Basketball-Bundesliga : Artland Dragons: Wenn Mäzene müde werden

Die Artland Dragons haben ihr Team aus der Basketball-Bundesliga zurückgezogen. Wie kam es dazu? Und was können andere deutsche Vereine aus dem Fall lernen? Ein Kommentar.

von
Am Boden. So oder so ähnlich dürfte das Maskottchen der Artland Dragons die Nachricht vom Rückzug des Basketball-Bundesligisten aufgenommen haben.
Am Boden. So oder so ähnlich dürfte das Maskottchen der Artland Dragons die Nachricht vom Rückzug des Basketball-Bundesligisten...Foto: dpa

Wie groß Günter Kollmanns Anteil war, ist unklar. Jahr für Jahr finanzierte der schwerreiche Textilunternehmer einen Großteil des Etats des Basketball-Bundesligisten Artland Dragons. Ob er die Hälfte des Budgets aufbrachte oder zwei Drittel oder sogar noch mehr – darüber schwieg Kollmann. Fest steht: Letzten Endes war es der Untergang des Klubs aus Quakenbrück, sein Schicksal an den Mäzen zu binden.

Die Bestürzung über das Ende der Dragons, die sich am Sonntag aus der Bundesliga zurückzogen, ist groß im deutschen Basketball. Denn der Verein ist nicht pleite – sein Mäzen ist nur müde. Auch wenn Kollmann seine Unterstützung immer nur von Saison zu Saison zugesagt hatte, kam das Ende seiner Zuwendungen überraschend. Ohne Kollmann hätte es niemals Spitzenbasketball in Quakenbrück gegeben, mit seinem Engagement trug der ehemalige Jugendnationalspieler seinen Herzensverein sogar zu Pokalsieg und Vizemeisterschaft. Angesichts dieser Historie wäre es zu einfach, das Management der Dragons dafür zu rügen, sich nicht früher vom Lokalpatrioten Kollmann gelöst zu haben. Allerdings verpasste es der Klub, sich finanziell breiter aufzustellen und sich damit gegen den Fall abzusichern, der nun eingetreten ist.

Die Dragons haben die Saison auf dem elften Rang abgeschossen, der schlechtesten Platzierung ihrer Bundesligageschichte. Am letzten Spieltag verloren sie blamabel gegen Absteiger Crailsheim. Vielleicht war Kollmann von diesen Ergebnissen einfach frustriert. Vielleicht war ihm während der verkorksten Saison klar geworden, dass seine Zuwendungen in einer stetig wachsenden Liga nur noch für einen Mitläuferrolle ausreichen würde.

Wie dem auch sei – Günter Kollmann beendete sein Lebenswerk lieber eigenhändig, als es jemand anderem zu überlassen. Ein Verein sollte allerdings niemals in die Situation kommen, derart abhängig von der Entscheidung eines einzelnen Geldgebers zu sein. Das jähe Ende der Artland Dragons sollte eine Warnung für viele deutsche Vereine sein, nicht nur im Basketball.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben