Basketball : Alba siegt gegen Zwerge ohne Gift

Die Basketballer von Alba hatten mit dem allergrößten Druck gerechnet, mit Aggressivität, Verteidigungswirbel, Chaos, einem Ausnahmezustand auf dem Parkett. Am Ende besiegt Alba die kleinen Göttinger mühelos 91:54.

Lars Spannagel

Berlin - Vor dem gestrigen Spiel gegen Göttingen hatten die Berliner eine regelrechte Terrorwarnung ausgesprochen: Die Gäste hatten in dieser Bundesliga-Saison bisher mit einer unkonventionellen Taktik für Angst und Schrecken gesorgt und mit kleinen, bissigen Spielern so manches größere Team um Nerven und Punkte gebracht. Doch am Mittwochabend war von Göttingens Gift rein gar nichts zu sehen: Der Tabellenzweite Alba hatte im Spitzenspiel mit dem Dritten Göttingen überhaupt keine Probleme und schickte ihn mit einer heftigen 91:54 (42:26)-Klatsche nach Hause. Es ist der höchste Saisonsieg der Berliner.

Eigentlich hätte das gestrige Spiel schon am siebten Spieltag Ende Oktober stattfinden sollen, als zweite Hälfte eines Doppelspieltags mit den Eisbären in der Arena am Ostbahnhof. Das scheiterte an der Stehtribüne der Eisbärenfans, die nicht schnell genug eingefahren werden konnte. Im Nachholspiel schickte Göttingens Trainer John Patrick gestern eine körperlich wenig eindrucksvolle Anfangsformation aufs Feld, ihm blieb wie immer gar nichts anderes übrig. Mit durchschnittlich 1,95 Metern ist seine Mannschaft die kleinste der Liga, Albas Spieler sind im Schnitt fünf Zentimeter größer. Normalerweise machen die Göttinger diesen Nachteil mit flinken Händen und Aggressivität wett.

Gleich im ersten Angriff schienen sich die Befürchtungen der Berliner zu bewahrheiten: Der große Berliner Ansu Sesay passte auf den eigentlich frei stehenden, noch größeren Adam Chubb direkt unter den Korb, doch ein kleiner Göttinger spritzte dazwischen und stibitzte den Ball. Das aber gelang den Gästen nicht noch einmal, Alba übernahm die Kontrolle.

Bis zum Ende des ersten Viertels blieb Göttingen beim Stand von 17:10 für die Berliner noch dran, dann riss Alba das Spiel endgültig an sich. Souverän und gelassen zog der Deutsche Meister sein Spiel auf und ließ sich dabei nicht im Geringsten von den Gästen stören. Hinzu kam, dass Aleksandar Nadjfeji im zweiten Abschnitt nicht zu stoppen war. Immer wieder ließen die Berliner den Ball zu dem Serben wandern, der nach seiner Einwechslung in sieben Minuten 14 Punkte erzielte, ohne auch nur einmal vorbeizuwerfen. Gästetrainer Patrick versuchte, seine Spieler wachzurütteln, indem er einen Streit mit den Schiedsrichtern anzettelte und ein Technisches Foul provozierte. Vergeblich. Alba ging mit einer 42:26-Führung in die Halbzeitpause.

Aber nach der Pause musste er doch kommen, der Ansturm der Göttinger. Was immer sich die Gäste auch vorgenommen hatten: Casey Jacobsen macht all ihre Pläne zunichte. Albas Dreipunktespezialist war zum Beginn der zweiten Hälfte zweimal aus seiner Lieblingsdistanz erfolgreich und erhöhte die Führung auf 22 Punkte. Jacobsen übernahm jetzt Nadjfejis Rolle aus der ersten Hälfte und traf nach Belieben.

Als Alba fünf Minuten vor dem Ende die Führung auf 30 Punkte geschraubt hatte, verzichtete Patrick beim Stand von 49:79 darauf, seinen Spielern Anweisungen geben oder sie anzufeuern: Zu deutlich hatte der Deutsche Meister dem Überraschungsteam an diesem Abend seine Grenzen aufgezeigt. Albas Trainer Luka Pavicevic hingegen erlaubte es sich, unter dem Jubel der 8472 Zuschauer seine deutschen Nationalspieler Johannes Herber und Philip Zwiener und zum weiten Mal in dieser Saison sogar Oskar Faßler aufs Feld zu schicken.

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