Basketball : Bundestrainer Henrik Rödl: "Wir werden noch besser"

Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl über seine Ziele mit der Nationalmannschaft und die sozialen Skills von Dennis Schröder.

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Henrik Rödl, 48, ist seit Montag neuer Bundestrainer der Basketball-Nationalmannschaft. Rödl wurde mit Alba Berlin sieben Mal Deutscher Meister.
Henrik Rödl, 48, ist seit Montag neuer Bundestrainer der Basketball-Nationalmannschaft. Rödl wurde mit Alba Berlin sieben Mal...Foto: dpa

Henrik Rödl, Sie sind der Nachfolger von Chris Fleming als Basketball-Bundestrainer. Das kam für Sie nicht besonders überraschend, oder?

Nein. Die Aussicht auf den Posten als Bundestrainer war auch ein Grund, warum ich im Januar 2016 als Assistent von Chris Fleming beim Deutschen Basketball-Bund unterschrieben habe. Dass es nun so gekommen ist, war daher schon länger geplant.

Die am Sonntag zu Ende gegangene Europameisterschaft hat gezeigt, dass es schlimmere Jobs gibt. Deutschland schied erst im Viertelfinale gegen die hoch favorisierten Spanier aus.

Die Europameisterschaft war ein großer Erfolg für uns. Vor allem wenn man bedenkt, unter welchen Umständen wir es ins Viertelfinale geschafft haben. Viele Spieler waren verletzt, einige sind spät dazugekommen. Und dann mit der jüngsten Mannschaften des Turniers so aufzutreten – ich bin sehr, sehr stolz auf dieses Team.

Wie lässt sich der Erfolg in der Nationalmannschaft erklären?

Wir haben vor drei Jahren einen neuen Zyklus in der Basketball-Nationalmannschaft begonnen, mit sehr talentierten, sehr jungen und sehr entwicklungsfähigen Spielern. Wenn ich zwei Jahre zurückdenke, dann ist es schon enorm, was die Mannschaft für einen Sprung gemacht hat.

Das nächste Ziel ist die Qualifikation für die WM 2019 in China. In der Vorqualifikationsgruppe trifft Deutschland auf Georgien, Serbien und Österreich. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Das wird definitiv nicht einfach: Unser Sieg bei der EM gegen Georgien war sicher eines unserer besten Spiele bei der Europameisterschaft. Trotzdem war es schwer. Österreich ist auf dem Papier sicher der einfachste Gegner. Aber ich erinnere mich an die EM-Qualifikation vor zwei Jahren. Da hatten wir große Probleme. Und über Serbien, die am Sonntag im EM-Finale nur knapp Slowenien unterlagen, braucht man nicht viel zu sagen. Die haben endlos viele erstklassige Spieler und sind der große Favorit in dieser Gruppe.

Diese hat Deutschland nicht. Und dann müssen Sie bei der WM-Qualifikation vermutlich auch noch auf die besten Spieler verzichten, weil der Basketball-Weltverband Fiba Länderspiele während der Saison veranstalten will. Dennis Schröder etwa wird die Atlanta Hawks nicht für ein Länderspiel verlassen dürfen. Was halten Sie davon?

Natürlich hätte ich gerne meine besten Spieler dabei. Aber im Prinzip finde ich es sehr gut, wenn auch unter der Saison Länderspiele ausgetragen werden. Das war zu meiner Zeit teilweise auch schon so. Ich denke, wenn die Situation zur Gewohnheit wird, werden sich alle Beteiligten damit auch arrangieren können. Und für unsere Nationalmannschaft kann das insofern ein Vorteil sein, als wir neue Talente testen können und in der Breite besser werden.

Nun hat die Nationalmannschaft eine gelungene Europameisterschaft absolviert. Was wollen Sie in hauptverantwortlicher Position nun noch besser machen als ihr Vorgänger?

Wir haben nun drei Jahre lang eine Spielkultur in der Nationalmannschaft etabliert. Und ganz offensichtlich funktioniert sie, das Spielsystem passt. Es wäre daher nicht clever, würde ich das alles wieder umschmeißen. Ich möchte daran anknüpfen und nicht viel verändern.

Wie bewerten Sie die Auftritte von Dennis Schröder in der Nationalmannschaft?

Dennis hat sich ja in allen Bereichen verbessert. Er ist ein überragender Spieler, das war er auch schon in den vergangenen Jahren. Jetzt ist er aber auch toll im Umgang mit den anderen. Hinzu kommt, dass er vor der EM erst spät zum Team gestoßen ist – und sich gleich wunderbar integriert hat. Da muss man natürlich auch die anderen loben, die ihn aufgenommen haben.

Wie groß ist die Gefahr bei einem Spieler wie Schröder, dass sich das Team zu sehr auf ihn verlässt und die anderen nicht ausreichend Verantwortung übernehmen?

Natürlich liegt auf einem Spieler wie Dennis immer der Fokus. Er ist der Star der Mannschaft, er hat unglaubliche Qualitäten und er spielt in den Überlegungen des Gegners eine große Rolle. Aber das Turnier hat gezeigt, dass wir noch viele weitere Spieler mit sehr, sehr hoher Qualität haben. Und das Schöne ist: Sie sind alle noch ziemlich jung und sie alle werden noch besser, als sie es jetzt schon sind.

Das Gespräch führte Martin Einsiedler

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