Sport : Basketball: Bruno Soce und der Gladbach-Effekt

Sven Simon

Nach dem Sieg gegen Bayer Leverkusen und dem Einzug ins Finale der Basketball-Bundesliga gönnte sich Bruno Soce ein Glas Rotwein. "Der erste Alkohol seit drei Wochen", sagte der Trainer der Telekom Baskets Bonn. Fünf Kilo habe er seitdem abgenommen. Nicht verwunderlich, wenn man ihn am Spielfeldrand sieht: Ab der ersten Minute brüllt der Kroate alles an, was sich auf dem Parkett bewegt, läuft auf und ab, gestikuliert. Erst zwei Stunden nach der Schlusssirene beim Mannschaftsessen beim Italiener sah Bruno Soce entspannt aus. Als er mit Manager Arvid Kramer sprach, wirkte es wie ein Gespräch unter Freunden.

Das war nicht immer so: Mitte der Saison wurde MC Mazique entlassen. Deswegen gab es Streit zwischen Manager und Trainer. Der amerikanische Center und sein Landsmann Mark Miller waren das spektakulärste Duo der Liga, Mazique aber war trainingsfaul. Einige Verantwortliche waren der Meinung, dass talentierte Spieler nicht so hart trainieren bräuchten, erzählte Soce. Für ihn nicht nachvollziehbar: "Der hat mehr verdient als ein Arzt. Dafür muss er hart arbeiten oder gehen." Kramer hätte gerne eine andere Lösung gefunden, eben, weil das "ein unglaublicher Spieler" war. Aber wenn die Differenzen zu groß sind, "muss einer von beiden gehen". Und "in diesem Fall" hätten sie sich gegen den Spieler entschieden.

Seitdem ist die Stimmung zwischen Trainer und Manager getrübt. Aber das Erreichen des Finales versöhnt den Kroaten und den Amerikaner vorerst. Ob die beiden nächste Saison noch zusammenarbeiten, darüber will keiner reden. Soce sucht eine "neue Herausforderung". Die, fügte er an, könne er aber auch in Bonn finden, wenn es hier "ein gutes Programm" gebe. Allerdings wüsste er auch, dass der Verein mit anderen Trainern spreche. Leider nicht so diskret, wie er sich das wünsche: Seine Spieler hätten davon gehört, und das dürfe nicht sein.

Wolfgang Wiedlich, Präsident der Baskets, betont, dass die Gerüchte um einen bevorstehenden Trainerwechsel von Soce selber stammen. Sechs Jahre trainiert der Kroate die Bonner. Aufgestiegen aus der Zweiten Liga und in fünf Jahren Bundesliga dreimal das Finale erreicht. Nur ein Titel fehlt. Angeblich sei er ein Schleifer, für den Spieler nur Mittel zum Zweck seien. Typische Ostblockschule eben.

Der Center Steven Hutchinson spielte zwei Jahre unter ihm. "Bruno Soce ist ein netter Mensch", sagt der in Leverkusen aktive Amerikaner mit deutschem Pass. "Auch wenn er am Spielfeldrand nicht so aussieht." Nach ein, zwei Jahren verlassen viele Spieler die Baskets. Ist der Trainer zu hart? Für Wiedlich liegt das am Mönchengladbach-Effekt: "Wir bilden sie aus, danach gehen sie für mehr Geld woanders hin." Für Soce sehr ärgerlich: "Ich kann nicht jedes Jahr eine neue Mannschaft formen. Das ist eine Katastrophe. Das kostet Nerven." Alle seine Spieler seien in der nächsten Saison 30 Prozent teurer, nur weil sie im Finale stehen. Das zu erreichen, habe ihm der Verein wohl nicht zugetraut, so Soce, denn sein Vertrag lief Mitte vergangener Woche aus. Nach dem Sieg gegen Leverkusen antwortete er auf Fragen nach der Taktik gegen Alba Berlin noch, dass er gar nicht wisse, ob er in den Endspielen an der Seitenlinie stehen werde, da er vom Verein nichts gehört habe.

Bei seiner Ankunft in Berlin gab es vor dem heutigen ersten Finalspiel gegen Alba Berlin in der Max-Schmeling-Halle (14.45 Uhr, live im DSF und auf Inforadio) versöhnlichere Töne: Der Verein sei freundlich auf ihn zugekommen, alles sei vertraglich geregelt. Für wie lange? Das sei im Moment nicht wichtig, sagt der Trainer. Auch Präsident Wiedlich wollte sich dazu nicht mehr äußern. Für die nächste Woche steht der Sport wieder im Mittelpunkt.

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