Basketball-Europaliga : Albas perfekter Abend

Nach vier mageren Jahren kehrt Alba Berlin gegen Lottomatica Rom triumphal in die Europaliga zurück. Der Gegner war vor allem Albas Kampfgeist nicht gewachsen.

Lars Spannagel
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Mister Europacup. Immanuel McElroy.Foto: ddp

Einigermaßen angewidert blickte Jasmin Repesa auf den Zettel mit den Spielstatistiken. Gerade hatte der Trainer von Lottomatica Rom erlebt, wie seine Mannschaft zum Auftakt der Basketball-Europaliga von Alba Berlin mit 68:63 (35:40) niedergerungen worden war. Nun bekam er die Gründe für die Niederlage auch noch schwarz auf weiß präsentiert. „Alba hat gewonnen, weil sie den Sieg viel mehr wollten als wir“, sagte Repesa. „Um das zu erkennen, reicht ein Blick auf das Reboundverhältnis.“

Nicht nur Repesa zeigte sich beeindruckt davon, wie deutlich die Berliner den Kampf an den Brettern mit 38 zu 22 für sich entschieden. Angeführt von Immanuel McElroy (17 Punkte und neun Rebounds, sechs davon offensiv) und Adam Chubb (zwölf Punkte, acht Rebounds) griffen sich die Alba-Spieler nahezu jeden freien Ball. „Wenn man nur eine Hundertstelsekunde zögert, ist der Ball weg“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Wir haben heute nicht gezögert.“

Auch ohne Femerling, Herber und Jenkins ließ sich Alba nicht verunsichern

Am kommenden Donnerstag empfängt Fenerbahce Istanbul die Berliner zum zweiten Gruppenspiel, Baldi sieht der Partie mit der Gewissheit entgegen, einen „sehr, sehr guten Start“ hingelegt zu haben. „Es fühlt sich ganz anders an, wenn man mit einem 1:0 statt eines 0:1 nach Istanbul fährt.“ Nach mehr als vier Jahren ohne Europaliga hatte Alba am Donnerstag einen „perfekten Abend“ (Baldi) in der Arena am Ostbahnhof hingelegt.

Auch ohne die verletzten Patrick Femerling, Johannes Herber und den mit einer allergischen Reaktion zur Halbzeit ausgefallenen Julius Jenkins zeigten die Berliner gegen den italienischen Vizemeister, dass sie zurecht in der höchsten europäischen Spielklasse antreten. Alba ließ sich nicht verunsichern, weder als Jenkins nach zwei Vierteln in der Kabine bleiben musste, noch als Rom mehrere starke Zwischenspurts einlegte. „Wir haben immer dagegengehalten“, sagte Albas Sportdirektor Henning Harnisch. Besonders McElroy, der aufgrund von Jenkins’ Ausfall fast die gesamte Spieldauer über auf dem Feld stand, rangelte in der Defensive um jede Position und setzte sich immer wieder offensiv gegen die körperlich überlegenen Römer durch.

Roms Sani Becirovic verlor in der Schlussphase die Nerven

Auch die Kulisse von 12 491 Zuschauern – die größte bei einem Basketball-Europapokalspiel in Deutschland – war ein würdiger und vor allem ohrenbetäubend lauter Rahmen für ein bis zuletzt spannendes Spiel. „Ohne zu viel Pathos zu bemühen: Einige Zuschauer, die damals schon dabei waren, haben sich vielleicht an große und denkwürdige Spiele im Europapokal erinnert gefühlt“, sagte Harnisch. Baldi meinte sogar, das Berliner Publikum sei nach den vier mageren Jahren regelrecht „ausgehungert“ gewesen.

Ausgehungert oder nicht – die Zuschauer pfiffen, jubelten und tobten, wie es sich die Alba-Verantwortlichen bei ihrer Entscheidung für den Umzug an die Eastside-Gallery wohl vorgestellt hatten. Auch die Gäste ließen sich von der Kulisse beeindrucken: Als in der Schlussphase keine der beiden Mannschaften mehr traf, der Krach noch einmal anschwoll und die Spannung ihren Höhepunkt erreichte, verlor Roms erfahrener slowenischer Aufbauspieler Sani Becirovic die Nerven: Erst rannte er völlig unmotiviert Aleksandar Nadjfeji um und kassierte dafür ein Offensivfoul, im nächsten Angriff verfehlte er unbedrängt einen simplen Korbleger.

„In Spielen zwischen gleichwertigen Teams kommt es am Ende darauf an, wer 40 Minuten lang mental stärker und konzentrierter ist“, sagte Adam Chubb nach seinem bisher besten Spiel als Berliner. Er musste nicht hinzufügen, welches Team er an diesem Abend damit meinte.

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