Sport : Basketball: Generation Ausland

Benedikt Voigt

Was war das für ein Medienecho, als Gerald Asamoah in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft berufen wurde. Quer durch die Republik wurde die Nominierung des Stürmers von Schalke 04 als etwas besonderes gefeiert. Weil Gerald Asamoah der erste Schwarzafrikaner ist, der für Deutschland aufläuft, und nach Erwin Kostedde der zweite Nationalspieler mit dunkler Hautfarbe. Im Basketballer ist das Normalität.

Von den deutschen Basketball-Nationalspielern, die im Kader für das am Freitag in Braunschweig startenden Viernationenturnier stehen, besitzen sechs eine dunkle Hautfarbe. Zudem heißen die meisten der deutschen Auswahlspieler nicht Oliver Kahn, Marko Rehmer oder Sebastian Deisler sondern Ademola Okulaja, Stephen Arigbabu, Mithat Demirel, Drazan Tomic oder Stipo Papic. Von den 19 Spielern, die beim Vorbereitungsturnier für die Europameisterschaft (31. August bis 9. September) spielen sollen, hören zwölf auf einen ausländisch klingenden Namen. "Das ist neu im deutschen Basketball", sagt Roland Geggus, "da ist eine ganze Generation von Kindern ausländischer Eltern erwachsen geworden, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind." In ihren "Bezugsländern", wie der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) die Länder nennt, aus denen die Eltern dieser Nationalspieler stammen, sei Basketball die klare Nummer eins. Und nicht Fußball.

Die Generation Ausland des deutschen Basketballs lässt sich grob in zwei Lager aufteilen. Entweder sind ihre Eltern deutsch-amerikanisch (Demond Greene, Robert Garrett, Marvin Willoughby) oder sie stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien (Vladimir Bogojevic, Marko Pesic, Drazan Tomic, Stipo Papic, Robert Maras). Hinzu kommen der türkischstämmige Mithat Demirel, sowie Ademola Okulaja, der in Lagos (Nigeria) geboren ist, und Stephen Arigbabu, dessen Vater aus Nigeria stammt. Stefano Garris hat eine italienische Mutter und eine US-amerikanischen Vater, wuchs aber in Paderborn auf. Eine Ausnahme bildet der NBA-Spieler Shawn Bradley, der eine deutsche Mutter hat, und in einer Eilaktion vor der Europameisterschaft noch eingebürgert werden soll. Der DBB erwartet heute eine Stellungnahme des Deutschen Sportbundes. "Die könnte Entscheidendes bewirken", sagt Geggus. Für den Freitag plant der DBB eine Pressekonferenz, die den Spieler der Dallas Mavericks zum Thema hat. "Der Fall Bradley wird aber eine Ausnahme bleiben", sagt der DBB-Präsident.

Die Sportart Basketball stand dem Thema Ausländer stets aufgeschlossen gegenüber. "Das muss wohl eine Sportart, die immer gegen die großen deutschen Sportarten Fußball oder Handball ankämpfen muss", sagt Geggus. Schon in seinen Studententagen in Karlsruhe spielte der DBB-Präsident gegen türkische oder persische Kommilitonen. "Es hat im Basketball nie Berührungsängste gegeben", sagt Geggus. Deutsch-Amerikaner wie Michael Jackel (1993 Europameister) oder Bob Peters (1984 Olympia-Teilnehmer) gehörten immer wieder zur deutschen Nationalmannschaft. Auch bei den Trainern gibt es eine Tradition der Ausländer. Der aktuelle Nationaltrainer Henrik Dettmann stammt aus Finnland, zuvor coachte der Jugoslawe Vladislav Lucic das Team. "Da fehlt in Deutschland eine ganze Trainergeneration, weil das Berufsbild in den 80er Jahren nicht vorhanden war", erklärt Geggus. Damals gab es in Deutschland drei hauptberufliche Basketballtrainer, heute sind es 130.

Geggus freut sich über die verschiedenen Kulturen in seinem Nationalteam. Die vielen Nationalitäten spiegelt die Realität in der Bundesliga und auf den Streetballplätzen wider. "Wir sind weltoffen", sagt der DBB-Präsident, "und das ist gut."

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