Sport : Basketball-EM: Zeit der Schlaflosigkeit

Benedikt Voigt

Für Henrik Dettmann bricht morgen die Zeit der Schlaflosigkeit an. Nicht sofort, denn der Bundestrainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft hat unter normalen Umständen kein Problem, seine Nachtruhe zu finden. "Aber nach einem Spiel schlafe ich immer schlecht", sagt Dettmann. Weshalb dem Finnen nun einige schlaflose Nächte bevorstehen. Inklusive Vorbereitung bestreitet seine Mannschaft in den kommenden zwei Monaten mindestens 15 Spiele.

Ab morgen bereitet sich die deutsche Nationalmannschaft in Vierumäki, Finnland, auf die Europameisterschaft in der Türkei vor (31. August bis 9. September, alle deutsche Spiele live im DSF). Mit 20 Spielern (siehe Seite 21) geht Henrik Dettmann in dem südfinnischen 500-Menschen-Ort in Klausur. "Die Bedingungen sind dort ideal", sagt der Trainer. Vier Mann teilen sich eine Blockhütte. "Natürlich mit Sauna, oder haben Sie schon einmal eine finnische Blockhütte ohne Sauna gesehen?", fragt Dettmann. Allerdings werden vier Nationalspieler eine finnische Sauna nicht zu sehen kriegen: Henrik Rödl und Jörg Lütcke von Alba Berlin sowie Dirk Nowitzki und Shawn Bradley von den Dallas Mavericks.

"Ich hoffe, dass ich bei der EM dabei sein kann", sagt Rödl, "aber ich bin frühestens in vier Wochen fit." Der 32-Jährige hatte sich nach der Saison am rechten Fuß einen Fersensporn entfernen lassen. Die Verletzung hatte ihn schon die ganze Saison über behindert. Dettmann will den Kapitän von Alba Berlin dennoch mit zur Europameisterschaft nehmen. "Sagen wir es so: lieber nicht ohne Rödl", erklärt der Bundestrainer. Genauso bei Jörg Lütcke. Der Flügelspieler musste sich nach der Saison operieren lassen, nun befindet er sich in der Rehabilitation. "Er kann vielleicht in ein paar Wochen anfangen", berichtet Dettmann.

Anders verhält es sich mit den beiden NBA-Profis Dirk Nowitzki und Shawn Bradley. Mit Nowitzki, der eine kräftezehrende Saison hinter sich hat, ist vereinbart, dass er am 15. August zur Mannschaft stößt. Zuletzt befand sich der Power Forward wegen einer Zahnbehandlung in Dallas. Am kommenden Samstag wird er sich bei einem Streetballturnier in Berlin zeigen, während seine Nationalmannschaftskollegen zur gleichen Zeit schon durch südfinnische Wälder joggen. Am schwierigsten aber ist der Fall Shawn Bradley. Weil der US-amerikanische Centerspieler in Landstuhl geboren ist, versucht der Deutsche Basketball-Bund (DBB) ihn noch vor der EM einbürgern zu lassen. Auf der Meldeliste steht der Defensivspezialist bereits, nun müssen dem Basketball-Weltverband Fiba spätestens 72 Stunden vor EM-Beginn alle Unterlagen vorliegen. "Ich kenne den jüngsten Stand des Einbürgerungsverfahrens nicht", sagt Dettmann, "das machen andere." Zuständig ist er jedoch für das Ziel bei der EM. "Eine schwierige Frage", findet er, "elf bis zwölf Mannschaften können eine Medaille holen." Darunter sei auch sein Team.

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