Basketball in Spanien : Klubs an der Sonne

Spanien organisiert die beste Basketballliga Europas. Das werden Alba Berlins Profis spüren, wenn sie am Donnerstag in der Europaliga auf Real Madrid treffen.

Benedikt Voigt
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Abgehoben. Real Madrids Sergio Llull (r.) und Barcelonas Juan Carlos Navarro spielen in anderen Basketball-Sphären.Foto: AFP

Berlin - Bei einem etwas minderbemittelten Basketball-Klub in Europa wäre das Klagen groß, wenn ein Mann wie der spanische Nationalspieler Raul Lopez verletzt ausfiele. Dem Verein käme immerhin ein ehemaliger NBA-Spieler und Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2008 abhanden. Ein anderer Klub setzt stattdessen auf Pepe Sanchez, Goldmedaillengewinner mit Argentinien bei den Olympischen Spielen 2004, und freut sich, dass nun der 21 Jahre alte, von NBA-Klubs beobachtete Sergi Llull glänzen kann. Dieser Klub heißt Real Madrid.

Real ist in Berlin hoher Favorit

Über die große Qualität im Kader des Basketballteams von Real Madrid können sich die Berliner Zuschauer am Donnerstag in der Großarena am Ostbahnhof ein Bild machen (20.30 Uhr, live auf bbl.tv, Zusammenfassung ab 22.35 Uhr im RBB). Die Spanier treten im zweiten Zwischenrundenspiel der Europaliga bei Alba Berlin als hohe Favoriten an. Das belegen auch die Ergebnisse der ersten Runde: Real gewann gegen den FC Barcelona (85:83), Alba Berlin ging bei Maccabi Tel Aviv 65:96 unter. Real ist nach Badalona und Tau Vitoria die dritte Mannschaft aus der spanischen Eliteliga ACB, die in Berlin antritt. Der FC Barcelona wird am 26. Februar noch folgen. Neben Tau Vitoria ist mit Unicaja Malaga eine vierte spanische Mannschaft in die Runde der besten 16 europäischen Mannschaften eingezogen. Was die Stärke der spanischen Liga nur noch unterstreicht.

Aufsteiger müssen 2,5 Millionen Euro zahlen

„Die ACB ist die beste nationale Liga in Europa“, sagt Marco Baldi. Der Geschäftsführer von Alba Berlin macht keinen Hehl daraus, dass er die spanische Liga als Vorbild für die deutsche Bundesliga betrachtet. Zumal die spanische Liga in Europa vor rund 15 Jahren nach der griechischen und italienischen Liga noch an Nummer drei lag. „Diese Stärke ist kein Hexenwerk“, sagt Marco Baldi, „da steckt ein Instrumentarium dahinter.“ So seien die Standards für die Aufnahme in die ACB sehr hoch. Die Klubs müssen über eine Halle für 5000 Zuschauer verfügen. „Wer aufsteigt, muss erst mal 2,5 Millionen Euro bezahlen“, sagt Baldi, „beim Abstieg ist das Geld dann weg.“ Mit dieser Summe soll der Neuling seine finanziellen Möglichkeiten und ein nachhaltiges Interesse an der Liga unter Beweis stellen. Vor Insolvenzen schützt diese Maßnahme trotzdem nicht, wie das Beispiel des pleitegegangenen ACB-Klubs Girona gezeigt hat. Die Liga übernimmt im Gegenzug Leistungen wie ein weltweites Scoutingsystem, auf das alle ACB-Klubs zurückgreifen können.

Die Klubs setzen auf den eigenen Nachwuchs

Zur Popularität hat auch das Engagement der beiden Traditionsklubs Real Madrid und FC Barcelona beigetragen. „Das sind die Treiber“, sagt Baldi. Inzwischen sind auch Tau Vitoria, Malaga oder Badalona etabliert. „Die Liga ist sehr ausgeglichen“, sagt der deutsche Nationalspieler Jan Jagla, der in Badalona spielt, „es kann vorkommen, dass Real Madrid beim Tabellenvorletzten Menorca verliert.“ In der Türkei oder Griechenland gebe es nur zwei bis drei Spitzenklubs. Auch setzten die Spanier auf eigene Spieler. „Damit können sich die Leute identifizieren“, sagt Jagla, „ohne unsere Jugendarbeit, die Rudy Fernandez und Ricky Rubio herausgebracht hat, wäre Badalona nie so erfolgreich gewesen.“

Der gebürtige Berliner Jan Jagla drückt heute zwar Alba die Daumen. Auch Marco Baldi glaubt, dass Alba Real Madrid schlagen könne. An einem sehr guten Tag. „Aber wenn man drei, vier kleine Fehler macht, wird das sofort mit zehn bis zwölf Punkten bestraft“, sagt Albas Geschäftsführer. Und dann droht der Untergang, weiß Marco Baldi: „Dann hören die nicht mehr auf.“

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