Basketball-Bundestrainer : Dirk Bauermann - der Themensetzer

Warum Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann auch nach dem WM-Aus nicht in die Kritik gerät.

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Dirk Bauermann.
Dirk Bauermann.Foto: dpa

Wie oft kann man in einer Woche die Worte „diese junge Mannschaft“ benutzen? Dirk Bauermann hat in der vergangenen Woche im türkischen Kayseri versucht, in dieser Hinsicht einen Rekord aufzustellen. Egal was man den Basketball-Bundestrainer auch fragte, Bauermann fand stets einen Weg, auf die Unerfahrenheit seines Teams und dessen glänzende Perspektive hinzuweisen. Wahrscheinlich hätte er auch auf eine Frage nach dem Wetter geantwortet, die Tagestemperaturen von 42 Grad Celsius in der Hauptstadt Kappadokiens seien zwar völlig neu für sein Team, es sei aber bewundernswert, wie sich diese jungen Spieler der Herausforderung stellten.

Bauermann weiß, dass man Basketball in Deutschland verkaufen muss – zumindest, wenn Dirk Nowitzki nicht gerade in der Nähe ist. Er kann auch die richtigen Knöpfe drücken, um ein Thema zu platzieren. Als er eine Diskussion um die Spielanteile deutscher Profis in der Basketball-Bundesliga (BBL) anstoßen wollte, provozierte er mit der Aussage, in Deutschland stünden Amerikaner unter Vertrag, „die in den USA im Supermarkt Kisten schleppen würden“. Bei der WM betonte der 52-Jährige gebetsmühlenartig, es gehe um die langfristige Entwicklung der deutschen Talente, deswegen seien die Lehrstunde, erteilt von Australien, und das Ausscheiden gegen Angola auch „kein Beinbruch“. Obwohl Bauermann das Achtelfinale und damit das erklärte Ziel verpasste, kann er sich der Rückendeckung durch den Deutschen Basketball-Bund sicher sein. „Ich bin begeistert von Dirk Bauermann und seiner Arbeit“, sagt Präsident Ingo Weiss. „Ich würde seinen Vertrag am liebsten sofort verlängern – bis 2022 oder was weiß ich.“ Wer nun eine Trainerdiskussion beginnen wolle, habe von „einem Neuaufbau und von Basketball wenig Ahnung“.

Weil Bauermann allerdings die tägliche Arbeit fehlt, wollte er schon lange wieder ein Vereinsteam übernehmen. Deshalb betreut er ab sofort die Zweitliga-Mannschaft des FC Bayern München, die dank Verpflichtungen wie den Nationalspielern Demond Greene und Steffen Hamann mühelos aufsteigen dürfte. Im kommenden Sommer würde es in diesem Fall ein Problem geben: Die Regeln der BBL verbieten Vereinstrainern, gleichzeitig Nationalcoach zu sein. Der DBB stünde vor der EM in Litauen, bei der man sich für Olympia 2012 qualifizieren will, ohne Trainer da. „Wir werden eine Lösung finden“, sagt der als geschickter Strippenzieher bekannte Weiss: „Ich mache mir überhaupt keine Sorgen.“ Es scheint, als hätten sich alle Beteiligten längst geeinigt, bevor Bauermann am Mittwoch seinen Dienst in München antritt.

Mit seinen Ansprüchen passt Bauermann gut zum FC Bayern. Der gebürtige Oberhausener war mit Leverkusen und Bamberg neunmal Deutscher Meister, wie sein neuer Chef Uli Hoeneß hasst er es, zu verlieren. Nach der Niederlage gegen Angola verzog sich Bauermann in den Katakomben der Kadir-Has-Arena hinter eine Werbebande, um sich abseits der Kameras seinen Frust mit einigen unflätigen englischen Ausdrücken von der Seele zu brüllen. Sekunden später referierte er eloquent darüber, wie wichtig so ein Rückschlag für diese jungen Spieler sein könne.

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