Basketball : Land der 234 Basketballer

Das deutsche Nationalteam tritt gegen einen unbekannten Gegner an: die Kapverdischen Inseln.

Katrin Schulze

Berlin - Kapverden auf einer Landkarte zu finden, ist gar nicht so einfach. Es sind nur einige kleine Inseln westlich von Afrika, aus denen sich der Staat zusammensetzt. Für viele Dinge ist der Staat auch noch nicht berühmt. Ein beliebtes Touristenziel ist er, doch lange nicht so populär wie die etwa eine Flugstunde entfernten Kanarischen Inseln. Auch als große Basketballnation sind die Kapverdischen Inseln bisher nicht in Erscheinung getreten. Doch das könnte sich – zumindest kurzfristig – ändern. Denn Kapverden ist als Gegner der deutschen Basketball-Nationalmannschaft für die Olympia-Qualifikation ausgelost worden.

Beim Qualifikationsturnier im Juli in Athen trifft die Mannschaft von Dirk Bauermann in der Vorrunden-Gruppe B auf Neuseeland und den Vertreter Afrikas, eben Kapverden. Dass sie auf dem Archipel mit der Hauptstadt Praia überhaupt einigermaßen professionell Basketball spielen, war bis jetzt nicht einmal deutschen Basketballexperten bekannt – viele Spieler gibt es dort auch nicht, wie sich jetzt herausstellt. Von den etwa 430 000 Einwohnern Kapverdens üben offiziell ganze 234 die Sportart aus. Mit dieser Anzahl könnte man nicht einmal alle Mannschaften der Basketball-Bundesliga komplett ausstatten.

Trotzdem möchte die deutsche Nationalmannschaft ihren Vorrundengegner nicht unterschätzen, erste Informationen hat der Verband bereits eingeholt. Doch wie will sich die Nationalmannschaft auf das unbekannte Team vorbereiten? Ingo Weiss lacht. „Tatsächlich wissen wir nichts über die Basketballtradition der Inseln“ , sagt der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB). Aber es gäbe durchaus Möglichkeiten, dies zu ändern: Zum einen wollen sich die Deutschen Informationen mittels befreundeter afrikanischer Nationen wie Angola oder Nigera einholen, die bereits gegen Kapverden angetreten sind. Ein Indiz über die Stärke des Inselstaates haben sie beim DBB schon, denn die Mannschaft hat ihr erstes Spiel gegen die auch nicht gerade als Basketballmacht bekannte angolanische Auswahl mit 43:101 verloren. „Sicherlich wird Kapverden r von anderen europäischen Mannschaften zu Vorbereitungsturnieren eingeladen“, hofft Ingo Weiss. „Dort können wir dann hinfahren und uns genauer über das Niveau der Mannschaft informieren.“ Natürlich gibt auch der Spielerkader und die Struktur der Mannschaft Auskunft über die kapverdische Basketball-Nationalmannschaft.

Amtssprache auf den kleinen Inseln ist portugiesisch, viele europäische Einwanderer bestimmten die Kultur. „Ich kann mir vorstellen, dass sie ähnlich spielen wie die Spanier, weil sie sehr spanisch angehaucht sind“, sagt Weiss. Allerdings werden sie beim deutschen Verband wohl auch nicht zu viel Zeit mit der Vorbereitung auf die Vorrundengegener verwenden. Schließlich führt der Weg zu den Olympischen Spielen nach Peking nicht in erster Linie über den Inselstaat im Zentralatlantik. Auch gegen den anderen Vorrunden-Gegner Neuseeland gewann die deutsche Nationalmannschaft schon bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 deutlich. Und so klingt das Ziel der Deutschen alles andere als vermessen. „Unser Bestreben ist es, Gruppensieger zu werden“, sagt Bundestrainer Bauermann.

Bei dem Ausscheidungsturnier für Olympia warten erst nach der Gruppenphase die wirklich starken Konkurrenten. Hier gilt es Topteams zu schlagen, um mindestens den dritten Turnierplatz zu erreichen. Griechenland oder Brasilien wären dabei starke Konkurrenten, „die wären mit drei NBA-Spielern ein ganz dicker Brocken“, findet Dirk Bauermann. Und nicht im geringsten zu vergleichen mit den Kapverdischen Inseln, westlich von Afrika.

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