Sport : Basketball-EM: Schwerer als 1993

Benedikt Voigt

Lange konnten die Fenster im Presseraum der Abdi-Ipekci-Halle von Istanbul nicht offen gelassen werden. Kurz nach dem Beginn des Finalspiels versuchten drei türkische Basketballfans durch eine schmale Öffnung in das Souterrain einzusteigen. Erst im letzten Moment entdeckten die Damen von der Pressebetreuung die Eindringlinge und schmissen sie wieder hinaus. "Ab jetzt nicht mehr rauchen", bat eine Betreuerin die Journalisten und schloss alle Fenster. Auch die Ausgänge wollten die Ordner während des Finales nicht öffnen. Sie hatten Angst, dass Fans ohne Karten in die mit 10 553 Zuschauern überfüllte Halle stürmen.

Noch mehr als in Deutschland begeisterten sich die Türken für die Basketball-Europameisterschaft im eigenen Lande. Doch sie erlebten am Ende nicht den erhofften ersten Titelgewinn ihres Landes sondern den Triumph des jugoslawischen Trainers Svetislav Pesic. Mit 78:69 (38:40) gewann seine Starbesetzung das Finale gegen die Türkei. Nach dem Erfolg 1993 mit der deutschen Nationalmannschaft war es Pesics zweiter Europameisterschaftstitel. "Dieses Mal war es schwieriger", sagte der 52-Jährige, "damals hatte ich sechs Jahre Zeit, die Mannschaft vorzubereiten." In diesem Jahr konnte Pesic nur sechs Wochen mit der jugoslawischen Nationalmannschaft arbeiten.

Erleichtert lachte der Vater des deutschen Nationalspielers Marko Pesic am Sonntag um Mitternacht vom Podium. Er hatte im Januar eine schwierige Aufgabe übernommen, bei der er nur verlieren konnte. "In Jugoslawien zählt nur der erste Platz", sagte Pesic, "alles andere kommt nicht in Frage." Nun coachte der zukünftige Trainer des Bundesliga-Neulings Rhein Energy Cologne die Basketballnation zum dritten Europameistertitel seit 1991. Im Finale gegen die Türkei hatte sich der amtierende Weltmeister in den ersten drei Vierteln (58:57) schwer getan. Dann zeigte sich die Klasse der Jugoslawen. "Wir hatten Predrag Stojakovic und Dejan Bodiroga gut im Griff", sagte der türkische Trainer Aydin Örs, "aber Vlado Scepanovic hatten wir überhaupt nicht auf der Rechnung." Der Aufbauspieler von Partizan Belgrad hatte in den Spielen zuvor eine untergeordnete Rolle gespielt. Und entschied dann das Finale mit 19 Punkten. Diese Aus geglichenheit ist die große Stärke des neuen Europameisters. "Wenn einer nicht gut spielt, springt immer ein anderer ein" erklärte der jugoslawische Mannschaftskapitän Bodiroga.

Das Ergebnis der Europameisterschaft dürfte in Köln mit Freude aufgenommen werden. Neben Trainer Pesic wird in der kommenden Saison auch Aufbauspieler Sasa Obradovic für den Bundesliga-Neuling spielen. Beide kehren mit einer Goldmedaille aus der Türkei zurück und nehmen nun in der Bundesliga die nächste Aufgabe in Angriff: Den fünfmaligen Meister Alba Berlin ärgern.

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