Basketball : Ein bisschen Rost

Zwischen Enttäuschung und Zufriedenheit: Wie Alba die knappe Niederlage in Le Mans sieht.

Helen Ruwald

BerlinSteffen Hamann war am Morgen danach unentschlossen. War die 60:61-Niederlage im Erstrunden-Hinspiel der Europaliga-Qualifikation in Le Mans nun ein Erfolg, weil Alba Berlin nach einem 0:15-Fehlstart nicht einbrach, sondern fast noch gewonnen hätte? Oder bleibt Enttäuschung, weil der Bundesligist die 59:58-Führung nur bis zum Beginn der 40. Minute hielt, aber am Ende nicht einmal das in der Qualifikation mögliche Unentschieden heraussprang? „Beides“, sagt der deutsche Nationalspieler, „man muss den Hut ziehen, dass wir zurückgekommen sind. Wir sind nicht nervös geworden. Aber wir hätten mit fünf, sechs Punkten Vorsprung gewinnen müssen. Deswegen ist es etwas ärgerlich.“ Bis zur 38. Minute hatte Alba 59:53 geführt.

Die Verantwortlichen teilen Hamanns Einschätzung nicht. „Wir können sehr zufrieden sein. Wir haben es in der Hand“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi vor dem Rückspiel am Freitag (20 Uhr) in der Arena am Ostbahnhof, wo Alba die Franzosen mit mindestens zwei Punkten Differenz schlagen muss. Bei einem Alba-Sieg mit einem Punkt weisen beide Teams das gleiche Korbverhältnis auf – die Verlängerung müsste entscheiden. Ein Unentschieden, sonst im Basketball unüblich, würde Le Mans zum Einzug in die nächste Runde verhelfen.

Um das zu verhindern, darf Alba den Start nicht wieder verschlafen. In Frankreich saß Baldi fassungslos neben Albas Bank und wartete, dass sein Team endlich in den Korb treffen würde. Erst nach fast acht Minuten erlöste ihn Adam Chubb. „Ich kann mich nicht erinnern, so etwas schon mal erlebt zu haben“, sagt Baldi. Center Chubb fand, Alba sei „nicht fokussiert genug“ gewesen. „Wir haben keine Entschuldigung, wir hätten bereit sein müssen, aber wir waren es nicht.“

Albas Schwierigkeiten führt Sportdirektor Henning Harnisch auf die Konstellation „Preseason trifft auf Play-offs“ zurück. Soll heißen: Das Team war zum frühen Saisonhöhepunkt in einem Zustand, wie er für ein erstes Pflichtspiel typisch ist, „da muss man noch den Rost abkratzen“. Das galt auch für Julius Jenkins, der in der ersten Halbzeit ohne Punkte blieb. Verunsichern ließ er sich davon nicht und traf in der entscheidenden Phase drei Dreipunktewürfe in Folge. Der Rost war ab.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben