Basketball: Barca, Real und Co. : Die wirtschaftliche Unvernunft der Großklubs

Alba trifft in der Euroleague auf Real Madrid. Es ist ein ungleiches Duell. Die Spanier verfügen über einen Etat von 27 Millionen Euro

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Geld wirft Körbe. Der spanische Nationalspieler Sergio Rodriguez (l.) verdient bei Real zirka 1,3 Millionen Euro pro Saison.
Geld wirft Körbe. Der spanische Nationalspieler Sergio Rodriguez (l.) verdient bei Real zirka 1,3 Millionen Euro pro Saison.Foto: AFP

Manchmal bricht im Basketball-Businessman Marco Baldi noch der Basketball-Liebhaber durch. „Wenn man die spielen lässt, ist das eine Augenweide“, schwärmt Albas Geschäftsführer über die Mannschaft von Real Madrid, die die Berliner heute (20 Uhr, live bei Sport1) empfangen. Pässe hinter dem Rücken, Alley-oop-Dunkings – das Spitzenteam aus Spanien biete „Basketball zum Zungeschnalzen“, sagt Baldi, „das ist ein Team, das in drei Minuten 20 Punkte machen kann“. Wenn Real frei aufspielen könne, sei die Mannschaft „in einer anderen Sphäre“ als Alba.

Die Qualität von Profis wie Rudy Fernandez lässt sich Real einiges kosten, allein der spanische Nationalspieler verdient drei Millionen Euro pro Jahr und damit mehr als viele NBA-Profis. Die Verluste der Real-Basketballer werden gnädigerweise von der Fußballabteilung des Muttervereins aufgefangen. Das Gesamtbudget Madrids liegt wohl bei 27 Millionen Euro und ist damit ungefähr drei Mal so hoch wie das der Berliner. In Spanien liefert sich Real immer ein Duell mit dem FC Barcelona. „Da geht’s um den Nimbus, um den ersten Platz“, sagt Marco Baldi. „Das ist weit weg von jeder wirtschaftlichen Rationalität. Die Frage der Finanzierung ist da erst einmal sekundär.“

Wirtschaftlich rational arbeiten nur die wenigsten Basketballklubs der europäischen Spitze – auch wenn sich die Geschäftsmodelle von Verein zu Verein und von Land zu Land unterscheiden. Real und Barça vertrauen ebenso auf die Finanzkraft ihrer Fußballsparten wie die türkischen Klubs Fenerbahce und Galatasaray. In Griechenland ist das klassische Mäzenatentum das gebräuchlichste Modell. Panathinaikos Athen, ebenfalls Gegner von Alba in der Zwischenrundengruppe E, ist seit Jahrzehnten im Besitz einer milliardenschweren Familiendynastie, den Pharma-Unternehmern Giannakopoulos. Beim Erzfeind Olympiakos Piräus tragen die noch reicheren Gönner den Namen Angelopoulos, einer Familie von Reedern und Stahlmagnaten. In Russland sind es zumeist Lokalgouverneure aus Krasnodar, Kasan, Nischni Nowgorod oder Khimki, die den Basketball nutzen, um ihre Regionen bekannter zu machen – und für dieses Ziel Millionen ausgeben. ZSKA Moskau, das mit einen Etat von rund 37 Millionen Euro finanzstärkste Euroleague-Team, verfügt laut Baldi über „engste Verbindungen zur Staatsführung“. Auf ähnliche Kontakte baut auch der Hauptinvestor des Klubs, das Bergbau-Unternehmen Norilsk Nickel.

Die Euroleague führt verbindliche Fairplay-Regeln ein

Die Euroleague ist gegenwärtig bemüht, das Finanzgebaren der europäischen Spitzenklubs wirtschaftlich vernünftiger zu gestalten und führt in der kommenden Saison verbindliche Financial-Fairplay-Regeln ein. „Das ist für die Nachhaltigkeit des Wettbewerbes unverzichtbar“, sagt Jan Pommer, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga und Mitglied der Euroleague-Arbeitsgruppe Financial Fairplay, „viele Klubs halten sich habituell nicht an die Maßgabe, nicht mehr auszugeben als einzunehmen.“ Die Mäzene und Oligarchen sollen durch die neuen Regeln zwar nicht daran gehindert werden sollen, ihr Geld im Basketball auszugeben. „Aber das muss mit Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit geschehen und nicht als Gustoentscheidung“, sagt Jan Pommer, „wenn es Klubs gibt, die nur zwei Prozent des Budgets mit ihren Ticketeinnahmen bestreiten, dann weiß man, dass man da ansetzen muss.“

Laut Pommer sei auch bei Real noch Arbeit erforderlich, um den neuen Anforderungen zu genügen. Auch Marco Baldi hat beobachtet, dass viele der Spitzenklubs mit Ausnahme von Maccabi Tel Aviv Geschäftsfelder wie Marketing und Ticketverkauf vernachlässigen. „Mit klassischer Sportvermarktung hat das wenig zu tun, die Konzentration gilt anderen Dingen“, sagt der Berliner Manager. Das Financial Fairplay sieht Baldi trotzdem als „relativ verzwickte Kiste“, man könne Investoren nicht verbieten, sich irgendwo zu engagieren. Auch die Berliner verfügen mit dem Recycling-Unternehmen Alba über einen Partner, der sein Engagement nach Vereinsangaben zurzeit aber auf rund 20 Prozent des Gesamtbudgets begrenzt.

Andere Klubs könnten laut Baldi ins „Bodenlose stürzen, wenn sie ihren Hauptinvestor, das politische Interesse oder ihren Großverein im Hintergrund verlieren“. Noch problematischer findet Baldi, dass genau diese Klubs in der Euroleague zuletzt tonangebend waren. Weil der Europapokal für sie attraktiver ist als ihre unausgeglichenen heimischen Ligen, setzten ZSKA, Panathinaikos und Co. das aktuelle Format durch, mit 14 Zwischenrundenspielen sowie Ansetzungen am Freitag. „Man darf nicht alles danach ausrichten, wie sich diese Klubs die Entwicklung der Sportart vorstellen“, sagt Baldi.

Durch die Finanzkrise haben einige südeuropäische Klubs an wirtschaftlicher Kraft eingebüßt oder mussten wie in Griechenland deutlich höhere Steuern zahlen. Trotzdem gewannen 2011 bis 2013 griechische Vereine die Euroleague. „Wenn man sieht, dass es Olympiakos gelungen ist, mit einem Etat von 18 Millionen Euro die Euroleague zu gewinnen, dann kommen die deutschen Klubs langsam in Schlagdistanz“, sagt Jan Pommer. Die Bundesliga-Spitzenklubs konnten zuletzt finanziell zulegen, die Basketballer des FC Bayern verfügen in dieser Saison über einen Gesamtetat von 15 Millionen Euro.

Was die Finanzen des heutigen Gegners angeht, erwartet Albas Geschäftsführer kaum Veränderungen. Alle paar Jahre würden sich die Präsidenten von Real und Barça treffen und vereinbaren, die Etats zu verringern, statt jährlich 20 Millionen Euro zu versenken, berichtet Baldi. „In den nächsten Monaten legen dann beide Klubs immer noch ’ne Schippe drauf.“

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