Sport : Basketball: Der Quantensprung von Istanbul

Benedikt Voigt

Am Tag danach wanderten Zahlen in der Höhe einer türkischen Zwischenmahlzeit durch das Crown Plaza Hotel in Istanbul. Für 3,7 Millionen bekommt man im inflationsgeplagten Istanbul maximal einen Dürüm Döner und ein Efes Pilsen. Doch es handelte sich bei dieser Summe nicht um türkische Lire, sondern um die Einschaltquote vom Vortag, die den Präsidenten des Deutschen Basketball-Bundes euphorisch stimmte. "Das ist ein Quantensprung", schwärmte Roland Geggus.

Das Deutsche Sportfernsehen relativierte die Zahlen später ein wenig. Nach ersten Messungen waren es durchschnittlich 1,8 Millionen und in der Spitze 3,0 Millionen Zuschauer, die am Samstag das Spiel zwischen Deutschland und der Türkei verfolgten. Auch wenn die Stille Post aus München nach Istanbul für eine leichte Erhöhung sorgte - beeindruckend war die Quote allemal. Die Basketballer hielten sogar mit der zeitgleichen Zusammenfassung des Fußballspiels zwischen Borussia Dortmund und Bayern München mit. Den Bundesligagipfel auf Sat 1 verfolgten 3,9 Millionen Zuschauer. Da konnte der DBB-Präsident auch die unglückliche Niederlage (78:79 nach Verlängerung) im Halbfinale der Europameisterschaft gegen die Türkei leichter ertragen. "Die Europameisterschaft war sehr positiv für uns", sagte Geggus, "wir haben unser Ziel erreicht, uns für die Weltmeisterschaft 2002 in Indianapolis zu qualifizieren."

Was Geggus auch noch freute: "Wir haben einen Generationswechsel eingeleitet." Nur Spanien trat mit einer ähnlich jungen Mannschaft bei der Europameisterschaft an. Der DBB möchte die Euphorie in die nächsten Monate hinüberretten und ruft nun die "Basketball-Festmonate" aus. Neben dem Bundesliga-Auftakt des neuen Bundesliga-Klubs Rhein Energy Cologne wird es in der Köln-Arena am 11. und 13. Oktober ein Gastspiel der beiden NBA-Teams Minnesota Timberwolves und Toronto Raptors geben. Im kommenden Jahr soll sich die deutsche Nationalmannschaft mit einem Freundschaftsspiel gegen das Dream Team der USA auf die WM vorbereiten. Und zuvor startet im November bereits die Qualifikation für die nächste EM 2003 in Schweden.

Dabei muss Deutschland sich mit Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Irland und Zypern auseinandersetzen. Die ersten zwei Teams qualifizieren sich direkt für die EM, zudem kommen auch die besten vier von fünf Drittplatzierten weiter. Weil zu diesem Zeitpunkt die NBA-Saison wieder startet, wird die deutsche Mannschaft in der EM-Qualifikation auf Dirk Nowitzki und Shawn Bradley von den Dallas Mavericks verzichten müssen.

Bundestrainer Henrik Dettmann könnte dann auch wieder auf Vladimir Bogojevic zurückgreifen, der für Shawn Bradley zu Hause bleiben musste. Der Weltverband Fiba erlaubt nur einen Spieler pro Team, der nach dem 16. Lebensjahr eingebürgert wurde. Der DBB würde diese Regelung am liebsten abgeschafft sehen, weil noch andere deutsche Spieler wie Hurl Beechum (Telekom Baskets Bonn) oder Misan Nikagbatse (Olympiakos Piräus) darunter fallen. "Wir werden in der nächsten Woche einen Vorstoß bei der Fiba unternehmen, um die Qual für die Spieler zu beenden", sagte Geggus.

Der Präsident zählt sein Team inzwischen zur erweiterten Weltspitze. Zu den größten Gewinnern im deutschen Team gehörte der 22-jährige Stefano Garris, der unermüdlich gegen Europas Beste wie Ibrahim Kutluay oder Predrag Stojakovic verteidigte. Auch Ademola Okulaja und Marko Pesic zeigten, dass sie gegen jede Mannschaft bestehen können. Und natürlich war da noch Dirk Nowitzki, der bei der EM zum besten Spieler Europas aufstieg. Gegen eine harte Verteidigung der Türken ließ er sich jedoch aus dem Konzept bringen. "Wir sind ein junges Team", entschuldigt der Bundestrainer, "wir haben alle aus dieser EM gelernt."

Auch der DBB will lernen. Eine Expertenrunde soll mit Vertretern aus Wirtschaft und Medien eine Strategie für die kommenden Monate festlegen. Geggus sagt: "Mich freut am meisten, dass wir gezeigt haben, wie emotional Basketball sein kann." Jetzt gilt es, das EM-Gefühl zu bewahren.

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