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Basketball-EM : Deutschland verliert gegen Spanien

Olympia rückt in weite Ferne für die deutschen Basketballer. Bei der EM in Litauen verlor das Team um Dirk Nowitzki trotz engagierter Leistung zum Auftakt der Zwischenrunde gegen Spanien 68:77.

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Dirk Nowitzki versucht alles, doch die Spanier um Pau Gasol sind am Ende zu stark für das deutsche Team.
Dirk Nowitzki versucht alles, doch die Spanier um Pau Gasol sind am Ende zu stark für das deutsche Team.Foto: dpa

Dirk Bauermann spricht gerne in Bildern. Zuletzt hatte der Basketball-Bundestrainer gefordert, alle seine Spieler müssten ihr Herz auf das Spielfeld werfen, wie es der deutsche Superstar Dirk Nowitzki stets zu tun pflegt. Bei der Vorrunde der Europameisterschaft in Litauen hatte Bauermann diesen bedingungslosen Einsatzwillen noch vermisst, beim Zwischenrunden-Auftakt gegen Spanien aber hatte das deutsche Team auf seinen 53-Jährigen Coach gehört. Erst nach großem Kampf mussten sich die Deutschen dem Titelverteidiger in Vilnius mit 68:77 (33:36) geschlagen geben. Damit muss das deutsche Team seine beiden verbleibenden Gruppenspiele gegen die Türkei am Freitag und gegen Litauen am Sonntag unbedingt gewinnen, um sich eine Chance auf das Viertelfinale zu bewahren. „Wir waren heute nah dran, aber als es darauf ankam, haben wir ein paar Fehler gemacht“, sagte Nowitzki. „Die Spanier haben immer wieder ihre Hände dazwischen bekommen, aber 16 Ballverluste sind einfach zu viel, um eine sehr gute Mannschaft zu schlagen.“

Die rund 5000 Zuschauer in der halbvollen Arena von Vilnius bekamen von Beginn an ein hart umkämpftes Spiel zu sehen. Chris Kaman begann stark, fiel dann aber in seine alte schlechte Angewohnheit zurück, aus der Mitteldistanz zu werfen, anstatt kraftvoll zum Korb zu ziehen. Ein kundiger deutscher Fan in der Halle fühlte sich deshalb schon früh berufen, an Bauermanns Stelle eine Anweisung aufs Feld zu brüllen: „Please go to the basket, come on Chris!“ Der angesprochene und seine Mitspieler hielten gegen den Turnierfavoriten gut mit. Obwohl Dirk Nowitzki erst nach knapp acht Minuten die ersten Punkte gelangen, hieß es nach dem ersten Viertel 15:16 aus deutscher Sicht.

Im zweiten Abschnitt setzten sich die Spanier zunächst mit einem 8:0-Lauf ab, das deutsche Team schien zu wackeln. Doch anders als bei den Vorrunden-Niederlagen gegen Frankreich und Serbien fingen sich die Deutschen wieder und konterten mit einer eigenen 9:0-Serie. Mit dem Halbzeitstand von 33:36 konnte Bauermann einigermaßen zufrieden sein – genauso mit dem Fakt, dass Pau Gasol von den L.A. Lakers in der ersten Hälfte ohne Punkt geblieben war. Sein jüngerer Bruder Marc allerdings, ebenfalls NBA-Profi bei den Memphis Grizzlies, war von den deutschen Spielern bis dahin überhaupt nicht zu stoppen gewesen und hatte 14 Punkte erzielt, am Ende waren es 24 Zähler. Zudem verpasste der „kleine“ Gasol-Bruder Marc – 2,15 Meter groß, rund 140 Kilogramm schwer – Nowitzki einen Ellbogenschlag, der Würzburger hielt sich auf dem Weg in die Kabine den schmerzenden Unterkiefer.

Zum Abschluss der Vorrunde hatte der spanische Trainer Sergio Scariolo den älteren der Gasol-Brüder gegen die Türkei noch wegen einer Knöchelverletzung geschont, auch gestern wirkte der 31 Jahre alte Pau zunächst noch gehemmt. Das änderte sich nach der Pause, Pau Gasol erzielte die ersten sechs Punkte für Spanien. Bauermanns Team hielt mit viel Kampfgeist dagegen: Der ansonsten oft indisponierte Steffen Hamann erzielte wichtige Punkte, besonders der in Angriff und Verteidigung unermüdlich rackernde Johannes Herber trug dazu bei, dass sich die Punktelücke zu den Spaniern wieder schloss. Die litauischen Zuschauer, die mit ihren grünen T-Shirts die zuvor recht leere Halle jetzt doch mehr und mehr füllten, honorierten diesen Einsatz und feuerten das deutsche Team an.

Inspiriert vom Publikum und ihrem Anführer Nowitzki, der erneut mit 19 Punkten bester Werfer der DBB-Auswahl war, blieben die Deutschen weiter dran. Das Herz war willig an diesem Mittwochabend, am Ende setzte sich aber die größere basketballerische Klasse und Erfahrung der Spanier durch: Während die deutschen im Angriff den Ball verloren oder überhastet abschlossen, die Gasol-Brüder zwangen die Deutschen zu Fouls, die entscheidenden Freiwürfe waren für die beiden NBA-Profis reine Routine.

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