Basketball-Bundesliga : Livespiel für 850 Zuseher

Die Basketball-Bundesliga ist zurzeit kaum zu empfangen – nun hofft sie auf ARD und ZDF

Benedikt Voigt

Berlin - Der Vertreter des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) startete noch einen Versuch, das erste Spiel des Basketball-Bundesligisten Science City Jena zu übertragen. „Was passiert denn, wenn wir mit unseren Kameras nach Frankfurt kommen“, fragte er vor eineinhalb Wochen im Vip-Raum der Bamberger Jako-Arena den Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga. „Naja“, antwortete Jan Pommer, „dann lassen wir Sie nicht hinein.“

Ein Arbeitskampf in der Basketball-Bundesliga (BBL)? Nicht wirklich, denn eigentlich kann es sich die Liga nicht leisten, das öffentlich-rechtliche Fernsehen länger auszusperren. Im Gegenteil, die Basketball-Bundesliga will unbedingt in den Sport- und Nachrichtensendungen von ARD, ZDF und den dritten Programmen vertreten sein, deshalb verhandelt sie mit SportA, der öffentlich-rechtlichen Sportrechteagentur. Allerdings schon seit geraumer Zeit ohne Ergebnis. Vor eineinhalb Wochen hat Pommer erklärt: „Der Abschluss rückt näher, es kann sich eher um Tage als um Wochen handeln.“ Inzwischen sagt er: „Ich möchte keine zeitliche Prognose abgeben.“ Bei Dieter Hauert wächst die Ungeduld, der Aufsichtsrat des Bundesligisten Alba Berlin sagt: „Ich bin mit dem gegenwärtigen Zustand nicht zufrieden, es muss etwas passieren.“

Die BBL-Saison 07/08 läuft, was die bewegten Bilder angeht, zurzeit an der Öffentlichkeit vorbei. Zwar überträgt der neu gegründete Sender BBL.TV an jedem Spieltag zwei Spiele live, doch diese sind nur gegen Gebühr im Internet oder auf der digitalen Satellitenplattform „entavio“ zu bekommen. „Die Hürde für den normalen Basketballinteressierten ist sehr hoch“, sagt Dieter Hauert. Was man auch an der Zahl von 850 Abonnenten sehen kann, die BBL.TV laut einem Bericht der „taz“ abonniert haben sollen. Jan Pommer sagt: „Diese Zahl stimmt nicht.“ Er dürfe aber keine exakte Zahl nennen.

In den letzten drei Jahren hatte der Pay-TV-Sender Premiere die Basketball-Bundesliga übertragen. Mit begrenztem Erfolg, die Finalspiele zwischen Bamberg und Quakenbrück sollen lediglich 60 000 Zuseher gehabt haben. Weil Premiere auf Exklusivrechten beharrt hatte, war Basketball gleichzeitig aus den öffentlich-rechtlichen Sendern nahezu verschwunden. Deshalb gab Jan Pommer vor dieser Saison eine neue Richtlinie aus: „Reichweite geht vor Profit.“

Der BBL-Geschäftsführer schlug ein erneutes Angebot von Premiere aus, er setzt nun auf das Experiment mit BBL.TV und auf die öffentlich-rechtlichen Sender. „Wir haben den Bedarf bei den öffentlich-rechtlichen Sendern nachgefragt“, sagt er. Neben dem Bayerischen Rundfunk hätte sich unter anderem auch der RBB positiv geäußert. Die Basketball-Bundesliga plant nach dem Abschluss mit den Öffentlich-Rechtlichen einen weiteren Schritt. „Wir wollen auch ein Livespiel im frei empfangbaren Fernsehen, dafür kommen grundsätzlich alle Sender in Frage, die sich dafür interessieren.“ Ihm schwebt eine Konstruktion vor, wie sie gegenwärtig die Handball-Bundesliga besitzt. Neben den Internetübertragungen auf HBL.TV wird sie einmal pro Woche im DSF live übertragen. Hinzu wird seit dieser Saison auch ein wöchentliches Handball-Magazin im NDR und WDR gezeigt.

Wie weit ist die Basketball-Liga von diesem Ziel entfernt? „Die Verhandlungen mit den Öffentlich-Rechtlichen sind sehr weit fortgeschritten“, erklärt Pommer, will sich aber über Inhalte nicht weiter äußern. Es gehe nicht ums Geld, sagt der BBL-Geschäftsführer. Dieter Hauert vermutet, dass die Übernahme von Produktionskosten bei den Verhandlungen eine Rolle spielen dürfte.

Zurzeit müssen sich die Basketball-Fans mit BBL.TV anfreunden. „Im Internet soll die Qualität nicht so gut sein, habe ich mir sagen lassen“, sagt Dieter Hauert. Der Alba-Aufsichtsrat hat sich deshalb einen neuen Decoder zugelegt, um das Auswärtsspiel der Berliner in Quakenbrück zu verfolgen. Allerdings kann Hauert verstehen, dass nicht jeder das Geld für einen weiteren Decoder ausgeben will, er sagt deshalb: „Die öffentlich-rechtlichen Sender haben eine Verpflichtung, die Sportarten zu übertragen, die sonst nicht im Fernsehen vorkommen.“

Wenn Dieter Hauert zurzeit den Fernseher einschaltet, kann er sogar ziemlich viel Basketball sehen. „Die Sportkanäle sind ein Traum“, sagt er. Was allerdings weniger an seinem neuen Decoder und mehr an seinem Aufenthaltsort liegt: Dieter Hauert ist in die USA gereist.

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