Sport : Basketball-EM: Deutschland Team tanzt

Benedikt Voigt

Als der letzte Türke auf den Schultern aus der Halle getragen war, lief die deutsche Basketball-Nationalmannschaft in den Abdi Ikpeci Sports Center in Istanbul ein. Aus den Lautsprechern hämmerte zum 67. Mal der EM-Song in Tinnitus erregender Lautstärke und die meisten der 10 553 Zuschauer feierten den dramatischen Einzug der Türkei ins Halbfinale der Europameisterschaft. Die deutsche Mannschaft konnte sich auf diese Weise schon einmal an die Atmosphäre gewöhnen, die sie im Halbfinale am Samstag (18 Uhr, live im DSF) gegen die Türkei erwarten wird. Dank einem überragenden Dirk Nowitzki, der 32 Punkte erzielte, stehen die deutschen Basketballer durch das 81:77 (35:41) über den Olympiazweiten Frankreich bei der Europameisterschaft unter den letzten vier Teams. Damit qualifizierte sich Deutschland auch für die Weltmeisterschaft 2002 in Indianapolis.

Als das deutsche Spiel begann, war die Arena nur noch zu einem Fünftel gefüllt und die Stimmung vollkommen abgekühlt. Es war, als müsste die Halle nach dem atemberaubenden 87:85 nach Verlängerung der Türkei über Kroatien einmal tief durchatmen. Die beiden Viertelfinalisten schnauften mit und begannen sehr verhalten. Nach zahlreichen Fehlschüssen auf beiden Seiten fielen die ersten Punkte erst nach drei Minuten für die Franzosen. Es entwickelte sich eine Partie, der die Emotionen fehlten. Die Mannschaft von Bundestrainer Henrik Dettmann versuchte zunächst, den Anschluss zu halten. Nach dem ersten Viertel lag sie mit 12:17 in Rückstand.

Außerdem musste das Team mit dem Problem zurechtkommen, dass Dirk Nowitzki bereits nach fünf Minuten zwei Fouls kassiert hatte und auf die Ersatzbank gesetzt wurde. Im zweiten Viertel brachte Dettmann den Topscorer des Turniers wieder und prompt führte der NBA-Spieler, der zur Halbzeit 12 Punkte erzielt hatte, sein Team wieder auf 26:27 (16.) heran. Doch die Franzosen nutzten ihre Reboundüberlegenheit in der ersten Halbzeit (Frankreich 20, Deutschland 10), um ihre Führung zu behaupten. Selbst ein spektakulärer Dunking von Ademola Okulaja, der einen Rebound in der Luft mit einer Hand durch den Korb stopfte, konnte sein Team nicht aufwecken. Zur Halbzeit lag es 35:41 im Rückstand.

Mit der zweiten Halbzeit kamen etwas mehr Emotionen ins Spiel. Dirk Nowitzki führte sein Team mit zwei Dreipunktewürfen heran: 41:43 (27.). Zwar konnten die Deutschen jetzt besser rebounden, doch Aufbauspieler Mithat Demirel hatte Probleme den Ball zu seinen Mitspielern zu bekommen. Dettmann beorderte Marko Pesic auf die Spielmacherposition, und prompt verbesserte sich das deutsche Spiel. Ein erneuter Dreipunktewurf Nowitzkis brachte das deutsche Teams nach 26 Minuten erstmals in Führung: 48:47.

Es kam noch besser. Mit einer 12:2-Serie, darunter sieben Punkte von Pesic, setzte sich das deutsche Team vor dem letzten Viertel mit 60:49 etwas ab. Doch die Franzosen kamen mit drei Dreipunktewürfen wieder auf vier Punkte heran (33.). Patrick Femerling und Dirk Nowitzki mit seinen Punkten 29 und 30 verschafften ihrer Mannschaft wieder etwas Abstand. Stefano Garris warf einen wichtigen Dreipunktewurf zum 73:63. Doch nach dem fünften Foul von Ademola Okulaja verkürzten die Franzosen auf 77:70. Es folgten die dramatischen letzten 90 Sekunden. Mit einer Mannpresse eroberten sich die Franzosen dreimal den Ball und schafften den Ausgleich. Dirk Nowitzki aber sicherte sich den entscheidenden Rebound und warf Deutschland 22 Sekunden vor dem Ende in 77:75 in Führung. Mithat Demirel stellte in den Schlusssekunden mit vier Freiwürfen den Endstand her. Am Ende tanzten die Deutschen im Mittelkreis.

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