Update

Basketball-EM in Berlin : Dirk Nowitzki bangt nach Pleite um Einzug in K.-o.-Phase

Für die deutschen Basketballer um Dirk Nowitzki könnte die EM zur großen Enttäuschung werden. Nach der Niederlage gegen die Türkei steht das Team unter großem Druck.

von
Dirk Nowitzki und die deutschen Basketballer stehen nach der Niederlage gegen die Türkei unter Druck. Foto: dpa
Dirk Nowitzki und die deutschen Basketballer stehen nach der Niederlage gegen die Türkei unter Druck.Foto: dpa

Chris Fleming versuchte alles. Der Trainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft gestikulierte an der Seitenlinie, er wechselte aus und er wechselte ein, er nahm Auszeiten und stellte die Verteidigung seiner Mannschaft immer wieder um. Das Problem war nur – nichts funktionierte. Der 45-Jährige musste mit ansehen, wie das deutsche Team gegen die Türkei am Dienstag äußert schwach startete, in Rückstand geriet – und sich davon nie mehr erholte. Nach zwei Minuten stand es 0:9, kurz darauf 4:15, dann sogar 8:29, nach dem ersten Viertel lagen die Deutschen mit 20 Punkten zurück. Am Ende ihres dritten Gruppenspiels bei der EM in Berlin kassierten die Deutschen folgerichtig ihre zweite Niederlage, durch das 75:80 (24:41) steht die Mannschaft nun unter immensem Druck.

Flemings Team muss am heutigen Mittwochabend (17.45 Uhr, live in der ARD) wohl Italien schlagen, um sich die Chance auf den Einzug in die K.-o.-Phase zu erhalten. Im abschließenden Gruppenspiel am Donnerstag wartet der hohe Favorit Spanien, der allerdings am späten Abend den Italienern mit 98:105 (45:42) unterlag.

Im ersten Dienstagsspiel der Gruppe B hatte Serbien Außenseiter Island mühelos mit 93:64 (42:31) abgefertigt.

Die ersten Treffer des Gegners schockten die Deutschen

„Die ersten zwei Minuten haben uns das Spiel gekostet“, sagte Fleming. „Wir waren wie ein Schneeball, der den Hügel runterrollt – nicht aufzuhalten.“ Das deutsche Team wirkte überrascht von der Intensität und dem Selbstbewusstsein, mit dem das türkische Team ins Spiel startete.

Die deutschen Gegner bei der Basketball-EM
Dirk Nowitzki will mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft in der Vorrunde der EM bestehen. In Berlin trifft er auf Island, Serbien, Italien, Spanien und die Türkei. Foto: dpa Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: dpa
04.09.2015 18:51Dirk Nowitzki will mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft in der Vorrunde der EM bestehen. In Berlin trifft er auf...

Die ersten Treffer des Gegners schockten Flemings Spieler, im Angriff der Deutschen lief nichts zusammen, bis zur Halbzeit trafen die Deutschen nur einen Dreipunktewurf – bei 15 Versuchen. „Wir haben kein Wurfproblem, wir hatten am Anfang ein Bereitschaftsproblem“, sagte Fleming. „Warum waren wir nicht bereit? Das ist die entscheidende Frage.“

Eine Antwort fand nach dem Spiel niemand im deutschen Lager. Auch Dirk Nowitzki nicht, der zwar 15 Punkte erzielte, seine Mitspieler aber auch nicht mitreißen konnte. „Wir haben zu spät reagiert – und dann hat es immer schon geklingelt“, sagte Nowitzki. Auch sein Co-Mannschaftskapitän Heiko Schaffartzik suchte die Schuld für die Niederlage in der Leistung der eigenen Mannschaft. „Das Loch, das wir uns selbst gebuddelt haben, wurde immer tiefer“, sagte Schaffartzik. Nachdem sie Phlegma und Schock der Anfangsphase abgeschüttelt hatten, taten die deutschen Basketballer ihr Bestes, um aus diesem Loch herauszuklettern. Doch jedes Mal, wenn sie den Kopf über den Rand steckten, hatte das türkische Team die richtige Antwort.

Bester deutscher Werfer war NBA-Profi Schröder

Bereits in der EM-Vorbereitung beim Super-Cup Hamburg hatte sich das deutsche Team von den Türken überrennen lassen, nach einem 24-Punkte-Rückstand reichte es aber noch zu einem knappen Sieg. Auch gestern Abend kämpfte sich Flemings Mannschaft heran. Im dritten Viertel war der Rückstand kurzzeitig auf zehn Punkte geschmolzen, der entscheidende Lauf sollte aber nicht gelingen, die Türkei zog wieder davon. Erst zwei Minuten vor Schluss wurde es noch einmal eng, Dennis Schröder brachte Deutschland auf sieben Punkte heran, die deutschen Fans unter den 13 050 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof wurden noch einmal richtig laut. Doch die türkische Mannschaft punktete im Gegenzug, ihr rot-weißer Fanblock skandierte „Auf Wiedersehen“.

Das Spiel war endgültig entschieden. Bester deutscher Werfer war NBA-Profi Schröder mit 24 Punkten, fünf Rebounds und sechs Assists. Diese Zahlen täuschen allerdings darüber hinweg, dass der 21-Jährige mit zahlreichen Ballverlusten maßgeblich an der grausamen Anfangsphase beteiligt war. „Ich muss aggressiver sein, das geht halt nicht“, sagte Schröder. „Da muss ich besser werden.“

Gegen Italien wird Fleming einen konzentrierteren Schröder brauchen – und erwartet das auch von seinem Spielmacher, wie er deutlich sagte.

Der deutsche Bundestrainer hatte am Dienstagabend allerdings noch überhaupt keine Lust, auf den nächsten Gegner zu blicken. „Italien ist für mich jetzt uninteressant“, sagte Fleming grimmig. „Wir müssen uns um Deutschland kümmern.“

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben