Basketball-Euroleague : Sieg der Unerfahrenheit: Alba Berlin triumphiert in Athen

Dreißig Minuten lang sah es so aus, als müsse Alba Berlin bei Panathinaikos Lehrgeld zahlen. Doch dann gewannen die Berliner knapp gegen einen eigentlich reiferen Gastgeber. Nun fehlt noch ein Sieg gegen Tel Aviv, um Historisches in der Euroleague zu leisten.

Marvin Clignon
Alba-Sieg: Berliner Jubel nach dem Erfolg in Athen
Alba-Sieg: Berliner Jubel nach dem Erfolg in AthenFoto: EPA/Spyros Chorchoubas

12.500 Panathinaikos-Fans hielten den Atem an, als Antonis Fotsis Distanzwurf durch die Luft flog. Laut waren sie vierzig Minuten lang gewesen, doch nun verstummten sie: Der spielentscheidende Wurf von Fotsis sprang nur an den Ring und von da aus in die Hände von Jamel Mclean, der Berliner musste den Ball nur noch fest halten. Wenige Sekunden später stand für Alba Berlin ein vielleicht historischer Auswärtssieg fest. Durch das 68:66 (33:40) in Athen können die Berliner kommende Woche mit einem Heimsieg gegen Maccabi Tel Aviv als erstes deutsches Team überhaupt ins Viertelfinale der Euroleague einziehen.

Schneller Rückstand für Alba Berlin

Für die Gäste hatte die Begegnung allerdings denkbar schlecht begonnen. Bereits nach zweieinhalb Minuten sah sich Cheftrainer Sasa Obradovic gezwungen eine Auszeit zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt lag seine Mannschaft bereits mit 0:9 im Rückstand. Erst nach knapp vier Minuten erzielten die Berliner ihre ersten Zähler und kamen danach zunehmend besser ins Spiel. Besonders durch erfolgreiche Distanzwürfe verkürzte Alba immer mehr den Abstand und ging zum Schluss des ersten Viertels sogar mit 23:21 in Führung.

Eine Mischung aus Nervosität und aggressiver Verteidigung prägte beide Mannschaften auch im nächsten Viertel. Daraus resultierende Foulpfiffe und Ballverluste ließen die Begegnung weiterhin zerfahren wirken. Umstände, auf die sich Panathinaikos Athen zunehmend besser einstellen konnte: Sieben Punkte Vorsprung erspielten sich die Gastgeber zum Ende der ersten Halbzeit. Obwohl die Griechen nicht wesentlich besser spielten, zogen sie geschickt Fouls und zwangen Alba zu Fehlern im Angriff. „Man hat uns die fehlende Erfahrung angemerkt“, sagte Alba-Coach Sasa Obradovic.

Keine Hilfe aus Istanbul

Alba hätte sich eine Niederlage gegen Panathinaikos erlauben können, sofern Galatasaray Istanbul in Tel Aviv gewonnen hätte. Zur Halbzeitpause stand für die Berliner allerdings fest, dass sie  keine Schützenhilfe mehr erwarten konnten. Die Türken hatten ihr Spiel gegen Maccabi zu diesem Zeitpunkt gerade verloren.

Auswirkungen auf das Spiel in Athen hatte dies jedoch nur bedingt. Obwohl sich Panathinaikos Athen weiterhin viele Ballverluste und Fehlwürfe erlaubte: Alba erlaubte sich immer ein bisschen mehr. Zudem trafen die erfahrenen Spieler bei den Gastgebern, Antonis Fotsis und Dimitris Diamantidis, immer wieder wichtige Würfe und sorgten für einen komfortablen Vorsprung von neun Punkten.

Reggie Redding trifft in Serie

Wenig sprach vor dem letzten Viertel für die Berliner, die ihre Position als unerfahrenes europäisches Team bis dahin in dreißig Minuten bestätigt hatten. Mit acht Punkten in Serie brachte jedoch Reggie Redding die eigentliche Rollenverteilung völlig durcheinander. Plötzlich zog Alba die entscheidenden Fouls, auf einmal leisteten sich die Athener mehrere Fehlwürfe in Folge.

Enttäuschung bei Athens A.J. Slaughter nach der Niederlage gegen Alba Berlin
Enttäuschung bei Athens A.J. Slaughter nach der Niederlage gegen Alba BerlinFoto: EPA/Spyros Chorchoubas

Vier Minuten vor dem Ende gingen die Gäste, angeführt von Alex Renfroe (mit 16 Punkten bester Werfer bei Alba) erstmals wieder in Führung. In der Olympiahalle von Athen machte sich zunehmend Unruhe breit. Die knappe Führung konnte Alba bis zum Schluss halten, den entscheidenden Wurf bei Athen nahm statt einem der erfahrenen Spielern dann A.J. Slaughter - und scheiterte.

Nur noch ein Sieg in der Basketball-Euroleague nötig

Und auch nach dem Ertönen der Schlusssirene wirkten die Berliner plötzlich reifer: Sie feierten den so wichtigen Sieg verhalten. Denn sie wussten, dass sie im kommenden Spiel gegen Maccabi Tel Aviv noch ein letztes Mal gewinnen müssen.

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