Sport : Basketball: Geld für eine kleine Kriegskasse

Dietmar Wenck

Es ist wie immer vor dem ersten richtigen Spiel. Niemand weiß so recht, wo er steht. Nicht einmal Alba Berlin, der Deutsche Basketball-Meister, der in den vergangenen vier Jahren die Konkurrenz so beherrschte, weiß das. Neue Mannschaft, neuer Trainer, neue Spielregeln - "schwer zu sagen. Ich bin bloß froh, dass wir nicht in der französischen Liga spielen", gibt Mannschaftskapitän Henrik Rödl einen fröhlichen Kommentar ab. In Testspielen gegen Racing Paris SG, Le Mans und zuletzt gegen JDA Dijon wurde jeweils verloren, allerdings immer knapp.

Dass es in der Bundesliga auch knapper zugehen wird als in der vergangenen Saison, als Alba in 36 Runden- und Play-off-Spielen nur dreimal unterlegen war, darf angenommen werden. "Auf dem Papier ist die Liga auf jeden Fall stärker geworden", sagt Rödl, "es gibt diesmal mehr Gegner, die uns das Leben richtig schwer machen können." Er nennt Gießen, Hagen und Braunschweig als Beispiele. Etliche Vereine haben finanziell kräftig aufgestockt. Vielleicht ist es ganz gut für Alba, dass nicht gleich zu Anfang die ganz schweren Kontrahenten warten. Heute (20 Uhr) ist die DJK Würzburg zu Gast in der Schmeling-Halle. Am Sonntag müssen die Berliner beim SSV Ulm antreten. Beide zählen zu den Teams, die eher gegen den Abstieg kämpfen werden als um die Meisterschaft.

Aber Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, aus einer zeitweise schon etwas langweilig gewordenen Meisterschaft wird wieder ein härterer Wettkampf. "Wir haben uns immer stärkere Gegner gewünscht", sagt Albas Präsident Dieter Hauert. "Jetzt haben wir sie und sind glücklich darüber." Die Basketball-Bundesliga ist insgesamt in einer Aufbruchstimmung. Die ersten neuen Hallen in Braunschweig und Spergau, wohin der Mitteldeutsche BC aus Weißenfels umgezogen ist, sind fertig. Bamberg und Trier werden bald ebenfalls neue, moderne Spielstätten haben. Und weil die Fernsehsender Sat 1 und DSF den Basketball als Sportart entdeckt haben, soll dies nur der Anfang sein. Einige Vereine haben allein schon deshalb neue Sponsoren gefunden und reichlich investiert, um wettbewerbsfähiger zu werden, um im Fernsehen eine gute Figur abzugeben.

Alba Berlin spürt auch diesen Aufwind. Die Sponsoreneinnahmen, berichtet Hauert, sind gestiegen. "Jetzt werden wir angesprochen", sagt er. Alba hat sogar die Möglichkeit genutzt, den Sponsorvertrag mit Mercedes auslaufen zu lassen, weil Volkswagen ein besseres Angebot machte: "Das ist das bisher einzige Engagement der Wolfsburger im Sport neben ihrem VfL", sagt Marketingpartner Peter Henke stolz. Überhaupt haben die Berliner mehr Geld zur Verfügung als im Vorjahr. Das Gehalt für den neuen Trainer Emir Mutapcic ist geringer als für seinen Vorgänger Svetislav Pesic; vom Weltverband Fiba gibt es eine hohe sechsstellige Summe für die Fernsehübertragung in der SuproLeague. Außerdem ist da die Gewissheit, auch in den beiden folgenden Jahren das Startrecht in dieser Liga zu haben.

Das wiederum ermöglicht es Alba Berlin, sich von den Anstrengungen der Vorjahre, auch finanzieller Art, zu erholen. Die Vereinskasse hatte ein Loch bekommen. Zum einen durch die kurzfristig notwendig gewordenen Verpflichtungen von Terry Dehere (für den entlassenen Frankie King) und Stephan Baeck (für den verletzten Jörg Lütcke). Dazu verlangte das Finanzamt eine Nachzahlung für die vergangenen Jahre, der Dollar stieg und stieg, was die Gehälter einiger Alba-Spieler, die ihre Verträge in amerikanischer Währung ausgehandelt hatten, in die Höhe schnellen ließ. Und die Alba-Beiträge für die Berufsgenossenschaft haben sich vervierfacht. Nun ist finanziell wieder alles im Reinen, sagt Hauert: "Jetzt schwimmen wir endlich mal im Geld, aber wir nutzen die neue Situation, um eine kleine Kriegskasse anzulegen."

Was nicht heißt, dass die Ziele sich geändert hätten: Meisterschaft, Pokalsieg, eine gute Platzierung in der SuproLeague. "Ich weiß, wie schwer es ist, nach Svetislav Pesic zu kommen", sagt der neue Trainer, "mit ihm will ich mich nicht vergleichen. Aber mit den anderen Trainern in der Bundesliga kann ich das schon." Selbstbewusst geht der 40-jährige Mutapcic die Aufgabe an. "Wir haben hundertprozentig Qualität, wir brauchen nur etwas Zeit und Geduld." Wenn es auch in den Vorbereitungsspielen nicht immer vielversprechend lief, die Heimpremiere in der vergangenen Woche gegen Fenerbahce Istanbul machte Mut. Die Rückkehrer Marko Pesic und Teoman Öztürk wirkten schon sehr gut integriert, die neuen Spieler Derrick Phelps auf der Aufbauposition und Dejan Koturovic unter den Brettern zeigten dem eigenen Publikum auch eine gute Leistung.

Und etwas vom Druck auf den neuen Trainer nimmt Präsident Dieter Hauert, wenn er sagt: "Emir Mutapcic hat mein allergrößtes Vertrauen. Für mich ist es gar nicht so wichtig, dass wir jetzt zum fünften Mal Deutscher Meister werden. Für mich ist es wichtiger, dass es Alba auch in 30 Jahren gibt. Egal, wie oft wir bis dahin Deutscher Meister oder sogar Europameister geworden sind."

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