Baseball : Kansas City: Von Bettlern zu Königen

Kansas City steht nach fast 30 Jahren ohne Erfolg plötzlich in der Finalserie der Major League Baseball (MLB) und begeistert die USA. Dabei hat Kansas in der Vorrunde die wenigsten Homeruns aller 30 Teams geschlagen.

Komm an meine breite Brust. Die Royals feiern den Finaleinzug.
Komm an meine breite Brust. Die Royals feiern den Finaleinzug.Foto: dpa

Sie sind jung, enthusiastisch, athletisch – und derzeit so etwas wie „America’s Team“. Geschichten wie die der Kansas City Royals lieben sie in Amerika. Die Baseballer hatte vor der Saison niemand auf der Rechnung. Das Team hatte 29 Jahre lang die Play-offs verpasst. Nun stehen die Royals nach acht Siegen in acht Spielen in der Finalserie, haben als erste Mannschaft in der Geschichte die Finalserie der Major League Baseball (MLB) ohne Niederlage erreicht – und auf dem Weg dorthin nicht nur die eigene Anhängerschaft begeistert. In der Dienstag beginnenden World Series sind sie plötzlich Favorit gegen die San Francisco Giants.

„Wir spielen aufregenden Baseball und haben einige neue Fans in Amerika hinzugewonnen. Die haben sich in unser Team, unsere Athletik und Energie verliebt“, sagt Trainer Ned Yost stolz. Die Geschichte der „Königlichen“ aus Kansas ist ein Sportmärchen vom Kleinen, der jahrelang belächelt wird und auf einmal die ganz Großen nicht nur ärgert, sondern besiegt. Und das mit einem Low-Budget-Team: Mit ihrem Etat von 92 Millionen Dollar stehen die Royals in der Geldrangliste nur auf Platz 19 – Spitzenreiter Los Angeles Dodgers gab 235 Millionen aus.

Zudem spielt Kansas City Baseball, wie es ihn schon lange nicht mehr gegeben hat. In der Vorrunde hat keines der 30 Teams weniger Homeruns geschlagen, als KC (95). Die Baltimore Orioles wiesen in dieser Statistik 211 Homeruns auf – scheiterten in der Halbfinal-Serie aber glatt in vier Spielen an Kansas. Auf die immer häufiger gestellte Frage nach dem Grund für den Erfolg antwortet Yost: „Schnelligkeit, Defensive, Bullpen.“ Bullpen meint die Qualität der Pitcher.

Die Cinderella-Story entschädigt die Royals-Fans für fast drei Jahrzehnte Frust. Als der Verein 1985 letztmals in den Play-offs spielte, wurden die Royals zum ersten und einzigen Mal Meister. Es folgten etliche Jahre voller Enttäuschungen und Tristesse. In dieser Zeit gab es sogar ein offizielles Teamfoto mit der Aufschrift: „Wer will eigentlich ein Bild von diesem Team?“ Es war die längste Durststrecke im gesamten nordamerikanischen Profisport.

Als es am 30. September endlich wieder eine Play-off-Partie gab, war selbst die örtliche Polizei sofort im Baseball-Bann. Via Twitter baten die Beamten die Bevölkerung, „keine Verbrechen zu begehen und vorsichtig zu fahren“ – weil man das Wild Card Game gegen die Oakland Athletics verfolgen wolle. Anschließend schickten sie die Anaheim Angels und die Baltimore Orioles in die Saisonpause – die Teams mit den meisten Vorrunden-Siegen. Jeder Erfolg wurde von den Fans bis tief in die Nacht gefeiert. „Wir ändern das Leben in unserer Stadt, wir bringen die Freude zurück“, sagt Outfielder Jarrod Dyson. (dpa)

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