Sport : Basketball: Auch ohne Höhenluft nach oben

Helen Ruwald

Als Spieler wurde Emir Mutapcic zur Saisonvorbereitung oft in die Berge gescheucht. Im Trainigslager in 2000 Metern Höhe stärkte er die Kondition. Als Trainer erspart Mutapcic den Basketballern von Alba Berlin die Schinderei in der Höhe. Der Basketballsport hat sich gewandelt, "Schnellkraft ist wichtig und Explosivität", sagt Mutapcic, "das können wir auch in Berlin trainieren." Der Deutsche Meister, der sonst in der Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg übt, schlug sein Trainingslager in Charlottenburg auf. Laufen im Grunewald, Krafttraining im Horst-Korber-Zentrum, Besprechungen und Übernachtung in einem Hotel in der Heerstraße - so bereitete sich Alba auf den Auftakt am Freitag (20 Uhr) gegen den Mitteldeutschen BC vor. "Ich bin sehr zufrieden", sagt Mutapcic, "in Österreich hatten wir letztes Jahr ein Problem mit dem Kraftraum, hier war das sehr gut."

Die äußeren Umstände waren perfekt - der Rest nicht. "Die Vorbereitung war nicht auf dem Niveau des vergangenen Jahres. Wir haben unsere Form noch nicht gefunden", sagt der Coach, "aber ich will nicht weinen." Die Nationalspieler Pesic, Papic, Garris und Demirel fehlten wegen der EM in der Türkei fast die gesamte Vorbereitungszeit. Mithat Demirel laboriert an einer Patellasehnen-Entzündung, die er nie richtig auskurierte. Bei der EM spielte er mit Spritzen und Schmerzen. Er fällt am Freitag ebenso aus wie Stefano Garris, der sich bei einem Trainingsspiel eine Köchelverletzung zuzog. Kapitän Henrik Rödl (Achillessehne) und Jörg Lütcke (Bänderriss) sind nach Operationen noch nicht richtig fit. Bei Wendell Alexis stellt sich die Frage nach der psychischen Verfassung. Die Schwester seiner Frau gilt seit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York als vermisst.

Die vielen Verletzten verhindern, dass Alba sofort von seinem großen Plus profitiert - der Kontinuität eines weitgehend unveränderten Teams, das auf dem Papier sogar stärker scheint als das, mit dem Alba in die Saison 2000/2001 ging: Mutapcic hat sich als Cheftrainer etabliert, Garris und Tommy Thorwarth, vor einem Jahr talentierte Bankspieler, können inzwischen Spiele kippen. Garris gehörte in der Türkei sogar zur Stammformation der Nationalmannschaft. Dejan Koturovic ist der einzige Spieler aus dem letztjährigen Kader, der nicht mehr dabei ist (siehe grauen Kasten). Aufbauspieler Mithat Demirel ist vom Mitteldeutschen BC zu Alba zurückgekehrt und kennt die meisten seiner Kollegen von früher. Der knapp 19-jährge Guido Grünheid spielt mit Doppellizenz für TuS Lichterfelde und wird bei Alba zunächst auf der Bank sitzen. Tatsächlich integriert werden muss nur der frühere NBA-Profi Jiri Zidek, den Alba am Freitag als neuen Center verpflichtete. Wenig Veränderungen - die Konkurrenten Telekom Baskets Bonn, Bayer Giants Leverkusen und Rhein Energy Cologne melden acht, sechs und neun Zugänge, die zwangsläufig noch nicht perfekt harmonieren.

Doch die Verletzten und Koturovics Undiszipliniertheit machen Albas Vorteil zunichte, zunächst jedenfalls. "Das ist natürlich ein Problem, wenn so etwas so spät passiert", sagt Mutapcic zum Fall Koturovic, "das hat uns in der Vorbereitung geschadet. Ich habe großes Verständnis für Koturovic gehabt und um ihn gekämpft, aber er hat die Grenze überschritten." Die unbefriedigende Vorbereitung spiegelte sich auch in den Testspielen wider: Siegen gegen die Meisterteams Buducnost Podgorica (Jugoslawien) und zuletzt Slask Wroclaw (Polen) stehen Niederlagen gegen ZSKA und Lokomotive Moskau, aber auch gegen den Bundesligisten Bamberg gegenüber. Es spielte meist, wer spielen konnte, die Abstimmung fehlte. Mutapcic warnt deshalb davor, die vergangene Saison als Messlatte anzulegen, in der Alba von 36 Bundesligaspielen nur zwei verlor, beim Mitteldeutschen BC und im Play-off-Viertelfinale in Frankfurt, "die Leute können nicht erwarten, dass wir das wiederholen". Ziel für Alba, den Meister der Jahre 1997 bis 2001, ist laut Trainer "Platz eins vor den Play-offs und in den Play-offs". Vereinfacht ausgedrückt: die Titelverteidigung. Das neue Spitzenteam aus Köln, das der frühere Alba-Coach Svetislav Pesic trainiert, ist für seinen ehemaligen Kotrainer Mutapcic "sehr starke Konkurrenz und neue Motivation". Zu rechnen sei aber auch mit Bonn, Leverkusen und Frankfurt. Im Pokal soll das peinliche Vorjahresaus gegen Zweitligist Tübingen im ersten Pokalspiel vergessen gemacht werden, in der Europaliga die Zwischenrunde erreicht werden.

Gelingen soll all das eben "durch Kontinuität. Wir sind ein Jahr zusammen. Das ist ein großer Vorteil", sagt Mutapcic. Der Bundesligaspielplan meint es gut mit Alba: Das erste Spitzenspiel, gegen Köln, findet erst am achten Spieltag am 10. November statt, die Partien gegen Leverkusen und Bonn im Dezember. Bis dahin ist noch ein bisschen Zeit zum gesund werden.

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