Basketball im TV : Bayern München läuft immer

Die Bundesliga der Basketballer läuft in dieser Saison erstmals auf dem Fernsehsender Kabel 1 – allerdings fürchten Fans und kleine Klubs ein reines Bayern-Programm. Und eine zu große Nähe zum Fußball.

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Immer am Ball. Nach dem Empfinden vieler Fans erhalten die Bayern (im Bild mit Tyrese Rice) zu viel Aufmerksamkeit.
Immer am Ball. Nach dem Empfinden vieler Fans erhalten die Bayern (im Bild mit Tyrese Rice) zu viel Aufmerksamkeit.Foto: dapd

Im Werbespot sind die üblichen Gesichter zu sehen, mit denen man im deutschen Sport Geld und Aufmerksamkeit verdienen kann. Bastian Schweinsteiger dribbelt, Uli Hoeneß meckert. Die anderen Darsteller wirken wie Beiwerk – dabei sind sie doch eigentlich die Protagonisten. Am Ende des Clips, in dem Schweinsteiger mit Basketball-Nationalspielern wie Lucca Staiger oder Per Günther ein paar Körbe wirft, erklingt eine bedeutungsschwangere Stimme: „Die Basketball-Bundesliga mit dem FC Bayern, am 18. November um 13 Uhr, live bei Kabel1.“ Dass die Münchner zum Auftakt der Basketball-Übertragungen bei Kabel1 am heutigen Sonntag auf den dreifachen Double-Gewinner Baskets Bamberg treffen, erwähnt der Sprecher nicht.

Für viele deutsche Basketballfans dürfte die heutige Sendung ein zwiespältiges Vergnügen sein. Einerseits wird in den einschlägigen Internetforen begrüßt, dass die Sportart einen Sendeplatz abseits des Spartenkanals Sport1 gefunden hat. Die übermächtige Medienpräsenz des FC Bayern aber ist für viele Anhänger anderer Klubs ein Ärgernis – zumal auch die zweite Übertragung auf Kabel1 am 9. Dezember die Bayern präsentieren wird, dann gegen Bonn.

Jan Pommer kennt diese Befindlichkeiten. „Das wird kein Bayern-Programm“, versichert der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL). Kabel1 hat sich bis zu zehn Saisonspiele gesichert; welche Begegnungen der Sender auswählt, ist noch offen. Pommer wertet den Einstieg des Senders als „sehr wichtigen Schritt“. Die Entscheidung, beim Versuch, gerade neue Fans zu gewinnen, auf die Marke Bayern zu setzen, nennt er „zwangsläufig“.

Das sieht wohl auch die Unternehmensgruppe ProSiebenSat1 so, die mit Kabel1 voll auf Bayern München setzt, wie die Werbekampagne zeigt. „Bayern München ist eine so bekannte Marke, die der BBL gleichermaßen gut steht wie uns“, sagt Kabel1-Geschäftsführer Karl König. Auch beim Sender Sport1, der ein BBL-Spiel pro Woche überträgt, spielt der FC Bayern eine prominente Rolle. „Die wichtigste Komponente ist die sportliche Attraktivität“, sagt Olaf Schröder, Chefredakteur von Sport1, über den Auswahlprozess der Livespiele. Aber auch er fügt an: „Das Interesse an den Bayern tut dem gesamten Sport gut.“ In der vergangenen Saison hatten die Bayern-Spiele allerdings in etwa die gleiche Reichweite wie die Partien der anderen Vereine. Rund 130 000 Zuschauer schalteten im Schnitt Sport1 ein, der Trend zeigt nach oben.

Jan Pommer arbeitet daran, dass sich dieser Trend verstärkt. Dafür hat er sich in den vergangenen Monaten mit den Traditionsvereinen Hamburger SV, Borussia Dortmund und Schalke 04 getroffen und den Fußball-Managern die BBL im Allgemeinen und das Basketball-Konzept des FC Bayern im Besonderen vorgestellt. „Sport-Bild“ berichtete zuletzt von einem „Geheimplan“, weitere Fußballklubs zum Basketball zu lotsen – und löste damit noch mehr Fan-Unmut aus. „Wir versuchen die großen Sportmarken – und das sind in Deutschland nun mal die Fußballvereine – auf uns aufmerksam zu machen“, sagt Pommer. „Wir wollen unseren Markt erweitern.“ Allerdings stellt der 42-Jährige auch klar: „Ich habe denen nichts angeboten, ich habe sie informiert.“ Laut Pommer ist für keinen der drei Fußballklubs ein Einstieg in den Basketball aktuell ein Thema.

Bei kleineren BBL- Klubs wie der TBB Trier ist man angesichts der großen Fußballaffinität im deutschen Basketball zwiegespalten. Das Trierer Vorstandsmitglied Sascha Beitzel sieht die Gefahr, dass prominente Fußballklubs aus Städten wie Hamburg kleinere Basketball-Standorte irgendwann aus der Liga drängen. „Andererseits haben wir die Chance, auf den Zug aufzuspringen“, sagt Beitzel. Damit tun sich die Trierer allerdings noch schwer. Eine Fankampagne hat jüngst darauf aufmerksam gemacht, dass seit 30. Oktober 2010 kein Spiel der Trierer mehr im Fernsehen zu sehen war. Der FC Bayern kommt allein seit Sommer 2011 auf 19 Übertragungen. Am Sonntag steigt diese Zahl auf 20.

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