Basketball : Alba Berlin: Raus aus dem Müll

Oskar Faßler darf bei Alba endlich einmal spielen.

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Foto: promo

Berlin - Luka Pavicevic wollte einen Sachverhalt klarstellen. Die Einwechslung von Oskar Faßler beim 89:72-Sieg gegen Paderborn sei kein Gnadenakt gewesen, sagte der Trainer von Alba: „Das war keine ’garbage time’“. Mit diesem Begriff bezeichnen Basketballer die Endphase eines Spiels, in dem es um nichts mehr geht, das Niveau verflacht und die Bankspieler eingewechselt werden. Die „Müll-Zeit“ also, in der sich der 21-Jährige normalerweise Hoffnung auf ein paar Minuten Bundesliga machen darf. Gegen den Tabellenletzten durfte der Aufbauspieler früh aufs Feld, weil Rashad Wright angeschlagen war und die Paderborner keine Gefahr für Alba darstellten. Auch Philip Zwiener, Faßlers sonstiger Sitznachbar auf der Bank, durfte als Vertretung des ebenfalls angeschlagene Dragan Dojcin 19 Minuten aufs Feld.

„Ich habe mich gefreut, dass ich gespielt habe – und das schon so früh“, sagte Faßler. In 14 Minuten erzielte Faßler drei Punkte und verteilte vier Assists, leistete sich aber auch zwei Ballverluste. „Ich habe probiert, die einfachen Sachen richtig zu machen“, sagte Faßler, der bei seinen fünf Saison-Einsätzen zuvor nie mehr als dreieinhalb Minuten gespielt hatte.

Schon vor mehr als vier Jahren war der damals 17-Jährige zu seinem ersten Bundesligaspiel gekommen, wartet seitdem aber auf seinen Durchbruch als Profi. Und dass, obwohl sein Trainer eine hohe Meinung von ihm hat. „Oskar hat sich in jeder Hinsicht stark verbessert“, sagte Pavicevic. „Er hat aber das Pech, dass es bei Alba auf seiner Position Spieler gibt, die qualitativ noch besser sind.“ Grundsätzlich traue er ihm aber irgendwann eine tragende Rolle in der Bundesliga zu. Die spielt Faßler bislang nur in Albas Regionalligateam, für das er in dieser Saison im Schnitt knapp 20 Punkte pro Spiel erzielt. Vergleichen könne man Profibasketball und das Niveau in der vierten Liga aber nicht, sagt Faßler: „Die Unterschiede sind enorm.“

Gegen Paderborn waren dem Berliner keine Anpassungsschwierigkeiten anzumerken. „Er hat nicht geflattert und sehr abgeklärt gewirkt“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Da sieht man, dass man auch Fortschritte machen kann, ohne viele Spiele zu absolvieren.“ Im Sommer läuft Faßlers Vertrag aus, er selbst sagt, er habe sich noch keine Gedanken über die Zeit danach gemacht. Am Dienstag, wenn Alba im Eurocup bei Teramo Basket antritt, wird Faßler wieder auf der Bank sitzen – sofern Rashad Wrights gereizte Sehne dem Amerikaner nicht immer noch Probleme bereitet. Faßler will sich von seinem Dasein als Bankdrücker aber nicht entmutigen lassen. „Mit so negativen Gedanken beschäftige ich mich gar nicht“, sagt er. „Das, was da ist, nehme ich mit offenen Händen.“

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