Basketball : Alba Berlin ist zum sechsten Mal Pokalsieger

Alba gewinnt im Pokal, weil die Berliner gut verteidigen und Bonn nur 44 Punkte gestatten.

Lars Spannagel[Hamburg]
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Abgeräumt. Albas Centerspieler Adam Chubb (l.) lässt den Bonner Brandon Kyle Bowman nicht werfen. Foto: dpa

Schon sechs Minuten vor dem Ende sangen nur noch die Berliner Fans. Albas Spieler hatten im Pokalfinale gegen die Baskets Bonn gezeigt, wieso sie die derzeit wohl beste Mannschaft im deutschen Basketball sind: Erst traf Julius Jenkins einen Dreipunktewurf, dann erzwang die Berliner Verteidigung einen Bonner Ballverlust. Immanuel McElroy stürmte auf und davon und konnte nicht einmal durch ein Foul am erfolgreichen Korbleger gehindert werden. Als McElroy auch den anschließenden Freiwurf zum 54:39 traf, war klar, dass sich die Berliner den sechsten Pokalsieg der Vereinsgeschichte und den ersten seit 2006 nicht mehr nehmen lassen würden. Am Ende wurden die Bonner – die gegen Alba schon die letztjährige Finalserie um die Deutsche Meisterschaft verloren hatten – von Alba sogar vorgeführt. Das Pokalfinale in der Hamburger Color-Line- Arena, das intensiv begonnen hatte und überdeutlich ausging, endete mit einem 69:44 (34:22)- Triumph für Alba.

Im vergangenen Jahr hatte Alba ein blamables Pokal- Wochenende mit einer Niederlage gegen Bremerhaven im undankbaren Spiel um Platz drei beendet. Die lästige Pflicht des kleinen Finales kam dieses Mal Düsseldorf und Frankfurt zu. Die Hessen, die Alba tags zuvor im Halbfinale 81:69 besiegt hatte, holten sich mit einem 73:69 (29:41) den dritten Platz.

Die 6642 Zuschauer bekamen zunächst nur eines geboten: Verteidigung. Erst blockte Adam Chubb einen Bonner, dann klatschte auf der anderen Seite Ken Johnson einen Wurf von Ansu Sesay gegen das Brett. Dann war wieder Chubb an der Reihe, der einen Korbleger von Winsome Frazier ins Publikum beförderte. Im ersten Viertel gelangen Bonn lediglich drei erfolgreiche Würfe aus dem Feld heraus, Alba sogar nur zwei. Die Berliner machten sich zudem mit acht Ballverlusten das Leben schwer. Beim Stand von 12:10 für Bonn ging es in die erste Pause. „Das Spiel hat mit unheimlich viel Energie von beiden Seiten begonnen“, sagte Albas Trainer Luka Pavicevic.

Im zweiten Viertel zeigte sich, „was Bonn von Berlin unterscheidet“, wie Bonns Trainer Michael Koch befand. Während Kochs Spieler im Angriff immer konfuser agierten und fast nie zu guten Würfen kamen, blieben die Berliner ihrem Spielkonzept treu. Das nutzte vor allem Julius Jenkins: Innerhalb von fünf Minuten erzielte er zwölf Punkte, am Ende war er mit 25 Zählern der überragende Mann des Spiels. „Unsere Erfahrung aus der Europaliga hat sich in den entscheidenden Phasen bezahlt gemacht“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Jenkins erhöhte per Dreipunktewurf auf 32:21, sein Gegenspieler Frazier, einer der besten Verteidiger im deutschen Basketball, konnte nur frustriert den Kopf schütteln.

Auch wenn die Bonner spürten, wie entschlossen und selbstsicher ihre Gegner jetzt auftraten: So schnell waren sie nicht gewillt, den ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte abzuschreiben. Center Ken Johnson trat plötzlich nicht nur als einschüchternde Präsenz unter dem Korb in Erscheinung, sondern auch als sicherer Werfer aus der Mitteldistanz. Beim Stand von 42:35 war Bonn auf sieben Punkte heran, ehe Immanuel McElroy per Dreier Albas Führung vor dem Schlussviertel wieder auf zehn Punkte erhöhte.

Dort aber hatte Bonn dem Berliner Siegeswillen nichts mehr entgegen zu setzen. Mit hängenden Köpfen verfolgten die Auswechselspieler des Vizemeisters, wie Alba fast jeden Angriff erfolgreich abschloss. Als Casey Jacobsen die Führung erstmals auf 20 Punkte erhöhte, setzte sich auch Michael Koch auf seinen Stuhl und stand erst wieder auf, um den jubelnden Gegnern nach der Schlusssirene zu gratulieren.

Als den Berliner Spielern samt Trainern, Masseur und Betreuer die Medaillen umgehängt wurden und der deutsche Nationalspieler Johannes Herber als erster den Pokal in die Höhe stemmen durfte, saß nur einer abseits zwischen den Zuschauern. Patrick Femerling hatte sich auch von seinen Mitspielern nicht dazu bringen lassen, an der Siegerehrung teilzunehmen. „Wichtig ist nicht, ob ich da oben stehe“, sagte Albas verletzter Kapitän. „Wichtig ist, dass die Mannschaft gewinnt.“

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