Basketball : Erst pöbeln, dann belegen

Helen Ruwald erkennt den Medienprofi im Basketball-Bundestrainer.

Helen Ruwald

Man stelle sich vor, Bundestrainer Dirk Bauermann hätte die Statistiken, die der Deutsche Basketball Bund gestern verbreitete, schon am Wochenende vorgetragen, sachlich und in höflichem Tonfall. Demnach haben die Deutschen in der Bundesliga an der Spielzeit nur einen Anteil von 16 Prozent, Amerikaner kommen auf 68 Prozent. In Spanien und Griechenland spielen die einheimischen Profis deutlich mehr – 36 und 50 Prozent. Hätte Bauermann das alles nüchtern erzählt, seine alarmierenden Zahlen hätten es allenfalls ins Kleingedruckte der Nachrichtenspalten gebracht. Mit seiner vorgeschalteten Provokation („Hier stehen amerikanische Spieler unter Vertrag, die sonst in den USA im Supermarkt Kisten schleppen würden“) hat er sich dagegen riesige Aufmerksamkeit gesichert.

„Flapsig und dumm“ sei sein polemisches Statement über die US-Profis gewesen, sagt Bauermann jetzt. Doch der Medienprofi wird gewusst haben, dass nur so Dynamik in die Diskussion über die Quotenregelung kommt. Derzeit müssen drei von zwölf Spielern im Kader einen deutschen Pass besitzen, in der kommenden Saison sind es vier. Bauermann fordert radikalere Änderungen und eine 6+6-Regelung. Auch wenn er mit seinem Vorstoß einige Vereine und die BBL-Spitze gegen sich aufgebracht hat – mangelnde Kenntnis der Nöte der Klubs kann man ihm nicht vorwerfen: Von 1989 bis 2008 war Bauermann fast ununterbrochen Trainer in der BBL. Seine Priorität ist klar: Als Bundestrainer macht er sich vor allem Sorgen um die Nationalmannschaft. Mit dem Nachschieben der Fakten hat er nun bewiesen, kein Dampfplauderer zu sein.

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