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Baseball: Chicago Cubs : Regen spült den Fluch der Ziege fort

Nach 108 Jahren hat es endlich geklappt: Die Chicago Cubs gewinnen verdient den Titel in der Major League Baseball.

Jörg Leopold
Sweet Home(run) Chicago. Das war es!
Sweet Home(run) Chicago. Das war es!Foto: Reuters/Richard

Der Glaube an höhere Mächte hat bei den Fans der Chicago Cubs seit jeher Tradition. Allerdings nicht unbedingt im positiven Sinne. Berühmt geworden ist jene Ziege, die so sehr stank, dass ein Fan sie nicht zu einem Finalspiel mit ins Stadion nehmen durfte. Darauf sprach der sture Mann den Fluch aus, die Cubs würden so lange nicht die World Series gewinnen, bis seine Ziege wieder zuschauen dürfe. Das war 1945. Es hätte es wohl niemanden in Chicago überrascht, wenn es für die Mannschaft am Mittwochabend im alles entscheidenden siebten Spiel der World Series gegen die Cleveland Indians mal wieder nicht zum Meistertitel in der Major League Baseball (MLB) gereicht hätte. So wie das seit 1908 noch in jedem Jahr der Fall war.
Doch dann tat sich Wundersames. Nachdem die Cubs eine komfortable 6:3-Führung in der Schlussphase verspielt hatten, prasselte Regen hernieder auf das Progressive Field von Cleveland. Just in dem Moment, da das Spiel beim Stand von 6:6 in die Verlängerung gehen sollte.
Für die Gäste aus Chicago hätte es keinen besseren Zeitpunkt für eine Unterbrechung geben können. „In gewisser Weise glaube ich, dass die Regenpause göttliche Fügung war. Es ging gerade alles viel zu schnell für uns“, sollte Jed Hoyer, der General Manager der Cubs, später sagen. Und tatsächlich: Als das Spiel nach 17 Minuten fortgesetzt wurde, gelangen Chicago die beiden vorentscheidenden Runs. Zwar geriet die Führung anschließend noch einmal in Gefahr, doch als nach dem letzten Aus der Indians der 8:7-Erfolg feststand, war Gewissheit, was für viele in Chicago immer noch schwer fassbar ist: Die Cubs haben 108 Jahre nach ihrer letzten Meisterschaft wieder den Titel in der MLB gewonnen. Outfielder Ben Zobrist, der zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt wurde, meinte. „Es war wie ein Schwergewichtskampf im Boxen. Und jetzt stehen wir hier mit dem Pokal.“

Schon vor Saisonbeginn galten die Cubs als erster Anwärter auf den Titel

Überraschend kam der Titelgewinn allerdings nicht. Schon vor Saisonbeginn galten die Cubs als erster Anwärter für einen World-Series-Triumph. Dieser Favoritenrolle auch gerecht zu werden, machte die Sache allerdings nicht unbedingt leichter. Dem Team gelang es, die Erwartungen in der regulären Saison zu erfüllen. Mit 103 Siegen in 162 Spielen konnte Chicago die beste Bilanz aller 30 Mannschaften in der MLB vorweisen.
Doch die Playoffs sind etwas völlig anderes, Baseball wird hier nicht mehr einfach nur gespielt, sondern praktisch in seine Einzelteile zerlegt. Die Finalserie gegen Cleveland machte das nur zu deutlich. Die Indians hatten mit Manager Terry Francona bereits in den Play-off-Runden zuvor gezeigt, dass Spiele auch durch taktische Winkelzüge entschieden werden können. Und auch in der World Series lagen die Indians schon mit 3:1-Siegen vorn, weil Francona seine Pitcher schon beim geringsten Anzeichen von Schwäche auswechselte, die Defensive seines Teams perfekt funktionierte und die Offensive andererseits die Fehler des Gegners gnadenlos bestrafte.

Die Cubs profitierten in dieser schwierigen Situation vielleicht auch von ihrer Unbekümmertheit. Die vielen jungen Spieler brachen unter der riesigen Erwartungshaltung und angesichts der drohenden Niederlage nicht zusammen. „Ich glaube, sie haben sich um die ganze Historie nicht weiter geschert, sondern einfach nur Baseball gespielt“, sagte David Ross, der 39-Jährige Senior im Team und von allen nur „Grand Pa“ genannt. Den Stress gab es dafür von außen. Manager Joe Maddon irritierte schon im sechsten Spiel gegen die Indians mit fragwürdigen Entscheidungen und trieb das einen Tag später auf die Spitze. Wären seine überhasteten Spielerwechsel in der Schlussphase komplett schief gegangen, hätte er sich einige unangenehme Fragen gefallen lassen müssen.

Es muss nicht wieder 108 Jahre dauern bis zum nächsten Titel

Letztlich nahmen die Spieler das Heft des Handelns schließlich sogar selber in die Hand. In der kurzen Regenpause rief Outfielder Jason Heyward seine Kollegen in der Kabine zusammen. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich sie liebe und stolz auf sie bin und dass wir jetzt da rausgehen und irgendwie versuchen, das Spiel zu gewinnen“, sagte Heyward später. Es sind solche Geschichten, die sich die Baseball-Fans in den USA und speziell die der Cubs noch in Jahrzehnten erzählen werden. Künftig wird dann allerdings nicht mehr darüber diskutiert, warum es die Mannschaft mal wieder nicht geschafft hat, sondern wie das von Team 2016 allen Widrigkeiten zum Trotz den Titel holte. Und es muss keineswegs wieder 108 Jahre dauern bis zur nächsten Meisterschaft.

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