plätze kostete. „Unter diesen Umständen muss ich mit dem vierten Platz noch ganz zufrieden sein.“ Vor allem, weil sich an der Spitze Rubens Barrichello gegen Kimi Räikkönen durchsetzte und damit seinem WM-Rivalen noch Punkte abnahm.

Barrichello hatte den entscheidenden Zwischenfall gar nicht mitbekommen. „Als ich das Safety Car sah, habe ich nur gehofft, dass es keinen Brasilianer erwischt hat“, flachste Barrichello. In den letzten Wochen war er heftig in die Kritik geraten. „Ich hoffe, dass ich den Leuten jetzt das Mundwerk gestopft habe.“

Räikkönen, der Reifenprobleme hatte, verlor durch einen Ausrutscher auch noch seinen zweiten Platz an Montoya. „Ich bin ganz normal auf die Bremse gestiegen, als plötzlich das Heck ausbrach. Barrichello hätte ich aber auf keinen Fall halten können, der war heute einfach zu schnell“, sagte der Finne.

Vor dem Zwischenfall mit dem auf die Strecke laufenden Zuschauer war das Safety Car schon einmal im Einsatz. Am Auto von David Coulthard hatten sich Teile gelöst. Die lagen auf der Strecke und mussten geborgen werden. Doch zuvor war dieser Vorfall Ralf Schumacher zum Verhängnis geworden. Ein Teil hatte sich in den Kühler gebohrt und verursachte damit erhöhte Wassertemperaturen. Ralf Schumacher musste einen zusätzlichen Boxenstopp einlegen und hatte damit keine Chance mehr auf WM-Punkte. Er fiel auf Platz vier hinter seinen Stallgefährten Montoya zurück.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben