Sport : Basketball: Das Duell endete mit Schmerzen

Sven Simon

Leider war es nicht sehr lang, das Duell zwischen Vater und Sohn in Paderborn. Svetislav Pesic, der Nationaltrainer Jugoslawiens, und Marko Pesic, deutscher Nationalspieler, trafen mit ihren Mannschaften erstmals aufeinander. Weltmeister Jugoslawien gewann das Vorbereitungsspiel auf die Europameisterschaften im Basketball mit 69:59, aber das interessierte später kaum jemanden. Alle redeten nur von der Szene, als auf der Wurfuhr nur noch wenige Sekunden standen, und Marko Pesic den Ball in seinen Händen hielt. Sein Vater stand vier Meter entfernt an der Seitenlinie und beobachtete die Bewegungen seines Sohnes.

Es war eine von den Situationen, wie sie der 24-Jährige liebt. Er ist einer der wenigen deutschen Nationalspieler, der die Verantwortung sucht. Er dribbelte, täuschte, sprang vor seinem Gegner hoch, warf über dessen ausgestreckte Arme - und landete auf dem Fuß des Verteidigers und knickte um. Sein Vater registrierte es, konzentrierte sich aber zunächst auf den Schnellangriff seines Teams am anderen Ende des Feldes. Erst als der Schiedsrichter unterbrach, lief er zu seinem Sohn, der gekrümmt am Boden lag. "Ich glaube nicht, dass er gemerkt hat, dass ich als erstes da war. Er hatte sehr starke Schmerzen", sagte sein Vater. Der Sohn wurde sofort nach Berlin gebracht, gestern wurde der geschwollene Knöchel untersucht. Eine Diagnose liegt nicht vor, aber sein Wunsch, "endlich eine Europameisterschaft zu spielen", scheint nicht in Erfüllung zu gehen. Es wäre die dritte EM in Folge, die er wegen einer Verletzung verpasst.

Mit Alba Berlin siegten Vater und Sohn einst zusammen dreimal in der deutschen Meisterschaft und gewannen den Korac-Cup. Wenn sie miteinander sprachen, waren sie meist nur Trainer und Spieler. "Das war für Marko viel schwerer als für mich", erzählt der Vater, "auch bei seinen Teamkameraden hatte es Marko schwer." Letztlich hat er aber davon profitiert, da ist der Vater überzeugt. "Schließlich bin ich nicht irgendein Trainer", sagt der 51-Jährige mit der ihm ureigenen gesunden Arroganz. Allein seine herablassende Körperhaltung während des Spiels - Kaugummi kauend, die Hände in den Taschen, die Mundwinkel nach unten gezogen, sich abwendend - lässt erahnen, wie viel Genugtuung es einem Spieler bereiten muss, diesen Trainer zu beeindrucken. Und wie schwer das fallen muss, wenn man sein Sohn ist. Vor zwei Jahren ging Marko zu Iraklis Saloniki. Damit trennte er sich erstmals von seinem Vater, dem ehemaligen jugoslawischen Nationalspieler, dem so erfolgreichen Trainer, dem Welt- und Europameister.

Seitdem sehen sich die beiden weniger, trotzdem sei das Verhältnis "viel besser geworden", erzählt der Vater. Früher habe man Niederlagen mit nach Hause in die Familie genommen. Nach einem harten Jahr in Griechenland kehrte Marko Pesic schließlich zu Alba zurück. Und spielte die beste Saison seiner Karriere.

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