Basketball : Drei Supertypen für Miami

"King James" hat sich entschieden: NBA-Star LeBron James wechselt nach Miami zu Dwyane Wade und Chris Bosh – und macht die Heat damit zum Titelanwärter für die nächsten Jahre.

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Virtuelle Erscheinung, reeller Jubel: In Miami freuen sich Heat-Fans über die Verpflichtung von Basketball-Star LeBron James.
Virtuelle Erscheinung, reeller Jubel: In Miami freuen sich Heat-Fans über die Verpflichtung von Basketball-Star LeBron James.Foto: rtr

Berlin - Am unfreundlichsten reagierten die Fans in Cleveland auf LeBron James Entscheidung. Einige verbrannten auf der Straße sein Trikot mit der Nummer 23, andere bewarfen sein Werbeposter an einem zehnstöckigen Gebäude mit Steinen. Der Besitzer der Cleveland Cavaliers benahm sich wie ein gehörnter Ehemann und warf seinem scheidenden Basketballstar „feigen Betrug“ vor. Die Live-Übertragung von James’ Entscheidung im Fernsehen bezeichnete Dan Gilbert als „narzisstische, selbstbezogene Anhäufung“. Schließlich behauptete der beleidigte Teambesitzer sogar: „Ich garantiere persönlich dafür, dass die Cleveland Cavaliers einen NBA-Meistertitel gewinnen werden, bevor der selbsternannte ehemalige ,King’ einen holt.“ Doch damit liegt er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit falsch.

LeBron James’ Chancen auf den NBA-Titel sind seit Donnerstag, 21.27 Uhr Ortszeit, so gut wie nie. „In diesem Herbst werde ich meine Talente nach South Beach tragen und zu den Miami Heat wechseln“, verkündete der 25-Jährige in der Live-Übertragung bei „ESPN“. Damit wird er mit den Stars Dwyane Wade, 28, und Chris Bosh, 26, ein Trio bilden, das nur schwer zu bezwingen sein wird. „Als ich am Donnerstag aufgewacht bin, habe ich gewusst, dass es die richtige Entscheidung ist“, sagte James, „es wird mir die beste Möglichkeit geben zu gewinnen – und zwar viele Jahre lang zu gewinnen.“

Die drei Stars haben schon im Nationalteam der USA zusammengespielt und holten 2008 in Peking gegen Spanien den Olympiasieg. Sie kennen sich, seitdem sie im Jahr 2003 gemeinsam in die Liga geholt wurden. „Zusammenzuspielen ist eine Idee, über die wir alle nachgedacht haben“, sagte Dwyane Wade der Zeitung „Miami Herald“, „wenn wir zusammenspielen, holen wir immer gegenseitig das Beste aus uns heraus.“

Dwyane Wade und Chris Bosh verzichten offenbar sogar auf Geld, um LeBron James nach Miami locken zu können. Dieser hätte in Cleveland einen Maximal-Vertrag von 127 Millionen Dollar für sechs Jahre erhalten können. Er lehnte ihn ab. Stattdessen kann er nun wie Chris Bosh in Miami maximal 99 Millionen Dollar in fünf Jahren verdienen.

„Wir freuen uns auf die Gelegenheit, etwas aufzubauen, auf das unsere Fans in Miami noch sehr lange stolz sein werden“, sagte Heat-Präsident Pat Riley, „die Reise beginnt gerade erst.“ Es ist eine Reise, auf die auch die New York Knicks, die New Jersey Nets, die Chicago Bulls, die Los Angeles Clippers und die Cleveland Cavaliers gerne gegangen wären. Alle diese Klubs hatten sich seit dem Beginn der Wechselperiode für Free Agents am 1. Juli bei LeBron James mit ihrem Konzept vorgestellt. New York hatte sogar seit zwei Jahren die besseren Spieler abgegeben, um im Gehaltsgefüge Platz für LeBron James zu haben – und geht nun leer aus. Auch bei Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks hatte man sich leise Hoffnungen gemacht, den besten Spieler der NBA verpflichten zu können. Nun müssten schon viele glückliche Umstände zusammentreffen, wenn Dallas in Zukunft mit den Miami Heat mithalten will. Die gestrige Wiederverpflichtung von Centerspieler Brandon Haywood reicht dafür wohl bei weitem nicht aus.

Auf Miami wartet nun die Herausforderung, drei Spieler, die in ihren Mannschaften bisher uneingeschränkte Stars waren, zu einem Team zu formen. So erzielte LeBron James zuletzt in Cleveland 29,7 Punkte im Schnitt, Dwyane Wade kam in Miami auf 26,6 Punkte, Chris Bosh in Toronto auf 24 Punkte. Sie waren damit zweit-, fünft- und neuntbester Werfer der Liga. Diese Zahlen werden sie in der kommenden Saison nicht mehr erreichen können, wenn sie den Ball untereinander abgeben müssen.

Doch auch den Boston Celtics ist es vor drei Jahren gut gelungen, Kevin Garnett, Ray Allen und Paul Pierce zu einer Meistermannschaft zu formen. Der jeweilige Verzicht auf das mögliche Maximalgehalt zeigt, dass jeder der drei gewillt ist, sein Ego zurückzustellen. „In dieser Liga kannst du individuell ein Superstar werden, aber wenn du die Meisterschaft gewinnen willst, musst du ein Team haben“, sagte LeBron James. Doch ein solches hat er in Miami im Moment auch noch nicht. Nach dem Wechsel von Michael Beasley zu Minnesota stehen im Moment lediglich vier Spieler in Miamis Kader. Freilich nicht die schlechtesten.

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