Basketball : Albas Tage des Telefons

Es herrschen mehr Unklarheiten als Klarheiten: Bei Alba ist die Zukunft von Trainer Katzurin und vielen Spielern offen – Gordon Herbert ist kein Kandidat.

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Gut gemacht, du darfst bleiben. Sven Schultze (r.) hat noch ein Jahr Vertrag, Bryce Taylor nicht. Doch der Amerikaner darf sich Hoffnungen auf ein neues Angebot machen.
Gut gemacht, du darfst bleiben. Sven Schultze (r.) hat noch ein Jahr Vertrag, Bryce Taylor nicht. Doch der Amerikaner darf sich...Foto: dapd

Berlin – Marco Baldi durchlebt derzeit anstrengende Tage. „Gerade ist die Hölle los“, sagt Alba Berlins Geschäftsführer mit angeschlagener Stimme, Spieler kommen zu Gesprächen in sein Büro, um sich zu verabschieden, und dann muss er auch noch einen Gesprächstermin finden mit Team-Manager Mithat Demirel sowie den Aufsichtsräten Axel Schweitzer und Dieter Hauert. „Dann wird über alles gesprochen, dann geht es um das Budget, das wir uns nächstes Jahr zutrauen, und über das Gefühl und die Kriterien, wer zu uns passt.“ Gemeint ist die Trainerfrage. Muli Katzurin ist schon in Israel, wo seine Tochter heute heiratet. Ob er zurückkehrt, ist offen. Die abschiedsträchtige Wortwahl des 56-Jährigen nach dem Finale deutet daraufhin, dass sein Engagement in Berlin nach fünf Monaten beendet sein könnte. In den nächsten Tagen will Alba eine Entscheidung bekannt geben.

Gordon Herbert ist definitiv keine Alternative zu Katzurin. „An den Gerüchten, dass ich zu Alba komme, ist nichts Wahres dran“, teilte der Coach der Frankfurt Skyliners dem Tagesspiegel auf Anfrage mit. Die Zeit drängt zwar nicht akut, erst in der ersten oder zweiten Augustwoche will Alba in die Vorbereitung auf die neue Saison starten. Doch mit der Trainerposition stehen und fallen auch die Entscheidungen bei den Spielern, mit denen der Neue arbeiten muss. Fünf Alba-Spieler haben derzeit Verträge über das Saisonende hinaus, bei sieben Profis laufen sie aus.

Baldi spricht von „einer Möglichkeit zur Neuausrichtung“, lobt aber auch die „homogene Mannschaft, die vor Leidenschaft gesprüht und eine Verbindung zu den Fans hergestellt“ habe. Doch derzeit laufe eben das übliche Marktgeschehen. „Da wirken derzeit viele Kräfte. Es wird sich noch einiges drehen, weil viele Spieler, die auf die NBA spekulieren, sich bei einem Lockout nach Europa orientieren könnten.“ Der drohende Arbeitskampf in Nordamerika könnte also auch Alba zugutekommen. Nicht unbedingt mit Starspielern vom Kaliber eines Dirk Nowitzki, aber vielleicht mit talentierten Spielern aus der zweiten Reihe.

Im aktuellen Kader wird zwar anders als vor einem Jahr nicht jeder Stein umgedreht werden, dennoch sind die Perspektiven höchst unterschiedlich. „Wir haben ein Gerüst, dass wir so sinnvoll wie möglich ergänzen wollen“, sagt Baldi. Heiko Schaffartzik (Vertrag bis 2012) und Yassin Idbihi (Vertrag bis 2013) werden sicher bleiben. Nicht nur, weil die Identifikationsfiguren in den Play-offs überzeugten. Sondern auch, weil Alba wieder fünf Quoten-Deutsche im Aufgebot haben muss. Aus diesem Grund und weil er positiv für das Teamklima ist, wird wohl auch Sven Schultze (Vertrag bis 2012) bleiben. Das kann man auch Derrick Allen (Vertrag bis 2012) zugutehalten, der in der Saison überzeugte, aber in den Play-offs schwächelte. Das eint ihn mit Taylor Rochestie. Doch der Vertrag des Spielmachers läuft aus, seine Zukunft ist offen. Ein anderer Wackelkandidat ist trotz eines gültigen Arbeitspapieres bis 2012 Lucca Staiger.

Miroslav Raduljica wird zurück nach Istanbul gehen. Bryce Taylor könnte einen neuen Vertrag erhalten. „Ich würde liebend gern in Berlin bleiben. Ich habe gezeigt, was ich kann“, sagt der 24-Jährige. Unsicher ist die Zukunft von Tadija Dragicevic, Julius Jenkins und Immanuel McElroy. Dragicevic war sportlich ein Mitläufer. Jenkins und McElroy fanden auch nicht mehr ganz die Form früherer Tage. Ob sich Alba die beiden Großverdiener weiter leistet? Ferner möchte Patrick Femerling trotz seiner 36 Jahre weiter spielen, am liebsten bei Alba, muss aber wohl gehen.

Auch die Frage, ob Alba als Vizemeister eine Wildcard für die Qualifikation zur Europaliga erhält, ist offen. Es gibt, wie man hört, Überlegungen, ein Qualifikationsturnier zu veranstalten. Vielleicht sogar in Berlin. „Wir haben davon gehört, aber nichts Offizielles“, sagt Baldi. Die Klubversammlung müsste den neuen Modus absegnen. Alba wäre eine Wildcard sicher.

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