Sport : Basketball: Meckern statt loben

Helen Ruwald

Als sein Team den Mitteldeutschen BC(MBC) zum Saisonauftakt mit 111:85 geschlagen hatte, setzte Alba Berlins Basketballtrainer Emir Mutapcic zum Lob an. Zum Lob des Gegners. Der MBC sei ein junges Team "mit hohem Potenzial und Teamgeist, das noch Zeit braucht", sagte er. Für seine Mannschaft fand er trotz des souveränen Sieges hauptsächlich kritische Worte. "Wir sind noch nicht fit. Pro Viertel haben wir 20 bis 22 Punkte bekommen, vergangene Saison waren es 16 bis 17." Vizepräsident Marco Baldi hatte zwar eine "schöne Veranstaltung" erlebt, war aber bei der Betrachtung des Deutschen Meisters auf seine Vorstellungskraft angewiesen: "Mit viel Fantasie kann man sich ein sehr gutes Team vorstellen."

Stefano Garris und Mithat Demirel fielen verletzt aus, Henrik Rödl und Jörg Lütcke sind nach Operationen noch in der Aufbauphase. "Bei Lütcke ist die Reaktion beim ersten Schritt noch nicht so wie früher, Rödl ist in der Verteidigung weit weg von seiner Idealform", stellte Mutapcic fest. Die Verantwortlichen taten alles, um den geglückten Saisonstart klein zu reden und die Erwartungen zu dämpfen, dass Alba wie im Vorjahr in der Bundesliga bis zum letzten Spieltag dominiert. Leverkusen, auch einer der Titelfavoriten, verlor am Freitag in eigener Halle nach einer 23-Punkte-Führung gegen Aufsteiger Tübingen, die vor dem Start hoch gelobten Kölner unterlagen in Frankfurt nach Verlängerung und sind nach der zweiten Niederlage Tabellenletzter. Und was tut Alba? Deklassiert den Gegner trotz Verletzter, mit vielen Bankspielern und einem Center (Jiri Zidek), der sechs Tage zuvor sein erstes Training mit seinem neuen Team absolviert hat.

Sollten die Fans ruhig Topscorer Wendell Alexis (24 Punkte) und seinen 5000. Punkt für Alba bejubeln und Zideks 18 Zähler in nicht einmal 16 Minuten Spielzeit - Mutapcic und Baldi sprachen lieber von den Dingen, die es zu verbessern gilt. Schließlich tritt Alba schon heute bei der DJK Würzburg an (14.55 Uhr, live im DSF) und am Donnerstag beim Suproleague-Sieger Maccabi Tel Aviv, der mit dem MBC nicht zu vergleichen ist. Zidek "ist bei seinem guten Einstand noch hektisch hin- und hergelaufen", sagte Baldi, während der Tscheche froh war, "dass das erste Spiel hinter mir liegt. Das ist doch immer ein bisschen aufregend. In der Verteidigung gibt es viel zu verbessern." Zidek wechselte sich mit Papic, Öztürk und Alexis auf der Centerposition ab, soll aber schnellstens als Center Nummer eins integriert werden.

Die jungen Spieler wie Tommy Thorwarth (15 Punkte) und Sven Schultze (10) bewiesen wieder einmal, dass das Niveau nicht absinkt, wenn sie auf dem Feld stehen. Mutapcic fand lobende Worte allerdings nicht für sie, sondern für Wendell Alexis. "Er ist 37 und hat die Einstellung eines 27-Jährigen. Das hat er heute wieder gezeigt."

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