Sport : Basketball-EM: Der lange Schatten des Dirk Nowitzki

Benedikt Voigt

Am Freitag entdeckte plötzlich auch der Fernsehsender RTL den Basketball. Zum ersten Mal seit dem Beginn der Europameisterschaft in der Türkei stand ein Kamerateam dieses Senders in der Abdi-Ipekci-Halle und filmte die deutsche Basketball-Nationalmannschaft beim Training. "Die haben sich heute noch um Akkreditierungen und um Bildrechte bemüht", berichtet Roland Geggus, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes. "Das Kamerateam hat RTL von der Formel 1 abgezogen."

Durch den Erfolg der Nationalmannschaft bei der EM erlebt Basketball in Deutschland gegenwärtig einen Aufschwung. Doch schon nach der EM wird es für den DBB schwierig, den Popularitätszuwachs zu vermarkten. Dafür müsste der Verband seine Spieler der Öffentlichkeit präsentieren, und das wird nicht einfach. Zwar hat das deutsche Team in Dirk Nowitzki den überragenden Star und Topscorer dieser Europameisterschaft in seinen Reihen. Doch Nowitzki, der auch in den USA ein gefragter Gesprächspartner der Medien ist, mag es gerne, wenn er seine Ruhe hat.

Ende September wird Nowitzki nach Dallas fahren. Für die Öffentlichkeit hinterlässt er eine Lücke, die kaum zu schließen ist. Das ist das Problem der Basketball-Bundesliga (BBL) - sie hat zu wenig Stars. Die wichtigsten Spieler der Nationalmannschaft spielen im Ausland. Ademola Okulaja wäre noch ein Kandidat für die Fernsehsender, doch der 25-Jährige, der bei der EM im Schnitt auf 14,2 Punkte kommt und sich zur einer Führungspersönlichkeit entwickelt hat, verdient sein Geld im Ausland beim FC Barcelona. Von den sieben Bundesligaspielern der Nationalmannschaft taugen vielleicht die beiden Youngsters Stefano Garris oder Robert Garrett als Teenie-Idole. Marko Pesic zieht noch das Interesse auf sich, weil er der Sohn von Svetislav Pesic ist. Ansonsten aber wird es schwierig, Spieler wie Mithat Demirel, Drazan Tomic, Stipo Papic oder Marvin Willoughby zu vermarkten.

Auch in der kommenden Saison wird die BBL in einer halben Stunde auf Sat 1 präsentiert. In der vorigen Saison profitierte die Sendung davon, dass sie unmittelbar vor der Bundesliga-Fußballsendung ran ausgestrahlt wurde. In der kommenden Saison liegt noch eine halbstündige Nachrichtensendung zwischen den beiden Sportformaten. Am 6. Oktober, wenn die Saison in der Basketball-Bundesliga startet, wird sich an den Quoten zeigen, ob die Popularität der Europameisterschaft in den Alltag hinüber gerettet wurde.

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