Basketball : Bamberg gegen Frankfurt: Fast wie Schach

Bambergs Basketballer gleichen im Finale aus. Die schwer fassbaren Skyliners lagen am Mittwoch nach einem miserablen zweiten Viertel samt sieben punktlosen Minuten fast aussichtslos zurück, kämpften sich aber ins Spiel zurück.

Jan Szyszka

Frankfurt am MainEigentlich ist Chris Fleming in der Basketball-Szene als Trainer mit zwei Gesichtern bekannt. Der Coach der Baskets Bamberg benimmt sich an der Seitenlinie mitunter wie ein Kampfhund, um dann Minuten später in der Pressekonferenz lammfromm und im Flüsterton ein Fazit zu ziehen. Am Mittwochabend bot Fleming in der Frankfurter Ballsporthalle eine weitere Facette. Nach dem 77:68-(40:23) Sieg der Bamberger im zweiten Finale um die deutsche Meisterschaft gegen die Skyliners Frankfurt lachte der US-Amerikaner plötzlich lauthals auf. Grund war die Frage, ob die Bamberger, die wegen ihres lockeren Durchmarsches ins Finale als klarer Favorit galten, nach dem 1:1 Ausgleich in der Serie nun wieder der Titelaspirant seien. „Lasst uns erstmal das dritte Spiel abwarten“, sagte Fleming. Später sagte er, dass Bamberg allenfalls den Heimvorteil wieder zurückerobert habe. Für mehr Zuversicht sah er keine Gründe – was auch am gewonnenen Respekt gegenüber dem Gegner liegt.

Die schwer fassbaren Skyliners, die im Viertelfinale schon Alba Berlin ausgeschaltet hatten, lagen am Mittwoch nach einem miserablen zweiten Viertel samt sieben punktlosen Minuten fast aussichtslos zurück, kämpften sich aber ins Spiel zurück. „Das war beeindruckend“, sagte Casey Jacobsen. Der starke Flügelspieler (24 Punkte) meinte vor allem die Verteidigungsleistung beider Mannschaften, die er als „das momentan Beste in der Bundesliga“ bezeichnete. Die taktische Geschlossenheit gefiel dem früheren Berliner sichtlich. „Das war schon fast wie Schach“, schwärmte Jacobsen über die defensive Grundordnung beider Teams.

Im ersten Spiel der Best-of-five-Serie hatten die Franken eben jene Ordnung in der Schlussphase verloren. Erinnerungen an die erste, verkorkste Saisonhälfte wurden wach. Nach neun Spieltagen hatte Bamberg bereits sechs Niederlagen kassiert: viel zu viel für den ambitionierten Klub. Trotz gegensätzlicher Beteuerungen von Manager Wolfgang Heyder soll Fleming damals vor der Entlassung gestanden haben. Die Stimmung im basketballbegeisterten Bamberg richtete sich kurzfristig gegen den US-Amerikaner. Die Wende brachte eine Nachverpflichtung: Mit Aufbauspieler Anton Gavel wurde das Team ballsicherer. Das funktionierende Konzept drückt sich auch in Zahlen aus: Die Franken gewannen 22 ihrer letzten 25 Spiele in Bundesliga und Pokal. Im Pokalfinale setzten sie sich mit 76:75 durch – in Frankfurt, gegen die Skyliners.

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