Baseball : Homeruns für Olympia

Die Major League Baseball (MLB) versucht, mit einem Turnier für Nationalteams ihre Sportart international populärer zu machen - doch die Vereine der MLB stellen ihre Spieler nur ungern für die World Baseball Classic ab.

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Ein Hit. Superstar Miguel Cabrera tritt bei der WBC für Venezuela an.
Ein Hit. Superstar Miguel Cabrera tritt bei der WBC für Venezuela an.Foto: dpa

Bud Selig hatte eine Idee. Als Baseball im Jahr 2005 aus dem olympischen Wettkampfprogramm gestrichen wurde, erfand er kurzerhand die World Baseball Classic (WBC). Ein Nationenturnier mit Profis aus der nordamerikanischen Major League Baseball (MLB), der Selig als Chef vorsteht. Am Sonnabend startet die dritte Auflage mit Spielen in Japan und Taiwan. Insgesamt nehmen 16 Länderteams an der WBC teil, weitere Gastgeber sind Puerto Rico und die USA, wo Mitte März die Finalrunde ausgetragen wird. „Das wird die größte World Baseball Classic aller Zeiten“, sagte Selig schon vor einigen Monaten.

Dahinter steckt auch die Hoffnung, mit einem Turnier wie der WBC weitere Märke außerhalb der USA zu erschließen. Der Weltbaseballverband IBAF hat sich dem Diktat der mächtigen US-Profiliga längst komplett untergeordnet. Eigene Weltmeisterschaften gibt es seit 2011 nicht mehr, diesen Rang nimmt inzwischen die WBC ein. Und auch die olympische Zukunft hängt fast ganz allein von der Major League Baseball ab. Im Herbst fällt die Entscheidung, ob Baseball ab 2020 wieder Sportart bei Olympia wird. Sollte sich die MLB wie bisher weigern, ihre Profis für den Zeitraum der Sommerspiele abzustellen, hat Baseball kaum Aussichten auf eine Wiederaufnahme ins Wettkampfprogramm.

Im Moment spricht nicht sehr viel für eine Änderung dieser Haltung bei den Klubs in Nordamerika. Schon jetzt lassen die Teams ihre Spieler nur widerwillig zu deren Nationalmannschaften ziehen, damit sie an der World Baseball Classic teilnehmen können. Am 31. März beginnt die neue Saison in der MLB, die Profiklubs befinden sich derzeit inmitten der Saisonvorbereitung. Einige Teams müssen wegen der WBC auf bis zu 14 Spieler verzichten, die Angst vor Verletzungen ist groß. Nicht nur bei den Klubs, sondern auch bei den Profis selbst. Viele Stars treten deshalb erst gar nicht an. Dabei sind die Regeln des Turniers von vornherein so angelegt, dass Risiken gerade für die sensiblen Arme der Pitcher eher klein gehalten werden. Ein bestimmtes Limit für Würfe darf beispielsweise nicht überschritten werden. Dazu gibt es konkrete Bestimmungen, wer wann wie viele Tage nach einem Einsatz pausieren muss.

Die Skepsis in den USA ist dennoch groß, vor allem der Termin des Turniers steht in der Kritik. Doch während in den Staaten niemand so richtig Lust auf die World Baseball Classic zu haben scheint, ist die WBC international tatsächlich eine kleine Erfolgsgeschichte. In Japan, das die beiden ersten Austragungen gewinnen konnte, gehören die Übertragungen von den Finalspielen 2006 und 2009 zu den meistgesehenen Sportsendungen aller Zeiten. Und Spieler aus Lateinamerika sind stets mit großem Pathos dabei, wenn sie Bälle für ihr Land schlagen dürfen.

Gern wäre auch die deutsche Nationalmannschaft bei der World Baseball Classic aufgelaufen, doch das Team verpasste im vergangenen Herbst die Qualifikation. „Ein großes Event“ nannte Bundestrainer Greg Frady die WBC einmal. Der mächtige MLB-Boss Bud Selig hätte wohl nichts dagegen, wenn sie in Zukunft noch größer werden würde.

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