Basketball : Die Achterbahn-Liga

Rückzug, Insolvenz, Wildcards: Die Basketball-Bundesliga erlebt eine chaotische Sommerpause.

Helen Ruwald,Lars Spannagel
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Nur noch abwärts. In der kommenden Saison wird Alba Berlin wohl nicht mehr auf die Köln 99ers treffen. Hier überwindet Kölns...

BerlinIn den Play-offs konnte die Basketball-Bundesliga (BBL) noch Werbung in eigener Sache machen. Mehrere Serien gingen über volle fünf Spiele, Favorit und Titelverteidiger Alba Berlin scheiterte spektakulär an den Bonnern, die sich anschließend eine packende Finalserie mit dem späteren Meister Oldenburg lieferten. Der Zuschauerschnitt stieg im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent. Doch seit die Sommerpause angebrochen ist, macht die Liga nur noch negative Schlagzeilen. Erst zogen die Giants Nördlingen ihr Team aus wirtschaftlichen Gründen zurück. Dann meldete das Überraschungsteam aus Göttingen eine Etatlücke von 210 000 Euro, die erst nach einem öffentlichen Hilferuf gedeckt werden konnte. Schließlich bekannten die Köln 99ers, zum dritten Mal innerhalb von eineinhalb Jahren am finanziellen Abgrund zu stehen. Der Klub stellte einen Insolvenzantrag.

Durch die Fälle Nördlingen und Köln wird die Abschlusstabelle der vergangenen Saison ad absurdum geführt: Absteiger Gießen rückt für Nördlingen in die Liga zurück – und der Tabellenletzte Bremerhaven könnte von der Misere der Kölner profitieren und deren Lizenz übernehmen. „Mich schockt gar nichts mehr“, sagt Jan Rathjen, der Bremerhavener Geschäftsführer. „Eine Achterbahn der Gefühle hatten wir die ganze Saison. Jetzt warten wir, was wird.“ Er muss sich noch gedulden, am Mittwoch hat die Liga die Entscheidung über einen Lizenzentzug für die Kölner auf den 20. Juli verschoben.

„Eine Entscheidung, ob die Köln 99ers weiter am Spielbetrieb teilnehmen oder nicht, ist für alle Beteiligten so schwerwiegend, dass sie ohne Hast getroffen werden muss“, sagte BBL-Geschäftsführer Jan Pommer. Sollte Köln ausgeschlossen werden, dürfen sie auch nicht in der zweiten oder dritten Liga, Pro A und Pro B, antreten. Das beschloss der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Zweiten Bundesliga. Dabei hatte die BBL erst am 6. Juli den Kölnern die Lizenz erteilt, vier Tage später stellte der Verein beim Amtsgericht Köln einen Insolvenzantrag, was Jan Pommer als „sehr unglücklich und sehr ärgerlich“ bezeichnete. Die Gesellschafter der 99ers hatten laut BBL beschlossen, „dass der Etat von lediglich 1,2 Millionen Euro den Ansprüchen an einen Erstliga-Standort Köln nicht genüge“ und zogen ihre Finanzierungszusagen zurück. Inzwischen sucht Köln neue Sponsoren.

Die Giants Nördlingen haben den Rückzug aus der ersten Liga bereits freiwillig vollzogen. Der Klub hatte als Tabellen-Sechzehnter gerade noch den Klassenerhalt geschafft. Der Aufsteiger von 2008 hatte die gesamte Saison ohne Hauptsponsor gespielt, „das war ein Kraftakt und mit unserem niedrigen Etat kein zweites Jahr zu stemmen“, sagt Manager Jürgen Kohl, ohne genaue Zahlen zu nennen. „Wir arbeiten mit 150 bis 200 Sponsoren, haben aber nicht den einen großen, der eine sechsstellige Summe zahlt.“ Gespräche mit einem potenziellen Hauptsponsor zerschlugen sich Ende Mai. Dieser habe trotz Wirtschaftskrise einen großen Werbeetat gehabt, „aber ihm war die Medienpräsenz zu niedrig, vor allem im TV-Bereich“. Noch weiter nach einem Hauptsponsor zu suchen, hielt Kohl für hoffnungslos. Mit einem völlig neuen Team wird Nördlingen nun in der Pro A starten. Neun ausländische Spieler sollen durch neun Deutsche ersetzt werden.

Die Nördlinger Lizenz vergab die Liga an den Absteiger aus Gießen, der sich in einer geheimen Abstimmung gegen den Konkurrenten Bremerhaven durchsetzte. Nun muss der Verein für die Wildcard 100 000 Euro an die Liga zahlen. Dabei standen auch die Gießener im Winter schon knapp vor der Pleite. 100 000 Euro kommen jetzt wohl auch auf die Eisbären Bremerhaven zu. Sollten die Köln 99ers ausgeschlossen werden, schummeln sich auch die Norddeutschen als zweiter sportlicher Absteiger zurück ins Feld der nächsten Saison. „Der Beschluss steht, dass, wenn es einen freien Platz gibt, wir ihn kriegen“, sagt Jan Rathjen.

Angesichts der Finanzkrise heißt das noch lange nicht, dass für die Liga danach ruhigere Zeiten anbrechen.

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