Sport : Basketball in Europa: Suproleague oder ULEB? Keiner weiß mehr, was gespielt wird

Dietmar Wenck

Zum Glück gibt es Fristverlängerungen. "Im Moment", sagt Marco Baldi, der Vizepräsident des Deutschen Basketball-Meisters Alba Berlin, "wissen wir wirklich nicht, für wen wir uns entscheiden sollen." Der Verein, der in den vergangenen vier Jahren in der Europaliga gespielt und fast jeden der großen europäischen Klubs mindestens einmal geschlagen hat, schwankt zwischen der "Suproleague" des Weltverbandes Fiba und der neu gegründeten Europaliga der ULEB. Die ULEB ist die Union europäischer Basketball-Ligen, die kurioserweise unter dem Dach der Fiba existiert und sich nun gegen diese Organisation auflehnt, weil sie mit den Modalitäten der neuen "Suproleague" unzufrieden ist. Eigentlich sollte gestern die Meldefrist enden, doch die Fiba schob den Termin bis zum 30. Juni auf. Das war einer der klügsten Beschlüsse des Verbandes in den letzten Monaten.

Zur ULEB zählen unter anderem die griechische, spanische, italienische und französische Liga, also die stärksten Vereine Europas. Ihre Teilnahme zugesagt hatten außerdem bereits Zalgiris Kaunas und Olimpija Ljubljana, auch sie erste europäische Adressen. Die ULEB verbreitete in dieser Woche die Nachricht, dass auch Asvel Villeurbanne aus Frankreich und Cibona Zagreb dabei sein werden. Das wären zwei weitere Spitzenteams neben den zur ULEB zählenden Olympiakos Piräus, Panathinaikos Athen, Real Madrid, FC Barcelona, Kinder und Paf Bologna. Da bleiben nicht mehr viele auf der anderen Seite. Maccabi Tel Aviv, ZSKA Moskau, der Jugoslawische Meister Budocnost Podgorica zum Beispiel. Auch Teams, die in Spanien, Griechenland oder Italien nicht zur ersten Garnitur gehören, haben angeblich Interesse bekundet.

Und Alba Berlin? Marco Baldi ist skeptisch. "Ich glaube nicht alles, was ich da so höre - der spielt hier, der spielt dort. Da wird im Moment von beiden Seiten unheimlich viel Politik gemacht", sagt er. Das neueste Gerücht lautet, dass Panathinaikos nun doch zur Fiba tendiert. Man weiß, dass Fiba-Präsident Stankovic zu Gesprächen in Athen weilte. Man weiß nicht, was den Griechen zugesagt wurde. Kaum ein Tag vergeht, an dem Fiba- und ULEB-Vertreter nicht verhandeln. Das immerhin ist ein positives Zeichen. Allen ist klar, dass zwei Ligen der Sache nur schaden würden. "Ich glaube immer noch, dass ein Kompromiss möglich ist", hofft Baldi. Eine Entscheidung ist schon deshalb jetzt nicht zu treffen, weil gar keine Entscheidungsgrundlage da ist. Weil derzeit beide Seiten ständig mit neuen Kompromissvorschlägen kommen, weiß niemand, was wirklich gespielt wird. Der Modus ist noch unklar, die Kriterien der Qualifikation stehen nicht fest.

Fest scheint nur eines zu stehen: Die rebellischen Vereine wollen sich in keinem Fall die Vermarktungsrechte aus der Hand nehmen lassen. Die Fiba hat die Rechte zentral an den Rechteverwerter ISL verkauft und sich damit den Zorn der großen Klubs zugezogen. Die Zeit drängt, aber so verhärtet, wie die Fronten momentan sind, könnte es durchaus sein, dass die Fiba am 30. Juni etwas bekannt gibt, was allen hilft: eine Fristverlängerung.

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