Basketball-EM : Nowitzki im Dauereinsatz

Dirk Nowitzki überragt beim 83:78 der Basketballer zum EM-Start gegen Tschechien. Das Spiel aber entschied ein anderer.

Benedikt Voigt
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Pass oder Wurf? Dirk Nowitzki zeigte bei beiden Optionen seine Klasse. -Foto: AFP

Palma de MallorcaAn der Rubrik „Minuten“ bei Dirk Nowitzki lässt sich leicht ablesen, wie spannend ein Spiel der deutschen Basketball-Nationalmannschaft gewesen ist. Gestern standen in seiner Statistik 43:27 Minuten verzeichnet. Das bedeutet, dass es im ersten Vorrundenspiel bei der Europameisterschaft in Spanien eine Verlängerung gegeben haben muss und der deutsche NBA-Star lediglich 93 Sekunden auf der Bank verbracht hatte. In dieser Zeit war Nowitzki beim dramatischen 83:78 (74:74, 25:31)-Erfolg der deutschen Mannschaft gegen Tschechien mit 35 Punkten und elf Rebounds zwar bester Spieler. Das Spiel aber entschied ein anderer: Mithat Demirel.

„Einer musste ja mal reinkommen und ein bisschen Feuer machen“, sagte Nowitzki, „wir wissen alle, dass er mit allen Wassern gewaschen ist.“ Demirel, der noch keinen Verein für die neue Saison hat, übernahm zum Ende des dritten Viertels die Verantwortung und erzielte insgesamt 18 Punkte. „Er war heute unser X-Faktor“, sagte Ademola Okulaja. Der Erfolg dürfte dem deutschen Team zumindest in die Zwischenrunde helfen. „Man hat uns den zentnerschweren Druck angemerkt“, sagte Bundestrainer Dirk Bauermann, „wir mussten das Spiel gewinnen, um in die nächste Runde zu kommen.“ Bereits heute im zweiten Vorrundenspiel gegen die Türkei (20.30 Uhr/live im DSF) dürfte ihn noch ein deutlich schwierigeres Spiel erwarten.

In der ersten Halbzeit lief das deutsche Team fast ständig einem Rückstand hinterher. In der Offensive wehrte sich einzig Nowitzki, der zur Halbzeit 14 von 25 deutschen Punkten erzielt hatte. „Wir waren in der ersten Halbzeit nicht zurechnungsfähig“, sagte Okulaja. Daran änderte sich auch nach der Pause lange Zeit nicht viel, die deutsche Mannschaft hatte nur ein einzige Konzept parat: Den Ball zu Dirk Nowitzki. Das war zu wenig, der Rückstand des deutschen Teams betrug zeitweilig bis zu acht Punkte.

„Pack doch zu Warrior“, schrie ein deutscher Fan, als Okulaja einen Rebound verlor. Dann übernahm der mit 1,80 Meter kleinste deutsche Spieler. Demirels Dreipunktewurf zum 42:43 weckte die rund 700 deutschen Fans in der Halle „Velodromo“ in Palma de Mallorca und sein Team auf. „Jetzt geht’s los“ riefen die Fans. Demirel war erst spät ins Spiel gekommen, Bauermann hatte zunächst Steffen Hamann und Pascal Roller bevorzugt. Doch beide blieben schwach, weshalb der Bundestrainer auf Demirel setzte. „Mir war klar, dass die Mannschaft ein Energiebündel braucht, er hat seine Aufgabe sensationell gut erfüllt“, sagte Bauermann.

Plötzlich hatte das deutsche Team einen neuen Spielzug: Demirel zog zum Korb und suchte dann den freien Mitspieler oder machte die Punkte gleich selber. Auch lohnte sich die Hereinnahme von Jan Jagla für den indisponierten Patrick Femerling. Zu Beginn des vierten Viertels hatte das deutsche Team die Führung (46:44) zurückerobert. Doch es blieb spannend bis in die Schlusssekunden.

Weil Demirel zweimal in der Schlussminute nur einen von zwei Freiwürfen traf, konnten die Tschechen ausgleichen. Erst in der Verlängerung sollte sich das Spiel entscheiden. Darin mussten die Tschechen auf den überragenden Jiri Welsch verzichten, der 22 Punkte erzielt hat, aber dann sein 5. Foul beging. In der Verlängerung begann Demirel beim Stand von 79:78 auch beide Freiwürfe zu treffen. „Das waren die schönsten“, sagte er. Dirk Nowitzki wirkte verärgert, ob des mühevollen Erfolgs. „Heute hat vieles nicht gepasst“, sagte er, und freute sich anschließend auf die Behandlung durch die medizinische Abteilung. Es galt, 43:27 Minuten aus seinem ausgelaugten Körper wieder rauszumassieren.

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