Basketball : Alter Geist in neuer Halle

Vor dem zweiten Finalspiel gegen Alba Berlin sind die Baskets Bonn umgezogen. Die alte Hardtberghalle war als Hexenkessel gefürchtet.

Maike Westphal
Frazier
Dunkings - wie dieser von Winsome Frazier - brachten die Hardtberghalle in Bonn jedes Mal zum Kochen. -Foto: dpa

BonnEine bessere Premiere hätte sich keiner ausdenken können. Wenn die Telekom Baskets Bonn heute Abend (20.15 Uhr) ihre neu gebaute Halle einweihen, dann spielen sie gegen Alba Berlin im Finale um die deutsche Basketball-Meisterschaft. Innerhalb von 50 Minuten war das zweite von fünf möglichen Finalspielen ausverkauft, für Partie Nummer drei hat der Klub bereits einen Sonderzug nach Berlin organisiert. 900 Fans haben darin Platz – längere Züge sind auf deutschen Gleisen nicht erlaubt.

Während die Fußball-EM allmählich Fahrt aufnimmt, ist Bonn längst im Basketball-Fieber. Was die Mannschaft von Trainer Michael Koch geschafft hat, ist aus Sicht des Vereins bereits das Märchen dieses Sommers. Daran hat auch das 69:78 im ersten Finalspiel bei Alba Berlin nichts geändert. Vor der Saison galten die Baskets allenfalls als Play-off-Kandidat. Dass sie sich als Tabellensiebter der Hauptrunde bis ins Finale gekämpft haben, hat die Stadt euphorisiert. In Bonn wird der Basketball zwar seit jeher von Emotionen getragen. Doch nach drei Vizemeisterschaften (1997, 1999 und 2001) war es in den letzten Jahren mit der ganz großen Begeisterung erst einmal vorbei.

„Die neue Halle hat dem Bonner Basketball einen Schub gegeben“, sagt Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich. Für rund 17 Millionen Euro ist unweit der alten Hardtberghalle in den vergangenen zwei Jahren eine 6000 Zuschauer fassende Arena entstanden, deren Besitzer und Betreiber der Verein selbst ist. „Damit alles rechtzeitig fürs Finale fertig wird, haben noch am Samstag rund 80 Fans Pflastersteine geschleppt und sauber gemacht“, erzählt Wiedlich stolz. Der Präsident hatte zeitweise selbst nicht mehr an die Verwirklichung der ersehnten modernen Sportanlage geglaubt. Bis mit den ersten Bauarbeiten begonnen werden konnte, gingen immerhin sieben Jahre ins Land.

Umso mehr freut es die Baskets, dass es zur Premiere gleich Finalspiele zu sehen gibt. Dafür nehmen sie auch gerne in Kauf, dass ihr Heimvorteil darunter leiden könnte. Während sich die Hardtberghalle in zwölf Jahren als Hexenkessel und lautstarker Rückhalt erwiesen hat, haben die Spieler die neue Arena bislang kaum erprobt. „Wir konnten erst ein paar Mal dort trainieren“, sagt Artur Kolodziejski. Doch auch der Bonner Flügelspieler freut sich auf die neue Kulisse: „Das sind 3000 Zuschauer mehr, die Lärm machen.“ Bevor die Baskets-Anhänger heute Abend die neue Halle einnehmen, verabschieden sie aber erst mal die alte. Der Fanklub hat einen feierlichen Abschiedsmarsch von der Hardtberghalle bis zur neuen Spielstätte geplant. „Wir wollen symbolisch den Geist der Hardtberghalle mitnehmen“, sagt der Vorsitzende Thorsten Flink.

Unabhängig vom Ausgang des Endspiels steht ein Gewinner bereits fest: der Bonner Basketball. Die neue Arena eröffnet sportliche sowie wirtschaftliche Perspektiven. Vor allem aber hat die alte Hauptstadt ihr Herz für den Basketball wiederentdeckt. Auch weil das Team Tugenden zeigt, die man in Bonn sehen will: Leidenschaft und letzten Einsatz.

Public Viewing in Berlin: 20 Uhr 15 (Einlass ab 19 Uhr) in der Axel-Springer-Passage, Markgrafenstraße 19a.

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