Basketball-Endspiel : Finalist Oldenburg: Das Ende des Individualismus

Oldenburgs Basketballer treffen heute im zweiten Play-off-Endspiel auf Bonn. Mit ausgeprägtem Teamgedanken sind sie zu einem Titelkandidaten geworden.

Claus Spitzer-Ewersmann[Oldenburg]
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Oldenburgs Gehirn. Jason Gardner (r.) gegen Bonns Johannes Strasser. Foto: dpa

„Hey! Challo! Jay, listen.“ Auf Serbokroatisch-Englisch redet Predrag Krunic in Auszeiten auf die Basketballer der EWE Baskets Oldenburg ein. „Oke, Mitjo, go out, bang! You understand?“ Natürlich kriegen sie mit, was Krunic von ihnen will, wenn er sie an den Spielfeldrand holt. Die Systeme sind bekannt, die Abläufe haben sich automatisiert. Da braucht es ohnehin gar nicht immer die Sprache, oft reicht ein kleiner Fingerzeig.

Und schließlich haben sie ja Jason Gardner. Der zum wertvollsten Spieler der Hauptrunde der Basketball-Bundesliga (BBL) gewählte Amerikaner ist das Gehirn im Spiel der Niedersachsen, die erstmals Deutscher Meister werden können. Dass das erste Finalspiel gegen Bonn in eigener Halle 72:74 verloren wurde, bereitet den Oldenburgern wenig Kummer: Gardner hatte einen schlechten Tag. Aber mehr als einen im Monat genehmigt er sich selten. Bonns Coach Michael Koch weiß das. „Jason wird wiederkommen, ich kenne ihn“, sagt er. Gardner hat ein Jahr unter Koch trainiert, dann zog es ihn vom Rheinland in den Nordwesten. Heute (21 Uhr, live bei Eurosport) sehen Gardner und Koch sich beim zweiten Finalspiel der Best-of-five-Serie in Bonn wieder.

Die Verpflichtung des mit 1,78 Metern kleinsten BBL-Akteurs war ein Glücksgriff, ebenso wie die von Krunic. Beide kamen zur Spielzeit 2007/08 und markieren den Wendepunkt im Oldenburger Basketball. Krunics Vorgänger Don Beck hatte es mit College-Spielern versucht, die vor allem darauf bedacht waren, selbst gut auszusehen. Nachdem 2007 die Play-offs verpasst worden waren, machten die Oldenburger dem Spiel der Individualisten ein Ende. „Man war mit der Art, wie gespielt wurde, nicht zufrieden“, erinnert sich Krunic. Der Bosnier gilt als Verfechter des Teamplays. „Die Mannschaft ist alles, der Einzelne zählt sehr wenig. Danach müssen sich alle richten“, sagt er.

In der 160 000-Einwohner-Stadt kommt die Philosophie des 41-Jährigen gut an. Basketball verfügt hier über eine lange Tradition. Der Oldenburger Turnerbund, aus dem die Baskets hervorgingen, gehörte 1966 zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga. In der Folge gab es ein stetiges Auf und Ab, seit 2000 ist der Klub ununterbrochen erstklassig. Vor einem Jahr, in Krunics erster Saison, erreichte das Team das Play-off-Halbfinale und unterlag dort Alba Berlin 1:3.

Dieses Jahr sind die Oldenburger noch weiter gekommen, für die Finalspiele ist die Halle mit ihren 3148 Plätzen aber viel zu klein: Für jedes Finalspiel hätte man mehr als 10 000 Karten verkaufen können. Die Begeisterung hat auch damit zu tun, dass es mit Fußball in der Universitätsstadt nicht weit her ist. Der VfB Oldenburg verharrt in den Niederungen der fünften Spielklasse, gerade wurde wieder der Aufstieg verpasst. Und so darf sich der Verein weiter mit Teams aus Bavenstedt, Oythe und Ramlingen-Ehlershausen abplagen. Den Basketballern dagegen würden als Deutscher Meister in der Europaliga Gegner wie Barcelona, Moskau und Athen winken.

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