Basketball-Euroleague : Alba verpasst Überraschung gegen Real

Albas Trainer Pavicevic hatte sein Team gewarnt: Gegen Real Madrid darf man nicht unaufmerksam sein. Sie waren es trotzdem, büßten ihren Halbzeitvorsprung ein und verloren - hauchdünn.

Lars Spannagel
Jenkins Alba
Julius Jenkins (M.) erzielte 21 Punkte für die Berliner. -Foto: dpa

BerlinRashad Wright stand an der Freiwurflinie, kaum mehr als zehn Sekunden waren noch zu spielen. Mit zwei Treffern hätte Alba Berlins Aufbauspieler gegen Real Madrid zum 85:85 ausgleichen können - doch Wright versagten die Nerven. Wright vergab erst einen, dann den zweiten Freiwurf. Alba musste sich Real, der erfolgreichsten Mannschaft des europäischen Vereinsbasketballs, am Ende nach phasenweise begeisternder Leistung 84:87 (52:37) geschlagen geben.

Reals Trainer Joan Plaza hatte angekündigt, Alba besonders auf den großen Positionen wehtun zu wollen - dass der Ausfall von Patrick Femerling den Berlinern dort große Probleme bereitet, war selbstverständlich auch Madrids Coach nicht entgangen. Doch Alba hielt mit physischer Verteidigung und beim Kampf um die Rebounds dagegen und beendete das erste Viertel mit einer überraschenden aber verdienten 24:20-Führung. Mit soviel Entschlossenheit hatte Real anscheinend nicht gerechnet.

Noch viel weniger zu erwarten war aber, wie Alba im zweiten Viertel auftrat: Die Berliner verteidigten mit Hingabe und schienen im Angriff einfach nicht mehr daneben werfen zu können. Als Julius Jenkins einen Schnellangriff per Korbleger abschloss und Alba erstmals mit zehn Punkten in Führung brachte, riss es viele der 11.045 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof das erste Mal von den Sitzen. Die meisten blieben gleich stehen, denn Jenkins, Hamann und Jacobsen trafen Dreipunktewürfe, während Real nichts mehr gelingen wollte. Erst nach knapp fünf Minuten gelang den Spaniern der erste Korb aus dem Feld.

Fast perfekte erste Halbzeit für Alba

Das Publikum verabschiedete die Berliner mit donnerndem Applaus beim Halbzeitstand von 52:37 in die Kabine. Wie konzentriert Alba bis dahin aufgetreten war, zeigte die Tatsache, dass sich die Mannschaft nur einen einzigen Ballverlust geleistet und dafür 14 Assists verteilt hatte. Jenkins hatte bis zur Pause schon 17 Punkte erzielt, am Ende waren es 21. Allein dass Adam Chubb und Dragan Dojcin bereits mit drei Fouls belastet waren, trübte eine ansonsten nahezu perfekte erste Hälfte für Alba.

Aber Albas Trainer Luka Pavicevic hatte seine Mannschaft vor dem Spiel gewarnt: Schon ein kurzer Augenblick der Unaufmerksamkeit könne gegen Real reichen, um die Kontrolle über das Spiel zu verlieren. Und die Spanier zeigten, dass sie nicht gewillt waren, sich vom Außenseiter weiter vorführen zu lassen. Punkt für Punkt und mit guter Trefferquote arbeitete sich Real heran, nur noch zehn, acht, fünf Punkte betrug Albas Vorsprung, Dojcin, Chubb und Ansu Sesay begingen alle ihr jeweils viertes Foul.

Spanier hatten bessere Nerven

Ins letzte Viertel gingen die Berliner mit sechs Punkten Führung und einer äußerst bedenklichen Foulbelastung. Als Dojcin und Chubb mit ihren fünften Fouls auf die Bank mussten, nutzte Real die Größenvorteile immer konsequenter und cleverer aus. Insbesondere der spanische Nationalspieler Felipe Reyes setzte sich immer wieder in Korbnähe durch. Und am Ende hatten die Spanier auch aus der Distanz die besseren Nerven, so dass Rashad Wright mit zitternder an die Freiwurflinie trat.

Da Real Madrid am ersten Spieltag der Zwischenrunde der Europaliga den großen Rivalen FC Barcelona 85:83 besiegt hatte und am Donnerstagabend Tel Aviv im anderen Spiel der Gruppe F mit 65:85 in Barcelona unterlag, hätten alle vier Mannschaften bei einem Erfolg der Berliner einen Sieg und eine Niederlage auf dem Konto gehabt. Mit Wrights Freiwürfen vergab Alba am Donnerstag auch die Chance, sich als krassen Außenseiter im Rennen um die Plätze für das Viertelfinale zurückzumelden. Zumindest konnten die Berliner beweisen, dass sie ein ernstzunehmender Gegner auch für die besten Teams Europas sind.

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