Baseball : Teuerster Einkauf in Europa

Warum die Minnesota Twins 800.000 Dollar für den 16 Jahre alten Baseballspieler Maximilian Kepler-Rozycki aus Berlin ausgeben

Christoph Leischwitz[München]
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Kepler-Rozycki

Maximilian Kepler-Rozycki steht herum, als ob er gerade keine Lust auf Hausaufgaben hätte. Die Hände hat er die meiste Zeit in den Hosentaschen, er trägt ein türkisfarbenes T-Shirt, Slipper und eine Baseballmütze. Die Mütze allerdings ist das, was ihn verrät. Dort ist nämlich ein „M“ zu sehen, und nicht etwa ein „NY“, so wie bei vielen Gleichaltrigen, die eben New York cool finden. Maximilian Kepler-Rozycki aber findet die Minnesota Twins cool. Denn der Profiverein der Major League Baseball (MLB) zahlt ihm 800 000 Dollar dafür, dass er ab dem nächsten Jahr bei ihnen spielt. Und nun, zum ersten Mal: Blitzlichter und Fernsehkameras am Münchner Odeonsplatz. So viel Rummel hat ein deutscher Baseballspieler wohl noch nie erlebt. „Ja, das ist schon anstrengend“, sagt er und lacht. Am Montag war er von der Vertragsunterzeichnung aus den USA zurückgekehrt.

Nun heißt es: Der 16-Jährige sei der teuerste deutsche, ja sogar der teuerste europäische Baseballspieler, den es bisher gab. Das stimmt nicht ganz. Der Berliner hat eine amerikanische Mutter, und er sagt, er fühle sich eher als Amerikaner. Als Kind ging er auf die John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf, wo Baseball zum Sportunterricht gehörte. Momentan spielt Kepler-Rozycki beim amtierenden Deutschen Meister, den Regensburg Legionären. Er ist zwar nicht der erste deutsche Spieler, der zu einem Verein der MLB wechselt. Doch normalerweise wird ein Handgeld zwischen 20 000 und 35 000 Euro gezahlt. Deshalb lässt der Deal mit den Twins aufhorchen, zumal Kepler-Rozycki aufgrund seines Alters noch nicht einmal in der Nationalmannschaft gespielt hat.

Doch sein Trainer Martin Brunner glaubt, dass er jeden Cent wert ist. „Er ist zu gut für das, was wir hier machen“, sagt er. Regensburg zählt dank seines Baseball-Internats, das Brunner leitet, zu den besten Ausbildungsstätten für Baseball in Deutschland. Der 34-Jährige hat bisher schon sechs weitere Jugendliche ausgebildet, die jetzt in den USA spielen.

Ende April begann die Bundesliga-Saison. Seitdem waren bei jedem Heimspiel der Regensburg Legionäre Beobachter aus den USA zu Gast. Der Preis für Kepler-Rozycki ist auch deshalb in die Höhe geschnellt, weil zwölf Vereine an ihm interessiert waren. Das bedeutet aber nicht, dass er nun sofort in der Profimannschaft der Twins spielen wird. Zunächst erwartet ihn die normale Ausbildungstour über die „Minor League“, die selbst noch einmal in drei Klassen unterteilt ist. In die großen Stadien und zu den Millionengehältern hat es bisher noch kein Deutscher geschafft.

Es ist wohl auch kein Zufall, dass der größte Deal im europäischen Baseball in diesem Jahr zustande kommt. Im September findet die WM statt, sechs Vorrundenspiele werden in Regensburg ausgetragen. Dabei trifft Deutschland unter anderem auf die USA. Maximilian Kepler-Rozycki wird da übrigens nicht dabei sein, er spielt lediglich bei der Junioren-EM im August. Und vielleicht ist er danach sowieso schon in den USA: Seine Mutter sucht ihm dort gerade seine erste Wohnung.

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