Sport : Basketball: Ein Assistent im anderen Film

Benedikt Voigt

Es war ein Sonntagnachmittag nach einem Spiel von Alba Berlin, als Burkhardt Prigge im Vip-Raum der Max-Schmeling-Halle die Umstehenden fragte: "Kennt jemand einen guten Film? Der Coach will heute noch ins Kino gehen." Der damalige Alba-Trainer Svetislav Pesic war kein großer Kinogänger, weshalb er Prigge um einen Tipp gebeten hatte. Der Assistant Coach schickte seinen Vorgesetzten und dessen Frau schließlich zum Potsdamer Platz. "Dort hat er die größte Auswahl unter den Filmen" sagte Prigge, der seine Berufsbezeichnung offensichtlich ernst nimmt. "Assistant" kommt von "helfen".

Inzwischen hat sich manches geändert für Alba Berlin. Pesic ging nach sieben Jahren, ein neuer Cheftrainer aus den Reihen des Deutschen Basketball-Meisters rückte nach. Es war nicht Burkhardt Prigge. Der 36-Jährige firmiert weiterhin unter der Bezeichnung "Assistant Coach" und findet das auch gut. "Ich trage die Entscheidung völlig mit", sagt Prigge. Von einer verpassten Beförderung will er gar nichts wissen. "Ich stehe für Konstanz und Kontinuität in der Funktion als Kotrainer." Im Übrigen sei es nicht gut, in der Öffentlichkeit den Entscheidungsprozess bei Alba zu diskutieren. Beim alten Trainer stößt die Kombination Mutapcic/Prigge auf große Zustimmung. "Ich bin glücklich, dass der Verein die Entscheidung getroffen hat", sagt Pesic, "zwei solche Trainer gibt es nicht noch einmal in Deutschland."

Der Coach, der Alba zu vier deutschen Meistertiteln in Serie und dem Gewinn des Korac-Cups führte, bezeichnet seine beiden Nachfolger als Team. "Die machen das zusammen." Allerdings mit einer klaren Hierarchie. "Wir sind nicht gleichberechtigt", findet Prigge, "Muki ist der Headcoach." Auf "Muki", wie sie bei Alba Berlin Emir Mutapcic liebevoll nennen, lastet folglich auch die größere Verantwortung, die erste Saison nach Pesic zu einer erfolgreichen Saison zu machen. "Dieser Druck ist ganz logisch, der ist bei Alba immer da", sagt Prigge. Für Emir Mutapcic und Burkhardt Prigge gilt es, mindestens den deutschen Meistertitel erfolgreich zu verteidigen. Den hatte Pesic in den letzten vier Jahren immer geholt.

"Ich will mich nicht mit Pesic vergleichen", sagt Mutapcic. Andere tun das bereits. Eine Boulevardzeitung stellte fest, dass Mutapcic schon härter trainiert als sein Vorgänger. "Pesic ist mein Lehrer", sagt der 40-Jährige, "ich versuche, in dieser Linie zu bleiben." Seinen Nebenjob als Nationaltrainer von Bosnien-Herzegowina wird er vorerst aufgeben, um sich ganz auf Alba zu konzentrieren. Hier weiß er, was auf ihn zukommt. Seit neun Jahren ist Mutapcic im Verein. "Er ist kein neuer Trainer für uns", sagt Mannschaftskapitän Henrik Rödl, "er braucht sich also keinen Respekt zu erarbeiten."

Dasselbe gilt natürlich für Burkhardt Prigge, den Assistant Coach in seinem achten Jahr bei Alba. Das Ziel, irgendwo Headcoach zu werden, spielt für den akribischen Analytiker momentan keine Rolle. "Ich stehe nicht morgens auf und sage, ich muss heute Cheftrainer werden", erklärt der ehemalige Jugendauswahltrainer Niedersachsens, "ich setze mich mit aller Kraft für das Heute ein - die Zukunft ergibt sich dann von selbst."

Ob sich an seiner Rolle als Assistant Coach im Vergleich zu früher etwas verändert hat, kann Prigge jetzt noch nicht sagen. "Dazu ist es zu früh, die Realität hat doch noch gar nicht richtig angefangen." Der Umgang aber ist ein anderer. Das geschieht zwangsläufig, findet Prigge: "Muki ist vier Jahre älter als ich, Pesic 15 Jahre." Auch würde er sich öfters mit Mutapcic besprechen. Nach einem Kino-Tipp hat ihn sein neuer Chef allerdings noch nicht befragt. Vielleicht hat sich die Rolle Burkhardt Prigges nach Pesics Weggang doch geändert. Weniger "Assistant", noch mehr "Coach".

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