Basketball : Man spricht Serbisch

Mit der Herkunft hat sich auch die Spielweise von Albas Basketballteam geändert.

Moses März

Berlin - Vielleicht sind Vujadin Subotic, dem serbischen Flügelspieler von Alba Berlin, am Sonntag ein paar seiner Kollegen in die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde unweit der Max-Schmeling-Halle gefolgt. „Auch unsere anderen serbischen Spieler gehen zu wichtigen Anlässen in die Kirche“, sagt Subotic, „so wurden wir erzogen.“ Subotic und seine Kollegen vom Basketball-Bundesligisten Alba Berlin konzentrieren sich in dieser Woche aber auch noch auf einen anderen wichtigen Anlass, einen rein sportlichen. Im heutigen Spiel gegen Bosna Sarajevo (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle), den Klub, bei dem Albas ehemalige Trainer Svetislav Pesic und Emir Mutapcic früher als Spieler tätig waren, geht es bereits um eine Vorentscheidung im Uleb-Cup. Die ersten beiden Plätze der Gruppe A werden wohl an die Favoriten Joventut Badalona und Telekom Ankara gehen. Um den dritten Platz, der den sicheren Einzug in die nächste Runde bedeutet, kämpfen Alba Berlin, Siauliai (Litauen) und eben Sarajevo.

Ob Alba heute erfolgreich sein wird, wird zu großen Teilen von Spielern abhängen, die wie Bosna aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen: Sechs Spieler aus Serbien und Montenegro stehen im Alba-Kader, der vom Serben Luka Pavicevic und seinem bosnischen Assistenten Petar Aleksic trainiert wird: Aleksandar Rasic, Goran Nikolic, Mladen Pantic, Vujadin Subotic sowie die verletzten Dragan Dojcin (Achillessehne) und Goran Jeretin (Kreuzbandriss). Drei US-Amerikaner und der deutsche Nationalmannschafts-Center Patrick Femerling komplettieren den Kern des Teams. Noch in der vorigen Saison waren die Kräfteverhältnisse zwischen Ex-Jugoslawen und Amerikanern umgekehrt. Das Aus im Play-off-Viertelfinale gegen Quakenbrück ließ die Alba-Verantwortlichen umdenken, sie legten die Verantwortung wieder in die Hände von Spielern und Trainern aus dem ehemaligen Jugoslawien. Mit ihnen hatten sie unter Pesic und Mutapcic gute Erfahrungen gemacht.

Im Training und in der Kabine wird viel Serbisch gesprochen – vor allem hat der Kurswechsel aber Auswirkungen auf Albas Spielweise. „Unsere US-Forwards im letzten Jahr waren athletischer“, sagt der Amerikaner Julius Jenkins, der einzige Leistungsträger, der schon in der Vorsaison für Alba spielte, „die jetzigen Spieler sind es zwar nicht so sehr, dafür beherrschen sie aber die Grundlagen besser, sind geschickter und sie werfen besser.“ Im Spiel bedeutet das weniger spektakuläre Dunkings, dafür aber das saubere Durchspielen von Systemen, das in der Regel zu einfachen Punkten führt.

Dragan Dojcin drückt den Unterschied zwischen den verschiedenen Konzepten drastischer aus: „In Amerika geht es doch nur darum, wer besser wirft und nicht darum, wer intelligenter spielt – jeder denkt zuerst an sich.“ Auch Vujadin Subotic findet, dass Spieler aus Serbien mehr Wert auf die Details und das Resultat des Spiels legen, während Amerikaner eher an ihre Statistiken denken. „Einer im Team macht nun mal mehr Punkte als die anderen“, sagt Julius Jenkins. Häufig ist er es selbst, mit rund 18 Punkten im Schnitt ist er drittbester Werfer der Bundesliga und hat großen Anteil daran, dass sein Team Tabellenzweiter ist.

Sein Landsmann Dijon Thompson aus Los Angeles war überrascht, als er in diesem Sommer bei Alba kaum Deutsche, dafür aber viele Serben antraf. Ihr besonderes Spielverständnis und ihre gute Wurfauswahl sind ihm allerdings aufgefallen – genauso wie die Tatsache, dass er einer der wenigen im Team ist, der in seiner Freizeit Berlin erkundet. „Weil ich keine feste Beziehung habe, habe ich mehr Freizeit als die anderen. Ich gehe shoppen, in verschiedene Cafés und auch mal abends aus.“ Von seinen serbischen Kollegen hingegen sei in Berlin noch niemand auf einer Party gewesen. „Wenn wir mal Zeit haben, verbringen wir sie mit unseren Familien. Leider trainieren wir so oft, dass es eher unsere Frauen sind, die gemeinsam etwas unternehmen. Letztens waren sie im Pergamonmuseum“, sagt Subotic.

Auch wenn bei Alba zwei sehr verschiedene Kulturen aufeinandertreffen, scheint es bislang noch keine Probleme innerhalb des Teams zu geben. Schließlich fällt auch Dragan Dojcin etwas Positives zum amerikanischen Basketball ein: „In besonders engen Spielsituationen sind es die Amerikaner, die den Mut haben, sich den Ball zu schnappen und ihn einfach in den Korb zu werfen – so sind sie nun mal erzogen worden.“ Schaffen die Berliner es heute, diese Qualität mit der jugoslawischen Basketballphilosophie zu kombinieren, hätten sie eine gute Siegeschance gegen Bosna Sarajevo.

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