Sport : Basketball: Am liebsten länger

Dietmar Wenck

Als Drazan Tomic vor drei Jahren Alba Berlin verließ, war er traurig. Fast eine komplette Saison lang hatte ihn ein Fußbruch gehindert, Basketball zu spielen. Seine Position besetzten in der Zeit Leute wie Henning Harnisch, Henrik Rödl, Marko Pesic und Jörg Lütcke. Tomic, der in Berlin beim TuS Lichterfelde und bei Alba groß geworden war, wurde plötzlich nicht mehr gebraucht. Also ging er für drei Jahre zu den Telekom Baskets nach Bonn. Nun trägt der 26-Jährige wieder das Alba-Trikot. Lütcke verletzt, Rödl verletzt - das war die Chance für den arbeitslosen Nationalspieler. "Es ist zwar blöd, dass ich vom Pech anderer profitiere, aber so ist das im Sport. Ich habe auch die andere Seite kennengelernt."

Mit seinem Einstand beim 77:54-Sieg in Hamburg waren alle zufrieden. 15 Minuten gespielt, acht Punkte gemacht: "Es fällt mir leicht", sagt Tomic. Berlins neuer Spielmacher Derrick Phelps war sein Kollege in den vergangenen beiden Jahren in Bonn, andere Mitspieler kennt er aus der Nationalmannschaft, wieder andere aus früheren Alba-Zeiten. "Ich bin hier zu Hause." Aber nicht mehr als Zuschauer. Wochenlang hat er bei der Familie in Berlin die Zeit totgeschlagen. Ein arbeitsloser Nationalspieler, ohne Vertrag für die neue Saison. Er hat sich bei Alba und Lichterfelde fit gehalten. Und gewartet. Eine blöde Situation. "Ich kann nicht sagen, dass es optimal gelaufen ist."

Es wäre einfach, den Geschäftspartnern die Schuld zu geben, der Agentur des Amerikaners Marc Fleischer, zu dessen Klientel unter anderem europäische Top-Spieler wie Dejan Bodiroga, Oded Kattash (beide Panathinaikos Athen) oder Vlade Divac (Sacramento/NBA) gehören. Übrigens auch Misan Nikagbatse, der einen Vertrag bei Alba hat, sich aber nach Bologna absetzte. Tomic sagt jedoch: "Mein Agent hat es mit mir auch nicht einfach gehabt." Bei Basket Cholet, einem französischen Erstligisten, hätte er unterschreiben können. Einige Bundesligisten zeigten Interesse. "Ich wollte unbedingt in einer großen Mannschaft spielen", sagt er. Nun haben sich die großen Vereine nicht unbedingt um ihn gerissen. Tomic stand da wie einer, der zu hoch gepokert hat.

"Das Warten hat sich schließlich doch ausgezahlt", meint Drazan Tomic jetzt. Seinen Vertrag bei Alba bis zum Jahresende hat er ohne Agent ausgehandelt. Beide Seiten standen unter Zeitdruck und waren nicht zum Pokern aufgelegt. Diese Chance will Tomic sich nicht entgehen lassen. "Die Spielminuten, die mir der Trainer gibt, will ich sinnvoll nutzen", sagt er. Der Basketballspieler Tomic ist wieder auf dem Markt und will zeigen, was er kann. Im Dezember werde man sich zusammensetzen und überlegen, wie es mit ihm und Alba weitergehe. Welche Lösung er bevorzugt, das verheimlicht Drazan Tomic nicht: "Am liebsten würde ich bis zum Saisonende in Berlin spielen", sagt er, der jetzt gar nicht mehr traurig ist, im Gegenteil: "Hier geht es mir am besten."

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