Sport : Basketball: Kontinuität am Fuße des Teufelsbergs

Benedikt Voigt

Eigentlich hätte Trainer Emir Mutapcic am Montag morgen am Fuße des Teufelsberges einen tiefen Blick in die Augen seiner Spieler werfen müssen. So viele Vereinsangestellte wie beim ersten Lauftraining für die neue Saison wird der Trainer des fünfmaligen Deutschen Basketballmeisters in den nächsten Wochen nicht mehr zu sehen kriegen. Mithat Demirel, Marco Pesic, Stipo Papic und Stefano Garris verschwinden zur Nationalmannschaft und steigen erst am 12. September ins Mannschaftstraining ein. Und die Verletzten Jörg Lütcke, Henrik Rödl und Dejan Koturovic können erst nach und nach das komplette Training wieder aufnehmen. Mutapcic sagt: "Das ist eine schwierige Situation für uns."

Da trifft es sich gut, dass Alba Berlin bei der Zusammenstellung der Mannschaft für die Saison 2001/2002 auf Kontinuität setzte. Seitdem sich Alba Berlin in der Nacht zum Montag mit Wendell Alexis einigte, ist klar, dass das alte Team auch das neue ist. Keiner hat den Verein verlassen, nur Nationalspieler Mithat Demirel kommt noch hinzu. Angesichts der kurzen Vorbereitungszeit auf die am 5. Oktober mit einem Heimspiel gegen den Mitteldeutschen BC startende Saison, ist das auch eine gute Entscheidung. "Diese Kontinuität muss uns eine neue Qualität bringen", sagt der Trainer. Außerdem müssen durch Demirels Verpflichtung Marko Pesic und Henrik Rödl künftig nicht mehr als Aufbauspieler aushelfen. Auch Spielmacher Derrick Phelps profitiert von einem zweiten Aufbauspieler. "Er kann intensiver spielen und muss nicht mehr 36 oder 37 Minuten auf dem Feld stehen", erklärt Mutapcic. Das Alba-Team 2002 kann taktisch noch besser variieren, dabei verlor es in der Bundesliga nur zwei Spiele. Wird Alba also nun noch dominanter?

"So etwas kann man nicht wiederholen", glaubt Mutapcic. Zumal ihm in der Bundesliga in dem Aufsteiger Rhein-Energy Cologne ein starker Konkurrent erwächst. Gestern verpflichteten die Kölner den jugoslawischen Weltmeister Sasa Obradovic, der 1997 mit Alba Berlin den Korac-Cup holte. "Köln hat eine gute Mannschaft", findet der Alba-Coach, "und einen sehr, sehr guten Trainer." Das ist Svetislav Pesic, Mutapcics Vorgänger bei Alba und ein guter Freund des Berliner Trainers. Nun zählt Pesic auch zu seinen Konkurrenten. Neben dem Aufsteiger aus Köln zählt er auch Bonn, Frankfurt, Leverkusen und Gießen zu den Favoriten für die kommenden Bundesligasaison.

Während es in der Bundesliga darum geht, den sechsten Titel in Folge zu holen, ist das Ziel in der Euroleague etwas bescheidener. Es gilt, angesichts der starken Konkurrenten wie Maccabi Tel Aviv, Efes Istanbul, Benetton Treviso oder Olympiakos Piräus in der Vorrunde unter die ersten vier zu kommen. Die kurze Vorbereitungszeit empfindet der Trainer nicht als Nachteil: "Anderen Vereine in der Euroleague geht es auch so." Der Europameisterschaft in der Türkei kann er auch Positives abgewinnen. Zuletzt rückten Demirel und vor allem der junge Garris in der Nationalteam in den Mittelpunkt. "Wenn die jungen Leute internationale Erfahrung sammeln können, dann profitieren auch wir davon." Allerdings müssen ebenso gesund zurückkehren, wie sie am Montag morgen bei Mutapcic am Fuße des Teufelsberg standen.

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