Basketball-EM in Deutschland : Anton Gavel: Wenn Identifikation zur Ware wird

Der gebürtige Slowake Anton Gavel will bei der Basketball-EM für Deutschland spielen. Das versucht sein Heimatland zu verhindern. Unser Autor kann diese Haltung nachvollziehen.

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Anton Gavel spielt in der Basketball-Bundesliga für den FC Bayern München.
Anton Gavel spielt in der Basketball-Bundesliga für den FC Bayern München.Foto: dpa

Als sich der Basketballer Chris Kaman mit dem deutschen Nationalteam auf die EM 2011 vorbereitete, sagte er nach seiner Ankunft in Berlin: „It feels good to be home.“ Eine Zuhörerin bekam daraufhin einen Lachanfall. Das Deutscheste an dem US-Amerikaner aus Michigan waren noch seine Urgroßeltern, denen er die Einbürgerung verdankt hatte.

Bei Anton Gavel ist es ein anderer Fall. Der gebürtige Slowake kam mit 15 Jahren nach Karlsruhe, machte hier das Abitur, reifte zum Leistungsträger bei Bayern München und soll nun für Deutschland spielen, bei der EM im September in Berlin. Doch die Slowakei verweigert ihm nun die Freigabe, weil er nach dem 17. Geburtstag Länderspiele für sein Heimatland bestritt, die letzten erst vor zwei Jahren.

Ob sich der Doppelpassbürger Gavel als Slowake, Deutscher oder beides fühlt, das sei in einer globalisierten Welt jedem selbst überlassen. Beim Wechsel von Nationalteams aber sollte die Fiba restriktiv vorgehen, wenn der Weltverband diese Woche über eine Ausnahme entscheidet, „im Interesse der Entwicklung des Basketballs in diesem Land“. Abgesehen davon, dass Gavel mit 30 Jahren weder ein Hoffnungsträger noch ein sportlicher Überflieger wie Dirk Nowitzki ist – eine Aufweichung der Regel wäre das falsche Signal.

Die USA dominieren weltweit den Basketball, bereits jetzt besetzen viele Nationalteams den einen Platz für eingebürgerte Spieler, den die Fiba erlaubt, mit Amerikanern. Wenn diese neben den Klubs auch noch beliebig und meistbietend die Nationalität wechseln können, ist es endgültig vorbei mit der Identifikation, sie wird zur Ware. Wie im Handball, dort kaufte sich Katar ein Nationalteam zusammen. Nationalspieler repräsentieren auch das Sportsystem, das sie ausgebildet hat, und stimulieren so die Nachwuchsarbeit.

Im echten Leben sollte man niemanden zwingen, sich für ein Heimatland zu entscheiden. Hält man es im Sport so, ergeben Nationalteams keinen Sinn mehr.

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