Basketball-EM : Ehrendoktor der NBA

Der Franzose Tony Parker ist der beste Spieler in der US-Liga – heute spielt er gegen Deutschland. Und alle Anzeichen sprechen für ein Duell Parker gegen Nowitzki.

Benedikt Voigt[Madrid]
Tony_Parker Foto: dpa
Der Coach und sein Star. Frankreichs Nationaltrainer Claude Bergeau (li.) und Tony Parker. -Foto: dpa

Als Dirk Nowitzki am Freitag um kurz vor elf Uhr in der Turnhalle Triangolo d' Oro zum ersten Mal Tony Parker auf dem Trainingsfeld entdeckt, beschwert er sich. Grinsend geht der deutsche Basketballstar auf den Franzosen zu, klatscht ihn herzlich ab und scherzt: „Wo ist eigentlich die Einladung zu deiner Hochzeit geblieben, die muss irgendwo in der Post verloren gegangen sein?“ Tony Parker lacht.

Die Turnhalle, in der im Minutentakt kleine Staubknäuel von der Decke segeln, war nicht gerade ein würdiges Ambiente für das erste Aufeinandertreffen der beiden aktuell besten Basketballspieler der Welt. Das ändert sich heute, wenn die Stars aus der nordamerikanischen Profiliga NBA mit ihren Nationalteams in der Zwischenrunde der Europameisterschaft in der Telefonica Arena Madrid auf dem Spielfeld aufeinander treffen werden (16.30 Uhr, live im DSF). Deutschland spielt gegen Frankreich, doch es vor allem wird es ein Duell Dirk Nowitzki gegen Tony Parker werden. Der Deutsche führt die Scorerliste der EM mit durchschnittlich 29 Punkten an, der Franzose folgt ihm mit 25,7 Punkten. „Die werden sich ein Shootout liefern“, glaubt der deutsche Nationalspieler Robert Garrett. Bundestrainer Dirk Bauermann übte verstärkt die Zonenverteidigung, um die Kreise des 1,86 Meter großen französischen Aufbauspielers einzuschränken. „Man kann Tony Parker nicht mit einem einzigen Verteidiger stoppen“, sagt Bauermann.

Beiden NBA-Stars ist zuletzt eine große Ehre zuteil geworden. Der 29-jährige Nowitzki, der bei den Dallas Mavericks spielt, ist in der vergangenen Saison zum wertvollsten Spieler der regulären NBA-Saison gewählt worden, der 25-jährige Parker wurde zum wertvollsten Spieler der NBA-Finalserie gekürt. Als Nowitzki ihn am Freitagmorgen begrüßte, rief er: „Hey, MVP.“ Der Titel des Franzosen dürfte wertvoller sein, da dessen herausragende Leistung den San Antonio Spurs den Meistertitel brachtet. Es war bereits Parkers dritter NBA-Titel. „Klar bin ich darauf neidisch“, sagt Nowitzki.

Nicht nur die fehlenden Meisterschaftsringe unterscheiden Nowitzki von seinem heutigen Gegner. „Parker ist eher der Glamourtyp“, sagt Nowitzkis Mentor Holger Geschwindner. Am 7. Juli hat der Franzose die US-amerikanische Schauspielerin Eva Longoria geheiratet, die in der Fernsehserie „Desperate Housewives“ mitspielt. Nun taucht Tony Parkers Leben auch in den Klatschspalten der Zeitschriften auf. Auch die „Bunte“ versuchte sich an einem Kurzbericht über seine Hochzeit in Paris, allerdings verunglückte die Bildunterschrift, weil der Autor aufgrund des amerikanischen Namens annahm, Parker hätte das Französisch des Standesbeamten nicht verstanden. Tatsächlich ist er in Paris aufgewachsen und erst mit 19 Jahren nach San Antonio gewechselt. Parker ist der Sohn einer holländischen Mutter und eines amerikanischen Basketballprofis, der später die französische Staatsbürgerschaft angenommen hat.

In San Antonio hat der Aufbauspieler das Glück, in Tim Duncan und Manu Ginobili exzellente Basketballer neben sich zu wissen. „In der Nationalmannschaft muss er anders spielen“, sagt Geschwindner, „da hat er keinen Duncan.“ Zwar spielen die Franzosen Boris Diaw, Ronny Turiaf und Mickael Gelebale ebenfalls in der NBA, trotzdem muss Parker mehr Verantwortung übernehmen. „Sein Vorteil ist, dass er als Aufbauspieler den Ball die meiste Zeit in den Händen hat“, sagt Geschwindner. Nowitzki muss sich den Ball als Power Forward oft erst erkämpfen.

Heute trifft Parker erstmals seit der EM 2001 in einem wichtigen Turnier auf Nowitzki. „Ich bin sicher, dass er besonders motiviert sein wird, gegen mich zu gewinnen“, sagt Tony Parker, „es ist seine letzte Chance mit der Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen zu kommen.“

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