Sport : Basketball: Aufholjagd nur auf Video

Benedikt Voigt

"Spielen die schon?", fragte ein Zuschauer am Mittwoch um kurz vor acht Uhr abends im VIP-Raum der Max-Schmeling-Halle, denn auf den Bildschirmen lief das Basketballspiel Alba Berlin gegen Olympiakos Piräus. Ein zweiter Blick hätte gezeigt, dass ein blondierter Henning Harnisch das Alba-Trikot trägt, was schon ein paar Jahre zurückliegt. Im VIP-Raum lief das Video vom 6. November 1996, als die Berliner in der Schlussminute einen Rückstand von fünf Punkten noch in einen Sieg umwandelten. Diesmal aber mussten die 4689 Zuschauer auf ein wundersames Happy-End verzichten, das Spiel war schon vor dem letzten Viertel entschieden. Zu Ungunsten von Alba Berlin, das gegen Olympiakos Piräus mit 69:88 (32:47) verlor. Es war die zweite Niederlage im zweiten Spiel der Euroleague.

Olympiakos trat ohne den verletzten früheren Alba-Spieler Patrick Femerling an. Dafür boten die Gäste den ehemaligen Berliner Misan Nikagbatse auf, der mit Piffen empfangen wurde. Nikagbatse war zu Beginn der vergangenen Saison im Unfrieden von Alba geschieden. Gestern spielte er nur ein paar Minuten, denn Olympiakos besitzt einen viel versierteren Aufbauspieler: Alphonso Ford. Der überragende US-Amerikaner erzielte elf der ersten 13 Punkte der Griechen (insgesamt 28). Die Berliner hatten einen 0:7-Fehlstart hingelegt und nur ein Mal die Führung übernommen: 14:13 (8. Minute).

Wie schon in Tel Aviv hatte Alba erneut große Probleme in der Defensive. Auch eine Zonenverteidigung in der zweiten Halbzeit half nicht viel. Die kleinliche Linie der Schiedsrichter vergrößerte die Berliner Verunsicherung noch. Alba hatte auf die Verletzten Stefano Garris, Mithat Demirel und Henrik Rödl verzichten müssen, zur Halbzeit waren auch Derrick Phelps, Teoman Öztürk und Wendell Alexis mit je drei Fouls vom vorzeitigen Aus bedroht.

In der Offensive fanden die Berliner ebenfalls kaum ins Spiel, zur Halbzeit hatten sie lediglich 30 Prozent ihrer Würfe getroffen. Die überlegenen Griechen zielten mit 57 Prozent fast doppelt so gut. Lediglich Marko Pesic zeigte Normalform und kam auf 23 Punkte. In der zweiten Halbzeit wuchs der Rückstand bereits auf 20 Punkte an. Der Hallensprecher versuchte vor dem vierten Viertel, die Zuschauer noch einmal zum Anfeuern zu animieren: "15 Punkte Rückstand, das bedeutet im Basketball fast gar nichts." Er erntete Gelächter. Die Zuschauer wussten, dass diesmal auch eine gute Schlussminute nicht mehr helfen würde.

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