Basketball : Dallas sagt Nein

Dirk Nowitzki darf nicht an der Europameisterschaft in Polen teilnehmen. Sein NBA-Klub Dallas Mavericks wird den deutschen Star in diesem Jahr nicht freistellen.

Benedikt Voigt
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Verboten. Bei den Olympischen Spielen in Peking (hier gegen Chinas Yao Ming) durfte Nowitzki noch spielen. Foto: dpadpa

Berlin - Es gibt eine Änderung im Trainingsplan für Dirk Nowitzki. „Wir werden jetzt mehr auf Technik umsteigen“, sagt sein Mentor und persönlicher Trainer Holger Geschwindner. Und unter anderem am Hakenwurf feilen. „Den kann er schon ganz gut, aber wir müssen da weitermachen“, sagt Geschwindner. Bis Freitag hatte er den Star aus der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA noch auf einen möglichen ersten Saisonhöhepunkt im September bei der EM in Polen vorbereitet. Das hat sich nun erledigt.

Die Dallas Mavericks verweigern Dirk Nowitzki die Freigabe für die Europameisterschaft. Mavericks-Besitzer Marc Cuban hat das seinem Spieler in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. „Cuban hat ihn an sein Versprechen erinnert“, berichtet Geschwinder. „da stand Worthalten gegen Worthalten.“ In den neun Jahren zuvor hatte Cuban Nowitzki stets erlaubt, für das Nationalteam anzutreten, um sich den Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen zu erfüllen. Nowitzki hatte im Gegenzug mit seinem Arbeitgeber ausgemacht, in diesem Sommer zu pausieren. Erst nach privaten Turbulenzen – seine Ex-Verlobte, die auch behauptet, ein Kind von ihm zu bekommen, entpuppte sich als eine per Haftbefehl gesuchte Betrügerin – wollte er wieder für Deutschland antreten. „Ich hätte sehr gerne gespielt und stehe auch gut im Training“, sagt Nowitzki. „aber ich kann den Standpunkt von Mark Cuban komplett verstehen und stehe zu meinem Wort.“

Der Deutsche Basketball-Bund (DBB) ist von der Entscheidung nicht überrascht. „Wir haben volles Verständnis dafür“, sagt DBB-Präsident Ingo Weiss, „für uns war schon vorher klar, dass wir bei der EM in Polen einen Umbruch haben werden.“ Dieser fällt nun noch deutlicher aus. Zuletzt debütierten gleich sechs neue Spieler im Team von Bundestrainer Dirk Bauermann. Die Ziele für die EM müssen ohne Nowitzki deutlich heruntergeschraubt werden. „Wir werden die Testspiele der neuen Mannschaft abwarten und dann die Ziele formulieren“, sagt Ingo Weiss. An diesem Wochenende misst sich das deutsche Team am Sonnabend in Braunschweig und am Sonntag in Dessau mit Serbien. Allerdings sind die Chancen stark gesunken, dass sich die Mannschaft bei der EM unter den ersten sechs platziert und sich damit für die WM 2010 in der Türkei qualifiziert. Zwar muss der Deutsche Basketball-Bund nun nicht rund 200 000 Euro für eine Versicherung Dirk Nowitzkis ausgeben. Dennoch hat der Verband nun nicht mehr Geld zur Verfügung. „Das ist Kokolores“, sagt Ingo Weiss, „das Geld haben uns immer Partner und Freunde zur Verfügung gestellt.“ Erst kürzlich hat der DBB seinen Vertrag mit seinem Hauptsponsor verlängert.

Gut möglich aber, dass die Partner und Freunde in den kommenden Jahren wieder zahlen müssen. Denn die Nationalmannschaftskarriere von Nowitzki ist trotz dieser Entscheidung nicht beendet. „Das ist völliger Unsinn“, sagt Geschwindner. Bereits im Juni hatte Dirk Nowitzki betont, wie sehr ihn die Olympischen Spiele in Peking begeistert haben. „Ich will das in London 2012 wieder erleben“, sagte er. Bei der WM 2010 oder der EM 2011 könnte er sich dafür qualifizieren.

„Dirk ist heiß auf Basketball“, berichtet Holger Geschwindner. Weshalb ihn die Entscheidung erst recht schmerzen wird, wenn das deutsche Team in Polen die ersten Vorrundenspiele bestreitet. Und er gleichzeitig in der Turnhalle in Rattelsdorf den Hakenwurf übt.

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